Rhein-Pfalz Kreis Treibt Tierschänder sein Unwesen?
Unter merkwürdigen Umständen ist ein Kater in Ellerstadt verendet. Der Fall sorgt vor allem auf der Internet-Plattform Facebook für Aufregung. Es ist nicht der einzige Fall in der Region.
Tom kommt aus dem Garten ins Haus, sucht seinen Bruder Jerry. Tom wird ihn nicht finden. Der Kater ist tot. Sein Kadaver ist knapp 20 Kilometer von zu Hause entfernt gefunden worden. Es ist ein Montagabend. Petra Erlewein lässt ihren schwarzen Kater Jerry wie jeden Abend aus dem Haus der Familie in Ellerstadt. Am nächsten Morgen will sie ihn wieder hineinlassen, doch Jerry steht nicht vor der Tür. Im Lauf des Tages ruft die Tierklinik Frankenthal an. Eine Frau habe Jerry am Dienstagmorgen beim Gassigehen mit ihrem Hund am Silbersee bei Bobenheim-Roxheim gefunden. Das Fell sei nass gewesen. Die Körperhaltung: absonderlich. Die Spaziergängerin bringt Jerry in die Tierklinik. Anhand des implantierten Chips wird Erlewein informiert. Sie bittet die Ärzte, den Kater zu untersuchen. Ergebnis: Jerry ist wohl um 6 Uhr am Dienstag gestorben. Er hat keine Knochenbrüche oder äußere Verletzungen. Das Röntgenbild zeigt ein Projektil im Körper, eine Diabolo-Kugel aus einem Luftgewehr. Erlewein erinnert sich an eine Verletzung im Frühjahr, bei der eine Bisswunde vermutet wurde. Doch die Tierklinik ist sich sicher: Die alte Kugel ist nicht die Todesursache. Jerry ist nicht die erste Katze in der Region, die durch Schüsse aus einem Luftgewehr verletzt wurde. Die Katze Sally aus Frankenthal erregte überregionale Aufmerksamkeit, nachdem sich ihre Besitzer Anfang August an die Medien gewandt hatten. Vor rund zwei Monaten schoss jemand auf Sally – die Katze kam mit einer Kugel im Kopf nach Hause. Sie überlebte. Der Fall in Ellerstadt ist anders. „Ich gehe davon aus, dass Jerry in unserem näheren Umfeld getötet wurde“, sagt Erlewein. Ertränkt oder erstickt, vermutet sie. Dann habe der Täter den Kadaver am Silbersee entsorgt. Was aus ihrer Sicht dafür spricht: In ihrem Viertel seien in den vergangenen drei Jahren vier Katzen verschwunden, eine weitere habe eine Schussverletzung erlitten und aktuell werde die Katze eines Nachbarn vermisst. Schlussfolgerung: Es befinde sich „offensichtlich ein Tierschänder unter uns“. Erlewein hat Anzeige erstattet. Eine Häufung solcher Fälle sei nicht bekannt, sagt dazu der Dürkheimer Polizeichef Thomas Jung. Ähnlich klingt die Aussage eines Sprechers der Polizeiinspektion Frankenthal: „Eine Häufung von Tiermisshandlungen ist nicht erkennbar.“ Diese Einschätzung teilt die Tierklinik. Im sozialen Netzwerk Facebook sorgt Jerrys Schicksal für Aufregung. Die Beiträge von Erleweins Tierärztin und der Findern werden rege geteilt. Auch bei der Gruppe „Überfahrene/tot aufgefundene Katzen“. Hier lesen Menschen die Chips von toten Katzen aus, um die Besitzer zu informieren. Die Anzahl tot aufgefundener Katzen in der Gegend liege im „oberen Normbereich“, sagt ein Mitglied. Für Petra Erlewein ist das kein Trost. „Es tut uns sehr weh, Jerry nicht mehr bei uns zu haben“, sagt sie. „Es ist für mich unfassbar, wie grausam Menschen sein können.“