Rhein-Pfalz Kreis Strafe für Fußballer wegen Bengalo und Protestpinkeln

Die Fußballabteilung des Sportclubs (SC) Bobenheim-Roxheim darf bei keinem weiteren Fest der Gemeinde in diesem Jahr einen Stand betreiben. Das hat Bürgermeister Michael Müller (SPD) verfügt, nachdem es beim Bürgerfest an Pfingsten Ärger gab: Aus den Reihen der Fußballer war auf der Rathauswiese ein Bengalisches Feuer abgebrannt und die provisorische Kita mit Urin versaut worden.
Die Ausschanksperre und die Geldbuße in Höhe von 380 Euro waren am Freitag Thema in der Generalversammlung des SC. Dessen Vorsitzender Christian Reber, der für die CDU im Gemeinderat sitzt, informierte die Anwesenden über den „unschönen Vorfall“ beim Bürgerfest. Nach dem verlorenen Spiel zum Aufstieg in die Bezirksliga hätten sich Mannschaft und Anhänger auf dem Fest am Rathaus getroffen. Zu später Stunde habe ein ihm namentlich bekanntes Mitglied der Fußballabteilung ein sogenanntes Bengalo gezündet. Dabei handelt es sich um eine Handfackel, die starkes Licht und starken Rauch entwickelt. Wenige Tage später teilte die Gemeinde dem SC laut Reber schriftlich mit, dass sich die Fußballabteilung in diesem Jahr weder am Gondelfest, noch an der Kerwe und dem Weihnachtsmarkt beteiligen dürfe. „Wir im Vorstand sind von dieser Entscheidung sehr enttäuscht und wissen noch nicht, wie wir damit umgehen werden“, sagte Reber in der Versammlung. Die Entscheidung sei ohne Rücksprache mit dem Verein gefallen und trotz eines folgenden klärenden Gesprächs aufrechterhalten worden. Den Fußballern gehe ein Erlös von etwa 2500 Euro verloren. „Wir sind hier alle gegen Bengalos, aber für die Tat eines Einzelnen den ganzen Verein zu bestrafen, ist für uns nicht nachvollziehbar“, fasste Reber die Verärgerung des Vorstands in Worte. Allerdings: Ähnlich verfahren viele Fußballverbände, indem sie für das Entzünden von Pyrotechnik Geldstrafen gegen die beteiligten Vereine verhängen. Der in der Sitzung anwesende Beigeordnete Frank Peter (CDU) zeigte Verständnis für den Unmut des SC. In seinen Geschäftsbereich fallen die Vereine, doch habe Müller ihn weder eingebunden noch informiert. „Der SC ist einer der aktivsten Vereine im Ort“, sagte Peter. „Ich kann nicht sagen, wie ich entschieden hätte, aber eine Anhörung der Beteiligten wäre das Mindeste gewesen. Ich bin gegen Kollektivstrafen und Sippenhaft.“ Auf RHEINPFALZ-Anfrage erzählt der Bobenheim-Roxheimer Bürgermeister einen zweiten Teil der Bengalo-Geschichte. Demnach hat er die am Bürgerfestsamstag nach 23 Uhr im Qualm des Feuerwerkskörpers versammelten Fußballer in zugegeben etwas rüdem Ton gerügt. Er sei dann verbal attackiert worden, und später hätten die SC-Männer ihrem Ärger dadurch Luft gemacht, dass sie gemeinschaftlich gegen ein Werbebanner der Gemeindewerke gepinkelt hätten. Dabei seien der neue Kindergarten, soll heißen die Container, verschmutzt worden. Auch seien Papierkörbe umgetreten worden. „Die Gemeindewerke haben dem SC in den vergangenen Jahren um die 10.000 Euro für Trikotwerbung gezahlt“, verdeutlicht Müller, warum er über die Pinkelaktion so wütend ist. Er betont allerdings, dass nur die Fußballabteilung vom Festbetrieb ausgeschlossen sei, und nur in diesem Jahr. „Jede andere Abteilung des SC kann den Ausschank übernehmen.“ Laut Müller hat sein Stellvertreter Frank Peter die Kommunalaufsicht angerufen, weil er meint, dass er, Müller, zu so einer Entscheidung nicht befugt sei. Feste sowie Sicherheit und Ordnung fallen ins Ressort des Ersten Beigeordneten Peter. Müller dagegen argumentiert so: „Mit Kitagelände und Gemeindewerke sind auch meine Fachbereiche betroffen, und bei dezernatsübergreifenden Angelegenheiten hat der Bürgermeister den Hut auf.“ Ob eine Kompetenzüberschreitung vorliegt, muss jetzt die Kreisverwaltung entscheiden. Und warum hat er Frank Peter, der jetzt eine Revision der Entscheidung verlangt, nicht wenigstens informiert? Weil dieser als SC-Mitglied und Freund von Christian Reber befangen sei, sagt Müller. Vereine