Rhein-Pfalz Kreis Trommelwirbel

Trommeln begeistert – die Schüler der Pestalozzischule sind voll dabei.
Trommeln begeistert – die Schüler der Pestalozzischule sind voll dabei.

«Mutterstadt.» „Olé!“ klingt es lauthals aus vielen jungen Kehlen. Dem ist ein kräftiger Trommelwirbel vorangegangen. Damit drücken die Dritt- und Viertklässler der Pestalozzischule ihre Freude darüber aus, dass sie gerade ausgezeichnet worden sind. Oder genauer: der Förderverein ihrer Grundschule für sein Projekt „Wir trommeln“. Also ihre AG, bei der sie einmal in der Woche in der Turnhalle der Schule nach Herzenslust auf dem speziellen Cajón spielen dürfen. Gemeinsam im Takt. Rücksicht aufeinander nehmend. „Als unsere Freunde aus Ruanda da waren, haben die Kinder großen Spaß mit deren Trommeln gehabt. Das hat uns auf die Idee gebracht, neben der Sport-AG eine musikalische anzubieten“, erzählt Margrit Heene, die Vorsitzende des Fördervereins. „Am liebsten würde ich mitmachen“, gesteht sie und beobachtet voller Freude, wie die junge Truppe Melodie um Melodie erschallen lässt. Ohrenbetäubend und voller Begeisterung. Die Überlegung: Musik verbindet. Die Jungen und Mädchen lernen auf spaßige Art Rhythmus- und Taktgefühl. Und nicht nur das: Das Trommeln fördert ihre Hand-Augen-Koordination, ihr Hörvermögen, ihre Körperwahrnehmung. Bei den Instrumenten handelt es sich nicht um gewöhnliche Trommeln. Es sind Trommelhocker, entworfen von der Baff GmbH. Sie vertreibt ihre Musikmöbel im In- und Ausland. Von ihr stammt auch das Konzept des Trommelgartens: Workshops in Schulen und Kindergärten, die von professionellen Schlagzeugern, Cajón-Spielern oder Musikpädagogen geleitet werden. Wie heute in der Turnhalle der Pestalozzi-Schule von Ricardo Espinosa. „Jeder überlegt sich jetzt, was er vorspielt. Hat schon jemand eine Idee?“, fragt er. Die dünnen Ärmchen schnellen nach oben. Schon legt der erste los. Die anderen trommeln ihm nach. Am Ende springen alle auf und wieder heißt es: „Olé!“ Kurze Stille tritt erst ein, als Bernd Feldmeth, Vorsitzender der Mutterstadter Bürgerstiftung, vor die Gruppe tritt. Er möchte Schulleiterin Jutta Ziegler und Margrit Heene den Bürgerpreis überreichen. Es ist das erste Mal, die Auszeichnung ist erst zum zehnjährigen Bestehen der Stiftung im vergangenen Jahr eingeführt worden und mit 1000 Euro dotiert. Was eine Bürgerstiftung eigentlich ist? Das erklärt Feldmeth seinem jungen Publikum mit wenigen Sätzen und vorbildlich kindgerecht. Was vor allem ankommt: Sie möchte Menschen im Dorf helfen. „Wie die Polizei und die Feuerwehr“, zieht ein Mädchen den naheliegenden Vergleich. „Ja, nur haben wir kein Blaulicht“, sagt er. Jungtrommler Anton liest den Text der Urkunde vor. Einer seiner Mitmusiker berichtet Bernd Feldmeth, dass seine Eltern auch schon mal jemandem geholfen haben: „Unserem Nachbarn, als er krank war.“ Dafür gibt es Lob. „Wenn sich die Menschen helfen, ist das Leben gleich viel schöner“, erklärt Feldmeth. Seine Zuhörer nicken. Das finden sie auch. Ein anderer Junge erzählt, dass er mit seinem Opa selbst ein Cajon gebaut hat. Wie es ist? „Es funktioniert“, verrät er kurz und bündig. Augenblicke später trommelt die Truppe fröhlich weiter. So heißt ja auch das Projekt, und so soll es beim Trommelgarten sein. Das Konzept sei nicht nur in Ludwigshafen und Umgebung gefragt, sondern deutschlandweit, erklärt Baff-Mitarbeiter Marc Frehlinger. „Wobei wir hier natürlich bekannter sind als in Hamburg“, ergänzt er. Das Unternehmen suche selbstredend aktiv nach Kunden. „Aber Schulen und Kindergärten kommen ebenso auf uns zu, wenn sie so einen Workshop oder eine AG machen wollen“, sagt er. Von diesen Hintergründen ahnen Anton und seine Mittrommler gewiss nichts, sie haben einfach riesigen Spaß. Und zwar miteinander. Bildung und Erziehung Leben einzuhauchen: Dieser Ansatz ist mit dem Projekt offensichtlich geglückt – und er hat auch die Preisjury überzeugt. Als Feldmeth den Heimweg antritt, ist er sicher: „Wir haben die richtige Wahl getroffen.“ Mit dem Preisgeld der Bürgerstiftung soll das Projekt mit seinen beiden Gruppen aufrechterhalten werden, verrät Margrit Heene. Und vielleicht können die Leih-Instrumente sogar erworben werden.

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