Rhein-Pfalz Kreis Trommeln, Schnarren und ein Sehnsuchtsgefühl

Das Interesse an der Musik von „Baldosa Floja“ ist groß – das Konzert in der Kapelle ist ausverkauft.
Das Interesse an der Musik von »Baldosa Floja« ist groß – das Konzert in der Kapelle ist ausverkauft.

«Limburgerhof.» Die faszinierende Welt des Tangos haben die Besucher in der mit 100 Plätzen ausverkauften Kapelle in Limburgerhof erlebt. Das Ensemble „Baldosa Floja“ zog die Zuhörer mit seinem abwechslungsreichen Konzert in den Bann. Für den jungen Verein „Ensemble Park Limburgerhof“ war es in diesem Jahr bereits die dritte ausverkaufte Veranstaltung.

Das aus München stammende Quintett hatt ein Programm mit der Musik des Tangos aus seiner rund hundertjährigen Geschichte zusammengestellt. Die Zuschauer erfuhren dabei auch, wie der Tango entstand. „Ende des 19. Jahrhunderts, gegen 1890, kamen viele Einwanderer nach Argentinien – aus Italien, Spanien Polen und anderen osteuropäischen Ländern und Russland“, erzählte die aus Ludwigshafen stammende Teresa Brunnmüller, Mitglied bei „Baldosa Floja“. Für die Einwanderer, die dem Versprechen der Regierung auf Landbesitz gefolgt waren, jedoch in ihrer neuen Heimat Enttäuschungen erleben mussten, sei die Musik zum Ausdruck ihrer Trauer und ihres Heimwehs geworden. Der Tango entwickelte sich laut Brunnmüller in den kommenden 100 Jahren immer weiter – von den Anfängen in den Armutsvierteln von Buenos Aires zu einem weltumspannenden Tanz, der inzwischen zum Weltkulturerbe zählt. Ab etwa den 1920er-Jahren sei die Tangomusik auch von Gesang begleitet worden. In dieser Zeit seien auch Instrumente wie die Flöte vom Bandoneon abgelöst worden – ein Instrument, das von Heinrich Band gebaut wurde: „Der deutsche Beitrag zum Tango argentino“, sagte Teresa Brunnmüller. Auch die Dichter inspirierte der Tango, die in den 1940er-Jahren „wunderbare Poesie über Heimatlosigkeit und Verlust“ schufen, sagte Pianist Juan José Chuquisengo. Beinahe in Vergessenheit sei der Tango jedoch in den 70er-Jahren mit dem Aufkommen des Rock ’n’ Roll geraten, doch der argentinische Komponist Astor Piazzolla habe dem Tango neue Impulse verliehen. Doch nicht nur mit Worten, auch musikalisch nahm das Quintett sein Publikum mit auf eine Zeitreise durch die Etappen der Tangogeschichte. Die fünf Musiker begeisterten die Zuhörer mit verschiedenen Stücken aus der Zeit von 1890 bis 1990 und ernteten immer wieder viel Applaus für ihre virtuose Darbietungen. Die Musiker hatten ein Programm zusammengestellt, das dem Facettenreichtum der Tangomusik mit seinen verschiedenen Stilen – dem traditionellen Tango im Vier-Viertel-Takt, der Milonga mit ihren Einflüssen aus Afrika und dem Walzer aus Europa – Rechnung trug. Die Besucher erlebten eine ebenso stimmungsvolle wie temperamentvolle und temporeiche Musik – von Trauer, Melancholie über Sehnsucht bis hin zur Lebensfreude. Die Töne der Geigen (Beate Fischer und James Ogle), des Kontrabasses (Achim Arbandt), des Klaviers (Juan José Chuquisengo) und des Bandoneóns (Teresa Brunnmüller) wurden immer wieder durch weitere Klangakzente erweitert, durch Pfeifen und Trommelgeräusche – und durch „Chicharra“, ein Schnarren, das die beiden Geiger mit ihren Instrumenten erzeugten. Das Publikum bedankte sich für das gelungene Konzert mit einem kräftigen Applaus, und das Ensemble verabschiedete sich mit zwei Zugaben. „Sehr gut“ und „super“ lobte Cristina Hähndel das Konzert. Die Limburgerhoferin, die aus Chile stammt, hat mit ihrem Mann Argentinien bereits mehrfach bereist und dabei den Tango kennen- und lieben gelernt. Bei der Musik gefällt beiden, vor allem die Emotionalität: „Die Tristesse ist anrührend“, findet Reinhardt Hähndel. Positiv fiel die Veranstaltung auch für den Verein „Ensemble Park Limburgerhof“ aus. Vorstandsmitglied Monika Werra und ihre Vorstandskollegen, die spanische Tapas und Wein servierten und Dienst an der Kasse versahen, freuten sich über das große Interesse.

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