Limburgerhof / Speyer
St. Bonifatius: Investor interessiert sich für Immobilie
Markus Bennemann ist derzeit nicht zu beneiden. Er hat die Aufgabe, den in finanzielle Schieflage geratenen Caritas-Diözesanverband Speyer wieder auf wirtschaftlich solide Füße zu stellen. Um die aktuelle Situation zu beschreiben, begibt er sich in die Welt der Medizin. Der Patient sei mittlerweile von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt worden. „Allerdings muss er noch von Zeit zu Zeit beatmet werden“, sagt der Sanierer der Dortmunder Firma Turnaround Management Consult (TMC) GmbH über den derzeitigen Stand seiner Arbeit.
Bleibt man in dieser Bildersprache, dann ist der Altbau des Altenheims St. Bonifatius ein Organ des kränkelnden Körpers. Vor gut einem Jahr hatte die Caritas vermeldet, dass sie das gut 40 Jahre alte Seniorenheim schließen will. Rund 100 Menschen hatten dort Platz, um ihren Lebensabend zu verbringen. Vor allem umfangreiche Sanierungsarbeiten in Sachen Brandschutz wären nötig gewesen, um das Haus weiter betreiben zu können. Das hatte der damalige und mittlerweile im Ruhestand befindliche Caritas-Vorstand Vinzenz du Bellier im RHEINPFALZ-Gespräch erklärt. Doch die Summe von 30 bis 35 Millionen Euro habe die Caritas nicht stemmen können. Alleine für die Ertüchtigung des Brandschutzes seien rund vier Millionen Euro nötig gewesen. Hinzu seien Belastungen durch die Beschäftigung von Leiharbeitskräften gekommen.
Vertrag über 50 Jahre
Der Altbau des Altenheims St. Bonifatius ist Anfang der 1980er-Jahre gebaut und 1984 in Dienst gestellt worden. Gebaut hat es der damalige Kreis Ludwigshafen, der Vorgänger des Rhein-Pfalz-Kreises. Dieser hat auch 85 Prozent der Kosten von damals gut 20 Millionen D-Mark übernommen. Im Gegenzug hatte sich die Caritas vertraglich dazu verpflichtet, wenigstens 50 Jahre lang ein Altenheim zu betreiben. Geschlossen wurde das Heim also rund zehn Jahre, bevor der Vertrag erfüllt wurde.
Kommt es deswegen zu einer juristischen Auseinandersetzung zwischen dem Kreis und der Caritas? Markus Anstötz glaubt nicht. Zumindest sei bisher noch kein entsprechender Schriftverkehr im Haus eingegangen. Anstötz ist bei der Caritas Leiter der Abteilung Facility-Management (Liegenschaftsverwaltung). Man sei mit der Kreisverwaltung im Austausch. Er sei der Auffassung, dass man eine Lösung finde.
Schreiben des Landrats
Allerdings liegt der RHEINPFALZ ein Schreiben des Landrats vom 27. November 2024 vor. In diesem wendet sich Clemens Körner (CDU) explizit an Vinzenz du Bellier. Der Kreis verweist in dem Schreiben darauf, dass sich der Caritas-Verband vertraglich dazu verpflichtet habe, das Gebäude mindestens 50 Jahre als Altenwohnheim und Altenpflegeheim zu nutzen. Unter diesen Voraussetzungen habe der Kreis damals die besagten 85 Prozent der Baukosten übernommen. „Die aufgrund der vertraglich festgelegten Nutzungsdauer noch bestehende Verpflichtung des Kreises belastet die Bilanz des Landkreises weiterhin mit über 2 Millionen Euro“, heißt es in dem Schreiben außerdem. Der Landrat stellte abschließend die Frage, wie mit der Situation umzugehen sei. Denn eine Pflichterfüllung vonseiten der Caritas werde mit der Aufgabe des Altbaus nicht mehr möglich sein.
Nach RHEINPFALZ-Informationen will sich Clemens Körner in den kommenden Tagen mit einem weiteren Schreiben an die Caritas wenden. Darin will er offenbar wissen, was nach fast einem Jahr nun Stand der Dinge ist. Zum einen aus finanzieller Sicht, zum anderen fehlen dem Kreis nach wie vor durch die Schließung gut 100 Pflegeplätze.
Körner feuert in Richtung Caritas
Markus Anstötz verweist darauf, dass die Caritas damals nicht der Bauherr des Altenheims gewesen sei. „Der Kreis hat das Altenheim gebaut.“ Schon beim Ursprungsbau habe es Probleme mit dem Brandschutz gegeben. „Die Defizite rühren aus der Bauzeit her.“ Das Altenheim hätte damals nicht so gebaut werden dürfen, meint er.
