Rhein-Pfalz Kreis Syrer fordert bessere Unterkunft

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Böhl-Iggelheim. Weil es in der ihm zugeteilten Unterkunft in Böhl-Iggelheim nicht bleiben will, hat ein syrisches Flüchtlingspaar nach eigenen Angaben drei Tage lang vor der Kreisverwaltung in Ludwigshafen campiert. Die schwangere Frau soll demnach in Böhl-Iggelheim mit ihrem Mann und acht anderen jungen Männern in einer Wohnung leben. Heribert Werner, Abteilungsleiter für Soziales im Kreishaus, und Beigeordneter Manfred Gräf (CDU) widersprechen dem und gewähren Einblicke in die Flüchtlingsunterkunft im Ortsteil Böhl.

Für seine Frau seien die Zustände in Böhl-Iggelheim unzumutbar, schildert Khalb Shebli der RHEINPFALZ über einen Dolmetscher. Das junge Paar ist seinen Schilderungen zufolge Anfang des Jahres aus dem syrischen Damaskus geflohen und wurde im Februar zunächst in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Hermeskeil im Landkreis Trier-Saarburg untergebracht. „Von dort wurden wir Ende vergangener Woche nach Böhl-Iggelheim transferiert“, erzählt er weiter. Dort würden sie nun in einer Wohnung mit acht anderen jungen Männern leben, müssten sich Bad und Toilette mit ihnen teilen. Zudem fehle es an ärztlicher Versorgung. Anfang des Jahres sei seine Frau schon einmal schwanger gewesen, habe das Kind jedoch verloren, berichtet Shebli. Nun sorgt er sich um das ungeborene Leben. Weil sie es in der Wohnung nicht mehr aushalten würden, seien sie nach Ludwigshafen gekommen. Von der Kreisverwaltung erwartet Shebli eine bessere Unterkunft und regelmäßige Behandlungen durch einen Arzt. Heribert Werner kennt solche Beschwerden der Asylsuchenden und räumt auch ein, dass es sich bei besagter Unterbringung im Ortsteil Böhl um eine Sammelunterkunft handelt. „Doch“, so schiebt er hinterher, „das Paar hat einen eigenen, abschließbaren Raum zur Verfügung.“ Bei der Unterbringung der syrischen Familie handele es sich um eine umgebaute ehemalige Lackfabrik. Gemeinsam mit Kreisbeigeordnetem Manfred Gräf, der bis Montag den in Urlaub weilenden Landrat vertreten hat, lädt er die RHEINPFALZ zur Besichtigung ein. Ende Juni seien die ersten Flüchtlinge eingezogen. Derzeit wohnen Werners Angaben zufolge 13 Asylsuchende dort, darunter drei Paare. Von außen sieht die Unterkunft noch wie ein Fabrik- oder Bürogebäude aus, doch der Kreis hat sich Mühe gegeben, es für die Flüchtlinge im Inneren angenehm zu gestalten. Große Milchglasfenster lassen die Zimmer hell wirken und verhindern gleichzeitig die Einsicht von außen. Die Einrichtung ist spärlich, mit Betten und Kleiderschränken aber ausreichend. Anders als von Shebli geschildert, sind die Duschen und Toiletten nach Geschlechtern getrennt. „Die sanitären Einrichtungen der Frauen sind abschließbar und die Schlüssel haben auch nur die Frauen bekommen“, berichtet Gräf. In der Gemeinschaftsküche im Obergeschoss gibt es sechs Kochplätze mit Cerankochfeldern und Backofen. Im Gemeinschaftsraum daneben läuft auf einem großen Flachbildschirm gerade die Übertragung der olympischen Spiele. Auch in dem Zimmer, das Khalb Shebli und seine Frau bezogen haben, stehen ein Doppelbett und ein Kleiderschrank. Mit anderen Flüchtlingen teilen müssen sie sich den Raum nicht. Doch der 29-jährige Syrer bringt weitere Beschwerden vor. Im Nebenzimmer ist nach Werners Angaben ein Mann mit seinen beiden Neffen untergebracht. Teilweise seien diese halbnackt, wenn seine Frau ihnen auf dem Weg zum Bad begegne, beschwert sich der 29-jährige Syrer. Zudem verlaufe direkt vor dem Fenster eine Feuertreppe, die ständig benutzt werde. Und auch die Wände der Räume seien so dünn, dass er und seine Frau keine Ruhe fänden, beschreibt Shebli. Werner und Gräf schütteln mit dem Kopf. Man nehme die Beschwerden der Bewohner ernst, einige Dinge seien aber einfach nicht leistbar. „Natürlich haben wir immer das Ziel, die Menschen dezentral in Wohnungen und Häusern unterzubringen“, sagt Gräf. Doch aufgrund der vielen Flüchtlinge, die dem Rhein-Pfalz-Kreis zugeteilt wurden und werden – allein im vergangenen Jahr waren es laut dem Kreisbeigeordneten 1400 –, müsse man eben teils auf Sammelunterkünfte wie die in Böhl zurückgreifen. Das könne man auch einer Schwangeren zumuten. „Immerhin bietet der Kreis allen Asylsuchenden ein Dach über dem Kopf“, sagt Gräf und verweist beispielsweise auf die Zeltunterkünfte auf dem Ludwigshafener Messplatz. Der Beigeordnete gibt aber auch zu, dass die alte Fabrik keine geeignete Unterkunft für ein Baby sei. Bis zur Geburt im Dezember soll deshalb eine andere Wohnstätte für die Familie gefunden werden. Khalb Shebli ist das nicht genug. Er möchte sofort eine neue Unterkunft beziehen. Doch Werner und Gräf winken erneut ab. „Gewisse Spielregeln müssen eben eingehalten werden“, sagt Gräf. Auch den Vorhaltungen, die Frau werde nicht ausreichend ärztlich versorgt, widersprechen die beiden Männer. Erst am Wochenende habe sie ein Betreuer ins Krankenhaus zur Behandlung gefahren. Viele Asylsuchende wie Khalb Shebli hätten sich ihr Leben in Deutschland aber offenbar anders vorgestellt und suchten nun nach Möglichkeiten, ihre Situation zu verbessern.

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