Rhein-Pfalz Kreis Trost finden in der Musik
«Mutterstadt.» Sich mit Musik an geliebte Menschen erinnern und gemeinsam Halt geben – das konnten die Besucher des „Konzerts für Engel“ an Allerheiligen in der protestantischen Kirche in Mutterstadt. Volker Bengl und Ulrike Machill gestalteten das Konzert mit Wunschtiteln als Gedenken an Verstorbene.
Alles stand im Zeichen der Erinnerung, der Erinnerung an geliebte Menschen, die gestorben, aber deshalb noch lange nicht vergessen sind. Bereits zum vierten Mal sangen Sopranistin Ulrike Machill und ihr Bruder, Tenor Volker Bengl, beim „Konzert für Engel“ Lieder zum Gedenken an die Verstorbenen. Musikalisch begleitet wurden sie dabei von Stefan Franz. Die Lieder waren Wünsche von Zuhörern, die gerne an ihre persönlichen Engel erinnern wollten. „Wir Christen haben die Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist. Dass unsere Lieben weiterleben als Engel – daher auch der Name des Konzerts“, sagte Pfarrer Heiko Schipper zu Beginn. Musik drücke aus, wofür manchmal die Worte fehlen. „Über die Musik können wir gemeinsam an sie denken und an sie erinnern“, meinte er weiter. Für jeden Verstorbenen, an den an diesem Abend mit einem Lied gedacht wurde, stand eine brennende Kerze neben dem Altar. Alle Lieder waren Wünsche von Zuhörern, die angeben konnten, an welchen „Engel“ sie damit erinnern wollten. Die Stimmung im Gotteshaus war sehr emotional. „Und bis wir uns wiedersehen halte Gott dich fest in seiner Hand“, sangen Volker Bengl und seine Schwester Ulrike Machill den irischen Segensgruß „Möge die Straße uns zusammenführen.“ Das Publikum war sehr ergriffen, trauerte ganz offen. Neben deutschen Liedern wie „Die Rose“, „Im schönsten Wiesengrunde“ und dem „Wolgalied“ sangen die Geschwister auch Lieder auf Englisch und Italienisch. Bei „Sierra Madre“ erklangen auch Stimmen aus dem Publikum. „Es ist immer schön zu sehen, wie das Publikum mit den Liedern fühlt“, sagte die Sopranistin. Das Konzert gebe eine Zeit für Besinnung und Trauer. „Das bedeutet auch, dass geweint wird. Aber das gehört eben zur Trauer dazu.“ Das Schöne sei aber, dass man hier nicht alleine mit seinen Gefühlen sei. „Jeder hier kennt dieses Gefühl, wir haben alle das Gleiche durchgemacht in gewisser Weise. Das gibt natürliche einen Halt“, erzählte Machill. Sie hatte vor ein paar Jahren die Idee, dieses besondere Konzert im Andenken an liebe Verstorbene zu gestalten. „Ich sollte damals auf einer Beerdigung singen und wusste nicht, ob ich das schaffe. Es war sehr emotional“, erinnerte sie sich. Sie habe dann das Projekt dieses Allerheiligen-Konzerts ins Leben gerufen, um eine Plattform zu bieten, gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen und mit der Trauer dabei nicht alleine zu sein. „Und es wird immer sehr gut aufgenommen, es kommen immer fleißig Musikwünsche“, sagte sie stolz. Tatsächlich war auch an diesem Donnerstagabend das Gotteshaus vollbesetzt. Gegen Ende des Konzerts kam es zu einem medizinischen Notfall. Weil eine Zuschauerin in den oberen Rängen zusammenbrach, musste der Notarzt gerufen werden. Das Konzert wurde deshalb für eine Weile unterbrochen. Ein Krankenwagen traf nach kurzer Zeit ein, das Konzert wurde fortgesetzt. Die Musiker und das Publikum waren von diesem Vorfall sehr betroffen. „So etwas passiert uns heute das erste Mal“, sagte Schipper. „Hoffentlich geht es der Dame bald besser.“