Diese Aussage wiederum bringt Landrat Clemens Körner auf die Palme. „Das ist eine Unverschämtheit. Dann müssten wir auch mal prüfen, wer 40 Jahre lang die Verantwortung hatte, dass dort so lange Schutzbefohlene gepflegt wurden“, feuert der Landrat im RHEINPFALZ-Gespräch in Richtung Caritas. Die Aussagen des Leiters der Abteilung Facility-Management brächten in der Sache nicht weiter. Und: „Wenn die Caritas so anfängt, ziehen wir andere Saiten auf.“
Mängelfreie Abnahme dokumentiert
Die mängelfreie Abnahme sei in den Akten dokumentiert. In der Tat liegt der RHEINPFALZ ein Aktenvermerk vom 23. Oktober 1984 vor. Darin wird dem Kreis bescheinigt, dass am 11. Oktober 1984 „im Altenwohn- und Pflegeheim Limburgerhof eine mängelfreie Abnahme in brandschutztechnischer Hinsicht durchgeführt“ wurde. Die jüngsten Aussagen aus der Caritas-Zentrale in Speyer seien nicht gedeihlich, eine gute Lösung herbeizuführen. Der Landrat verweist noch einmal auf „die vertragliche und moralische Verpflichtung“ der Caritas, in Limburgerhof Pflegeplätze bereitzustellen.
„Ich hatte vorher schon viel von dem Altenheim gehört“, sagt Sanierer Markus Bennemann. Und irgendwie, gibt er zu, habe er vor seinem inneren Auge einen dieser vielzitierten Lost Places gehabt, also einen abgelegenen Ort mit einem verfallenen Gebäude, das auch schon mal unheimlich wirken kann. Doch weit gefehlt. Bei einem Besuch habe sich dann ein anderes Bild ergeben. „Ich dachte zuerst: Von außen sieht es gar nicht so schlimm aus. Schade eigentlich.“ Dann sei er durch die Einrichtung gelaufen und habe sich von innen einen Eindruck verschafft.
Ein potenzieller Investor
Das hat auch schon längst Caritas-Liegenschaftsverwalter Markus Anstötz getan. „Die Situation vor Ort ist unverändert“, sagt er. Das heißt: „Egal, was man mit dem Altbau machen will, man muss in die Sanierung einsteigen. Wer reingeht, muss die Baugenehmigungsbehörde mit an Bord haben.“
Das ist in diesem Fall die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises. Landrat Clemens Körner, der am 18. November seinen letzten Tag im Amt hat und dann an seinen designierten Nachfolger und Parteikollegen Volker Knörr übergibt, hat diese Aussage in der jüngsten Kreistagssitzung bestätigt. Der Landrat ließ durchblicken, dass es eine Anfrage eines potenziellen Investors gebe. Die Caritas bestätigt ihrerseits die Anfrage des Interessenten. Konkrete Pläne, geschweige denn Verhandlungen gebe es aber noch nicht.
Brandschutz und Eigentumsverhältnisse
Neben den umfangreichen Sanierungsarbeiten in Sachen Brandschutz sind auch die Eigentumsverhältnisse problematisch. Das Grundstück, auf dem das Altenheim steht, gehört der Kirchengemeinde. Die Caritas hat das Haus in Erbpacht betrieben, dafür also pro Jahr einen Erbpachtzins an die Kirchengemeinde bezahlt. Nach RHEINPFALZ-Informationen beläuft sich diese Summe auf 55.000 Euro.
„Der klassische Investor will bei solchen Sachen Eigentum“, betont Anstötz. Es gebe noch keine abschließende Entscheidung, was mit dem Altbau passiere. „Selbstverständlich überlegen wir, was man damit machen kann“, ergänzt Markus Bennemann. Als mögliche Verwendungen bringt er Tagespflege oder eine Aufteilung der Immobilie ins Spiel.
Thema nicht vom Tisch
Allerdings betont er, dass die Caritas im Moment größere Sorgen umtreiben. „Wir müssen erstmal auf den Sanierungspfad kommen“, sagt er. Die Perspektiven seien mittlerweile besser. Und das Thema Altenheim St. Bonifatius sei auch noch nicht vom Tisch. Denn selbstverständlich weiß man auch bei der Caritas, dass es nicht gut für ein Gebäude ist, wenn es komplett leer steht.
Doch genau das wird sehr bald der Fall sein. „Innerhalb der nächsten Wochen wird der Altbau leer sein“, sagt Markus Anstötz. Lediglich in der Küche ist noch ein Restbetrieb für die Einrichtungen im benachbarten Neubau. Dieser ist zwischen 2004 und 2006 entstanden und beherbergt die Wachkomastation, die Tagespflege und eine Demenzstation. Das Küchenversorgungskonzept sei so aufgebaut, dass man bald alles im Neubau erledigen könne. Was die Einrichtungen im Neubau betrifft, das betonen die Caritasvertreter unisono, gebe es keine Pläne, sie zu schließen.
Geld fehlt
Und was passiert jetzt mit dem Altbau? „Ein Hausmeister geht täglich durch. Wir wollen nicht, dass irgendein Rohr platzt und dann ein Wasserschaden noch alles schlimmer macht“, sagt Markus Anstötz. Der Altbau befinde sich mitten im Wohngebiet. Man schaue, dass die Immobilie nicht verfalle. „Wir machen uns schon seit Jahren Gedanken über Limburgerhof“, sagt Anstötz. Die Herausforderung sei jetzt, den Altbau autark zu bekommen.
Es gebe Ideen, aber dafür brauche man Geld, erläutert der Leiter der Abteilung Facility-Management weiter. Für eine Sanierung müsse man seiner Schätzung nach 32 bis 40 Millionen Euro in die Hand nehmen. In Sachen Finanzen erhalte die Caritas Unterstützung vom Bistum, sagt Markus Bennemann. „Aber nicht, um große Bauprojekte anzugehen.“