Rhein-Pfalz Kreis Terminkalender ist immer noch voll
Limburgerhof. Rekorde aufzustellen ist sicherlich nicht die Absicht des früheren Limburgerhofer Bürgermeisters Heinrich Zier gewesen. Es hat sich halt so ergeben. Denn in seiner Heimatgemeinde Norheim (Kreis Bad Kreuznach) war der Sozialdemokrat einst mit 24 Jahren bereits Ortschef und damit jüngster Bürgermeister im Lande. Und mit 30 Jahren Amtszeit in Limburgerhof war er schließlich einer der dienstältesten. Heute, mit 80 Jahren, ist sein Terminkalender immer noch voll, „manchmal zu voll“, sagt er mit einem Schmunzeln.
Dabei ist Zier bereits seit 14 Jahren im (Un-)Ruhestand. Aber von den vielen Projekten, die er in den 30 Jahren als Ortschef in Limburgerhof angestoßen hat und die heute noch das Ortsleben und -bild prägen, liegt ihm vor allem eines so am Herzen, dass er damit auch jetzt alle Hände voll zu tun hat: das Schlösschen im Park. Wenn der „Schlossherr“ – wenn man ihn denn so nennen darf – durch das schmucke Gebäude an der Parkstraße geht, kann er zu jedem Raum und jeder Ecke etwas erzählen. Kein Wunder, ist er doch Gründungsmitglied und nach wie vor Vorsitzender des Fördervereins Schlösschen im Park, nachdem die Gemeinde unter seiner Führung der BASF im Jahre 1999 das Anwesen abkaufte. „Wir haben eine gute Mannschaft“, lobt Zier seine Mitstreiter im Förderverein. Aber von Anfang an. Wie hat es denn den jungen Bürgermeister des ältesten Weindorfs an der Nahe in die jüngste Gemeinde des früheren Landkreises Ludwigshafen verschlagen? Da muss Heinrich Zier lachen: „aus Langeweile“. Na, so einfach war es natürlich nicht. Aber an einem regnerischen April-Samstag im Jahre 1972, als Ziers Ehefrau, eine Lehrerin, auf Klassenfahrt war, arbeitete sich Zier durch Fachblätter. Da war der damals 36-Jährige schon zwölf Jahre lang ehrenamtlicher Ortschef seiner Heimatgemeinde. Die Ausschreibung des Limburgerhofer Bürgermeisterpostens sprang ihm ins Auge – und er bewarb sich, am letzten Tag der Bewerbungsfrist. Zu seiner eigenen Überraschung setzte er, der das „Verwaltungsgeschäft“ beruflich von der Pike auf gelernt hat, sich gegen 23 Mitbewerber durch. Am 21. August 1972 trat er das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters in Limburgerhof an. Gefragt nach den größten Projekten seiner Amtszeit, muss der 80-Jährige, der seit fast sieben Jahren Ehrenbürger Limburgerhofs ist, weit ausholen. Die Erschließung zahlreicher Baugebiete gehört dazu. Der Bau des Ortszentrums mit Rathaus und Kultursaal in den Jahren 1982/83, zum Teil gegen Widerstände, ist sicherlich einer der dicksten Brocken. Der Bau der Nord-Süd-Verbindung unter der Bahnlinie hindurch, zwischen Carl-Bosch-Straße und Hermann-Löns-Weg. „Das waren vielleicht langwierige Verhandlungen mit der Bahn“, erinnert sich Zier, und dann folgte 1980 endlich mit der Eröffnung der Unterführung ein Ende der Umwege. Der Bau der Rudolf-Wihr-Schule mit Großsporthalle und Sportplatz. Den ersten Spatenstich im Jahr 1978 wird Zier nie vergessen: „Denn an diesem Tag wurde unsere Tochter geboren“, das zweite Kind nach einem Sohn. Ein weiteres, sehr geselliges „Überbleibsel“ aus Ziers Amtszeit wirkt über den Ort hinaus: das Straßenfest. Letztlich war eine Tragödie Auslöser für eines der inzwischen größten Feste im Rhein-Pfalz-Kreis, erzählt der Altbürgermeister ruhig. Denn früher tobte der gesamte Verkehr durch den Ort, „die Speyerer Straße konnte man zu Spitzenzeiten nicht überqueren“. Zwei Monate nach seinem Amtsantritt 1972 wurde ein kleiner Schuljunge auf dem Bürgersteig totgefahren. Da reichte es den Limburgerhofern. „Wir haben eine Demonstration organisiert und letztlich mit 3000 Leuten die Straße blockiert. Der Rückstau reichte bis zur Rheinbrücke“, erinnert sich Zier. Nach einigen Verhandlungen dann das Ergebnis: Die Umgehungsstraße wurde gebaut. Als Ausgleich für die Geschäftsleute, die um ihre „Fahrkundschaft“ bangten, organisierte die Ortsverwaltung ein Straßenfest – der Dauerbrenner war geboren. Heinrich Zier wirkte aber auch weit über Limburgerhof hinaus. Von 1974 bis 2009 vertrat er die Sozialdemokraten im Kreistag, war in der Verbandsversammlung des Raumordnungsverbands Rhein-Neckar und im Bezirkstag, um nur einiges zu nennen. Auch die Auszeichnungen, die Zier erhalten hat, sind zahlreich. „Man muss sich mit den Leuten zusammensetzen und reden“, das nennt Heinrich Zier als Devise seiner Arbeit. 2002 gab er mit 66 Jahren das Amt des Bürgermeisters nach 30 Jahren an seinen Nachfolger Peter Kern ab. 2009 schließlich zog er sich aus anderen Ämtern in der Kommunalpolitik zurück. Engagiert aber ist er bis heute, und – wie gesagt – der Terminkalender ist voll. Und Langeweile, die ihn ausnahmsweise an jenem regnerischen Tag 1972 befiel, kennt er bis heute nicht. Da ist der große Garten, um den er sich kümmert. Da ist die gerade mal zweieinhalbjährige Enkelin, die leider in Hamburg lebt, wie der stolze Opa erzählt. Da ist – natürlich – der Einsatz für das Schlösschen im Park. Da soll nun das Außengelände demnächst gepflastert werden, berichtet Zier. Und da ist die Liebe zum Tennis. Auch dazu kann Zier eine nette Geschichte erzählen. Denn es war bei der Einweihung der neuen Tennishalle, als Zier, der damalige Leiter des Katasteramts, der damalige Leiter des Straßenbauamts und Ziers Böhl-Iggelheimer Bürgermeisterkollege Reinhard Roos im Gespräch ihre gemeinsame Liebe zum weißen Sport entdeckten. Das Ergebnis: Seit dieser Zeit spielen die vier einmal in der Woche zusammen Tennis, „seit wir alle pensioniert sind, schaffen wir das vormittags“.