Rhein-Pfalz Kreis „Tagsüber kann’s kritisch werden“

Wird es auf Dauer genug Freiwillige geben, die im Notfall in die Feuerwehrmontur schlüpfen? Darüber macht sich der Bobenheim-Rox
Wird es auf Dauer genug Freiwillige geben, die im Notfall in die Feuerwehrmontur schlüpfen? Darüber macht sich der Bobenheim-Roxheimer Wehrleiter Kai Neiheiser Gedanken.

«Bobenheim-Roxheim.» Bei der „Blaulicht-Konferenz“ vor Kurzem in der Jahnhalle waren die Nachwuchssorgen von Rettungsdiensten und Hilfswerken das große Thema. Leidtragende sind auch die Freiwilligen Feuerwehren im Rhein-Pfalz-Kreis, besonders die Wehr in Bobenheim-Roxheim. Helmut Weick hat mit Wehrleiter Kai Neiheiser über die Problematik und über Lösungsansätze gesprochen.

Herr Neiheiser, viele kleine Jungs wollen Feuerwehrmann werden. Wieso gehen den Wehren da die jungen Männer aus?

Dafür gibt es recht viele Gründe. Unsere Arbeits- und Lebenswelt hat sich enorm verändert. Der Arbeits- und Leistungsdruck in den Betrieben ist gewachsen, und vor allem kleinere Betriebe scheuen sich heute oft, Feuerwehrleute einzustellen. Weil sie glauben, dass sie diese Mitarbeiter häufig wegen Notfalleinsätzen von der Arbeit freistellen müssen. Man muss aber auch sehen, dass vielfach die Anreize fehlen. Bei Freiwilligen hängt vieles von der Motivation und der Wertschätzung ab. Aus meiner ganz persönlichen Sicht möchte ich hinzufügen: Man sollte in Sachen Freiwillige Feuerwehr gerade deshalb nicht von Ehrenamt, sondern vom Ehrendienst sprechen. Unsere Feuerwehrleute haben kein Amt, sondern sie bringen sich ein und riskieren dabei zuweilen auch ihre Gesundheit und ihr Leben, wie sich immer wieder zeigt. Die Freiwillige Feuerwehr Bobenheim-Roxheim ist von zuletzt 56 auf 44 aktive Wehrleute geschrumpft. Ist ihre Einsatzfähigkeit noch gewährleistet? Da muss ich jetzt ganz ehrlich sagen, dass es tagsüber – konkret von 7 bis 17 Uhr – kritisch werden kann. Von unseren 44 Wehrleuten arbeiten nur noch drei oder vier in Bobenheim-Roxheim, alle anderen außerhalb. Dank der guten Zusammenarbeit der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehren in unserem Ballungsraum sind wir aber vergleichsweise gut aufgestellt. Ist die Personalstärke der Feuerwehr überhaupt noch relevant, oder kommt es nicht viel eher auf die technische Ausstattung an? Teils, teils. Sicher ist die Fahrzeug- und Einsatztechnik heute ganz maßgeblich. Doch erfordert gerade die auch wieder sehr viel Personalaufwand. Unsere Wehrleute müssen gut ausgebildet sein. Vor allem der Prüfungsaufwand für unsere Geräte ist erheblich. Da gibt es gesetzliche Auflagen, die strikt einzuhalten sind. In konkreten Arbeitsstunden bemessen, sind dies für die Feuerwehr Bobenheim-Roxheim sage und schreibe 420 Arbeitstage. Lässt sich die Personalproblematik vieler Feuerwehren vielleicht durch ein Mehr an Frauen ausgleichen – was ja heute möglich ist? Dem steht nichts entgegen. Wir haben in der Freiwilligen Feuerwehr Bobenheim-Roxheim und in unserer Jugendfeuerwehr ja auch Frauen und Mädchen, allerdings gibt es Einsatzbereiche, in denen es für weibliche Wehrleute schwierig werden kann. Hier geht es vor allem um die körperliche Belastbarkeit. Grundsätzlich freuen wir uns aber über jedes weibliche Mitglied in unserer Feuerwehr. Wir wollen diese Entwicklung weiter fördern. Wenn die Freiwillige Feuerwehr weiter schrumpft, könnten junge Frauen und Männer zwangsverpflichtet werden. Stimmt das? Tatsächlich hat der Bürgermeister die Möglichkeit und im Extremfall sogar die Pflicht, für die Sicherheit der Bevölkerung junge wehrpflichtige Männer zum Feuerwehrdienst zu verpflichten. Auch da gilt die Dienstaltersordnung für den aktiven Dienst: nicht jünger als 16 und nicht älter als 63 Jahre. Wird die Freiwillige Feuerwehr im Rhein-Pfalz-Kreis womöglich durch eine Berufsfeuerwehr ersetzt? Gemessen an der derzeitigen Rechtslage dürfte dies außerordentlich schwierig sein. Nach geltendem rheinland-pfälzischem Recht müssen die Einsatzkräfte im Alarmierungsfall innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein. Das würde eine kreisweit fast flächendeckende Berufsfeuerwehr bedeuten, was die Gemeinden wohl finanziell überfordern würde. In Teilen müssen die Freiwilligen Feuerwehren aber sicher durch die Anstellung von Berufsfeuerwehrleuten gestärkt werden. Dies gilt für die Gerätewartung, wie es bei uns in Bobenheim-Roxheim bereits umgesetzt worden ist. Wie könnte man den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr attraktiver machen? Das geht vor allem mit mehr Selbstbewusstsein und mit einem generellen Umdenken in den Köpfen der Menschen. Wer dem Gemeinwohl dient und bei Einsätzen – im Extremfall – sogar sein Leben riskiert, der hat Wertschätzung verdient. Darüber hinaus sind Bund und Länder gefordert. Beispielsweise durch einen Pensionsfonds für Feuerwehrleute oder durch andere Anreize. Arbeitgeber, die Feuerwehrleute beschäftigen, könnte man durch Rabatte bei Feuer- und Wohngebäudeversicherungen entlasten. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Möglichkeiten, den Dienst aktiver Feuerwehrleute zu fördern und wertzuschätzen. Derzeit bleibt das meiste an den Kommunen hängen.

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