Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Umfrage: Wie Menschen im Speyerer Umland mit dem Thema Coronavirus umgehen

Überall knapp: Desinfektionsmittel.
Überall knapp: Desinfektionsmittel.

HANHOFEN. Montagmorgen, kurz nach acht: Auf dem Parkplatz vor der Aldi-Filiale in Hanhofen herrscht schon Betrieb. Ob das etwas mit dem seit Wochenbeginn geltenden Angebot des Discounters an Desinfektionsmitteln zu tun hat? Die RHEINPFALZ hat mit einigen Kunden über das Coronavirus und die Folgen gesprochen.

Ein Blick in die Einkaufswagen der Kunden vor der Hanhofener Aldi-Filiale am Ortsrand gleicht gestern einer Art Stimmungsumfrage: Der Inhalt sagte oft schon einiges über die Einstellung der Menschen zum Thema Coronavirus. So etwa bei Heidrun Job: „Von Hamstern halte ich gar nichts, genauso von der allgemeinen Hysterie der Bevölkerung und der Medien. Wenn man Corona bekommen soll, bekommt man es auch. Warum man dann die Supermarktregale leerkaufen muss, verstehe ich nicht“, sagt sie und weist auf ihren spärlich gefüllten Wagen hin. Auf das Angebot, Desinfektionsmittel bei Aldi zu ergattern, sei sie nicht zurückgekommen.

Der Discounter reagiert mit dem Angebot aus Desinfektionsspray, -gel und Tüchern, das seit Montag erhältlich ist, auf die immense Nachfrage der Kunden nach solchen Produkten. Seit das Coronavirus auch in Deutschland angekommen ist, sind diese in Apotheken, Drogerien oder Supermärkten oft ausverkauft und auch online teils nur zu Wucherpreisen erhältlich. Wegen der großen Nachfrage stehen die Desinfektionsmittel nicht im Regal, sondern bei den Kassiererinnen, und die Stückzahl wird pro Kunde rationiert.

Bangen um die Urlaubsreise

Ein Hanhofener Kunde kann nicht glauben, dass die aktuellen Umstände solche Maßnahmen erfordern: „Das ist psychologische Kriegsführung, wenn man mich fragt“, findet er. „Man muss sich nur einmal vor Augen führen, wie das Virus die Wirtschaft lahmlegen wird, nur weil die Öffentlichkeit einen solchen Aufruhr darum macht. Ich persönlich glaube, dass das ganze in einem Monat Geschichte sein wird.“ Auf die Frage, ob das Coronavirus Auswirkungen auf seinen eigenen Alltag habe, meint der Mann, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte: „Ich bin schon vorsichtiger geworden. Auf ein Konzert würde ich momentan nicht unbedingt gehen.“ Er sei gespannt, ob die Kreuzfahrt am Nordkap, die er mit seiner Frau für Ende Mai geplant habe, stattfinden könne.

Ein paar Meter weiter räumt eine Ärztin aus dem Raum Neustadt einige Packungen Küchenrollen in ihr Auto. Ihr Besuch bei Aldi hat wohl mit Corona, aber weniger mit dem Angebot an Desinfektionsmitteln zu tun, wie sie erklärt. „Ich betreibe eine Praxis und habe seit dem Corona-Ausbruch enorme Beschaffungsprobleme bei der medizinischen Schutzausrüstung“, sagt sie. Seit 18 Jahren müsse sie sich nun zum ersten Mal Sorgen machen, sich und ihre Mitarbeiter ordnungsgemäß schützen zu können. „Deshalb bin ich heute Morgen hin- und hergefahren, um mich selbst um Material zu kümmern“, berichtet die Ärztin. „Ich habe zwar keine Angst vor Corona, bin aber vorsichtig, weil sich das Virus so leicht verbreitet.“ In der Praxis versuche sie, Patiententermine zeitlich voneinander zu trennen, damit das Wartezimmer nicht zu voll wird, und sie rät den Patienten, sich gründlich die Hände zu waschen. „Ich wünsche mir, dass die Politik aus diesem Ausbruch lernt. Wir brauchen in Zukunft mehr Intensivbetten, Beatmungsplätze und eine besser funktionierende Kommunikation zwischen Politik und Medizin.“

Vorräte für Notfall aufgestockt

Brigitte Lerner ist froh über die Möglichkeit, doch noch an Desinfektionsmittel zu gelangen: „Ich habe mir ehrlich gesagt schon Sorgen gemacht“, sagt sie. „Mein Mann und ich sind nicht mehr die Jüngsten, und irgendwie muss man sich ja schützen. Deshalb habe ich jetzt von dem Angebot Gebrauch gemacht und Desinfektionsgel gekauft.“ Ansonsten bliebe sie momentan viel zu Hause und habe auch einen umfangreicheren Vorrat an Lebensmitteln im Haus. „Ein bisschen was hat man ja immer da“, meint die 70-Jährige, „und das haben wir jetzt eben noch etwas aufgestockt, für den Notfall“.

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