Rhein-Pfalz Kreis Trödel bringt Leben ins Dorf
Knapp 30 Hobby- und Profihändler haben ihre Autos auf den Kurpfalzplatz gefahren und davor ihr Tische und Kleiderständer aufgebaut. Platz wäre für 80 Stände, sagt Rudolf Reis aus Niederkirchen, der seit mehr als 20 Jahren Messen und Märkte zwischen Koblenz und Bayern organisiert. Es ist 10.30 Uhr, und er schreibt die verhaltene Stimmung auf seinem Markt für Neu- und Gebrauchtwaren den vielfach noch geschlossenen Läden, vor allem aber dem Nieselregen am frühen Morgen sowie dem kalten Wind zu. „Die Leute entscheiden oft spontan nach Wetterlage, ob sie einen Stand aufbauen oder nicht“, sagt Reis. Eine verbindliche Anmeldung verlangt er nicht. Wer einen Stand betreiben will, sollte gegen 7 Uhr da sein, wenn die Plätze verteilt werden. Er zahlt vor Ort an Reis eine Gebühr (18 Euro für drei Meter) und bleibt so lange, wie er Lust hat. Offizielles Ende ist gegen 16 Uhr. Reis’ unternehmerisches Risiko besteht darin, dass er die Pacht, die er an die Gemeinde zahlt, über die Standgebühren nicht hereinbekommen könnte. Er ist zuversichtlich, dass sich die Anzahl der Händler und Kunden zum Sommer hin erhöhen wird. Dass er den Flohmarkt nach fast 20 Jahren nicht mehr im Gewerbegebiet Südring betreiben darf, weil die Gemeinde ihren dortigen Parkplatz an Globus abgetreten hat, macht ihm keinen Kummer. „Das hier ist eher eine Verbesserung“, sagt er und erinnert daran, wie sehr er der Aldi-Filialleitung ein Dorn im Auge war (wir berichteten). Reis’ Stammkundin Susi Knies sieht das ebenso. Die Landwirtsfrau aus Bobenheim bereichert den Trödelmarkt mit einem Kartoffel- und Gemüsestand, an dem es auch hausgemachte Dampfnudeln und Kuchen zu kaufen gibt. Sie lässt durchblicken, dass der andauernde Konflikt mit Aldi etliche Flohmarktbesucher verärgert habe. Er sei sich sicher, dass Aldi nicht davon profitiere, dass der Markt jetzt weg ist, meint Rudolf Reis. „Aber für uns ist es schön, dass keine Autos mehr um uns herum fahren“, sagt Susi Knies. Der Anbieter von CDs und DVDs ein paar Meter weiter ist dagegen skeptisch. „Beim Globus war wesentlich mehr los“, sagt er. Ein anderer Händler schaut sich zwei leerstehende Läden an und schüttelt den Kopf. „Was ist denn hier los?“, fragt er. „Das hier soll das Zentrum von Bobenheim-Roxheim sein?“ Auch Marktorganisator Reis ist nicht glücklich darüber, dass auf dem autofreien großen Platz relativ wenig Laufkundschaft erzeugender Einzelhandel ansässig ist, dass die einzige Pizzeria des Dorfs seit 1. März geschlossen ist und die beiden anderen Gastronomiebetriebe, das Eiscafé und das Bistro Babo, erst um die Mittagszeit beziehungsweise am Nachmittag öffnen. Reis hofft, dass die Geschäftswelt bald erkennt, wie sie vom Flohmarkt profitieren könnte. Das hofft auch Bürgermeister Michael Müller (SPD). Sein Wunschtraum zur Belebung des Gemeindezentrums: „Dass aus dem Flohmarkt eine Art Wochenmarkt mit vielfältigem Angebot wird.“ (ww) Kontakt Der Flohmarkt auf dem Bobenheim-Roxheimer Kurpfalzplatz findet jeden Donnerstag (außer an Feiertagen) von 8 bis 16 Uhr statt. Informationen zur Teilnahme gibt es unter Telefon 06326 8381 oder im Internet unter www.marktorga.de.