Rhein-Pfalz Kreis Trommelrhythmen als Gotteslob
«Mutterstadt.»Jazz ins Gotteshaus gebracht hat der Protestantische Kirchenchor Mutterstadt anlässlich seines 125-jährigen Bestehens am vergangenen Sonntag. Der Projektchor trug in der protestantischen Kirche Ausschnitte der „Missa in Jazz“ von Peter Schindler vor. Die Jazz-Combo unter der Leitung von Stefan Franz unterstützte und ergänzte mit beschwingten Stücken.
Eine gesungene Messe ist anspruchsvoll und meist sehr getragen. Das Festkonzert zum 125-jährigen Bestehen des Protestantischen Kirchenchors hat da deutlich mehr Schwung. Die Jazz-Combo – bestehend aus Saxofon, Keyboard, Bass und Schlagzeug – eröffnet den Abend. Dann tritt der 20 Sänger starke Projektchor, unterstützt von den Jugendchören der protestantischen und katholischen Kirche, auf. Unter der Leitung von Eva Bäther intonieren die Sänger mehrstimmig das „Christe Eleison“. Die Instrumente setzen später ein. Der lateinische Text, der auf der katholischen Liturgie basiert, wird bei Peter Schindlers Messe mit Trommelrhythmen und beschwingten Jazz-Melodien in die heutige Musiksprache übertragen. Dem Publikum in der vollbesetzen Kirche fällt es schwer, mit dem Beifall bis zum Schluss zu warten. Als der Chor kurz für ein Solo der Jazz-Combo Platz nimmt, gibt es einen kurzen Zwischenapplaus.Das Konzert ist das letzte der Jubiläumsreihe, die im Mai mit einem Konzert mit Lutherliedern begann und Anfang November mit der „Missa Antiqua“ zusammen mit dem CVJM Posaunenchor weiterging. Nun beschließen sie das Jubiläumsjahr, in dem die Gemeinde Mutterstadt ihr 1250-jähriges Bestehen feiert, die protestantische Kirchengemeinde 500 Jahre Reformation und ebenso lange ihren Kirchturm hat. Der Chor ist da mit seinen 125 Jahren fast noch jung. Der Teil „Gloria in excelsis Deo“ ist nicht mit der bekannten Weihnachtsversion zu verwechseln, sondern kommt flott mit Trommeln daher. Es klingt, als würde ein heroisches Heer in die Schlacht geführt. In den kurzen Pausen zwischen dem gesungenen Gloria spielt das Saxofon das Wort als Tonfolge nach. Währenddessen nimmt der Chor Platz und lauscht dem instrumentalen Zwischenspiel. Umso stimmgewaltiger wird dann das „Sanctus“, als lauter musikalischer Ruf dargestellt, der vom leisen Gesang abgelöst wird. Zum Ende der Messe erklingt das „Agnus Dei“. Ob liturgisch geschult oder durch den musikalischen Ausdruck, jeder weiß, wann geklatscht werden darf. Nach großem Beifall bleiben Chor und Instrumentalisten nichts anderes übrig, als „Christe Eleison“ als Zugabe zu wiederholen. Ein wahrlich würdiger Abschluss der Feierlichkeiten.