Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Spuren der Vergangenheit: Wer weiß mehr über Leo Rieger?

So sieht die Buchfront des 1913 erschienenen Romans „Besiegter Hass“ von Leo Rieger aus.
So sieht die Buchfront des 1913 erschienenen Romans »Besiegter Hass« von Leo Rieger aus.

Er soll den Spitznamen „kleiner Lambsheimer Goethe“ getragen haben: Leo Rieger schrieb Anfang des 20. Jahrhunderts einen Roman, der Einblick in das Leben in seinem Heimatort gibt. Viel ist über den in Vergessenheit geratenen Autor nicht bekannt. Die Lambsheimer Heimatfreunde wollen der mysteriösen Geschichte Riegers nachgehen und bitten dafür um Hinweise. Wer kann Licht ins Dunkle bringen?

Heimatgeschichte ist trocken und langweilig? Von wegen! Wie bei einer Schnitzeljagd durch die Vergangenheit sammeln die Lambsheimer Heimatfreunde alle verbliebenen Informationen über den fast vergessenen Leo Rieger. Wie Detektive folgen sie jedem noch so kleinen Hinweis, jeder Spur, die etwas mehr über den Autor verraten könnte. Sicher ist: Geboren wurde Rieger am 1. August 1864 in Lambsheim unter dem Namen Leonhard. Er galt als Theater- und Literaturliebhaber, was bei seiner einfachen Herkunft damals eher ungewöhnlich war. Sein Vater war wohl ein Tagelöhner, er selbst lernte das Handwerk des Buchdruckers. Verheiratet war der Protestant nie.

Roman spielt in Lambsheim

Im Jahr 1913 veröffentlichte Rieger im Selbstverlag seinen Roman „Besiegter Hass“. Er erzählt die Geschichte einer Bauernfamilie in Lambsheim Ende des 19. Jahrhunderts. Einer der zwei Söhne des Bauernvaters verliebt sich während seines Militärdiensts in Bayern in eine Frau aus der Stadt. Da der Vater nur eine Schwiegertochter mit bäuerlichem Hintergrund akzeptiert, kommt es bei der Heirat des Liebespaars zum Bruch in der Familie. Der Sohn zieht mit seiner Frau nach Frankenthal. Um die Familie wieder zu versöhnen, lädt die Mutter die neue Schwiegertochter zu sich nach Hause ein und glättet damit die Wogen.

Den Heimatfreunden liegt ein Exemplar des „Romans aus der Vorderpfalz“ vor. Er ist in Frakturschrift gedruckt, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts die meistbenutzte Druckschrift im deutschsprachigen Raum war. Sämtliche Dialoge im Buch sind in der damaligen Vorderpfälzer – oder eventuell sogar spezifisch Lambsheimer – Mundart gehalten. Die Geschichte, die als Sittenbild der damaligen Zeit verstanden werden kann, schrieb Rieger zu einem Theaterstück um, das unter dem Titel „Familie Wendhöfer“ 1931 uraufgeführt wurde. Darauf weisen eine Anzeige sowie ein Dankschreiben hin, die dem Buchexemplar beilagen.

Rieger wird Redakteur beim „Lambsheim-Maxdorf-Anzeiger“

Im Rentenalter zog es Rieger dann zurück nach Lambsheim, wo er als Redakteur beim „Lambsheim-Maxdorf-Anzeiger“ arbeitete, einer Mischung aus Zeitung und Amtsblatt, die von 1928 bis 1939 zwei- bis dreimal pro Woche erschien. Das belegt die erste Ausgabe der Zeitung, in der freudig berichtet wird, dass Leo Rieger für die Redaktion gewonnen werden konnte. „Den Heimatfreunden liegen – vermutlich als einzigen – Ausgaben des Anzeigers aus drei Monaten vor“, berichtet der Vorsitzende des Vereins, Jochen Glatt. In diesem Zeitraum veröffentlichte Rieger einige seiner Gedichte im Blatt. Sie thematisieren oftmals das Spiel der Jahreszeiten, die das Leben der Menschen zu Riegers Zeit maßgeblich mitbestimmten. Außerdem konnte der Heimatverein bei seiner bisherigen Recherche einige Seiten mit Lebenserinnerungen Riegers sichern.

Weiter gibt es Hinweise darauf, dass Rieger eine Zeit lang in Eisenberg und danach in Enkenbach gelebt hat, wo er am 14. März 1950 verstarb. Warum er umzogen sein könnte, ist bisher unklar.

Hinweise erbeten: Wer weiß mehr?

Die Lambsheimer Heimatfreunde möchten ein Buch über das Werk und Wirken Riegers veröffentlichen. Dafür bittet der Verein um jedwede Information über das Leben und Arbeiten des Lambsheimers. Wer mehr über Rieger weiß oder sogar noch weitere Schriftstücke oder ein Buchexemplar von „Besiegter Hass“ besitzt, kann sich per E-Mail an info@lambsheimer-heimatfreunde.de melden. Weitere Informationen zu den Heimatfreunden gibt es im Internet unter www.lambsheimer-heimatfreunde.de.

x