Rhein-Pfalz Kreis Selbst suchen statt googeln
Googeln war gestern. In der Landesbibliothek Speyer sucht man noch ganz retro mit Augen und Händen. Dafür gibt es dort Informationen, die nicht in Wikipedia stehen. Doch wie macht man das einer Generation klar, die mit dem Smartphone aufgewachsen ist? Die Landesbibliothek in Speyer hat zusammen mit jener in Koblenz eine Bibliotheksrallye entwickelt. Zielgruppengerecht mit einer App.
Hexenverfolgung, Doping, Migration, Goethe, Hambacher Fest oder lieber Klimawandel? Daniel Fromme, Fachreferent der Landesbibliothek, legt die Karten auf den Tisch. Sie symbolisieren die Themenpakete, die für das Spiel zur Auswahl stehen. Auf ihnen befindet sich ein sogenannter QR-Code, den man mit einem der zehn IPads der Bibliothek abfotografiert und das Spiel in der App startet. Ich nehme Hexenverfolgung. „Eigentlich ist es vom Spielaufbau her egal“, sagt Fromme. Klingt aber am spannendsten. In der App wird erst mal ein Teamname eingetragen. „Üblicherweise spielen das ja mehrere Schüler zusammen“, erläutert Fromme. Die neunte Klasse einer Realschule hat es bereits getestet. Der Fachreferent hat das Spiel zusammen mit den Koblenzer Kollegen in einer Arbeitsgruppe entwickelt. „Es besteht aus Multiplechoice und offenen Fragen und Aufgaben, die man lösen muss“, berichtet Fromme. Er will zusammen mit seinen Kollegen Oberstufenschülern eine Alternative zur klassischen Hausführung bieten. „Die Schüler sollen mehr selbst entdecken“, sagt er. Das Spiel beginnt. Nach Fragen zu Recherchemethoden bei Google und Co. geht es an die erste praktische Aufgabe: ein bestimmtes Lexikon im Lesesaal suchen zum Thema Hexerei, geforderte Seite aufschlagen, fotografieren und beantworten, wer den Artikel verfasst hat. Klappt. Am Ende der erfolgreich gemeisterten Aufgabe klingelt in der App laut ein Sparschwein, in das die Punkte auf dem Bildschirm hineinfliegen. Hat was von Einarmigem Banditen. Die übrigen Bibliotheksbenutzer schauen verwirrt von ihren Büchern auf. Das erhöht den Druck. Wenn jetzt ein Möööp, ein dumpfer Ton des Misslingens seitens des IPads verraten würde, dass ich etwas nicht weiß, bekommt es jeder mit. Schon passiert’s: Findet man Zeitschriftenaufsätze im Bibliothekskatalog oder in der Fachdatenbank? „Möööp.“ – War ein Test ... Weiter geht es in den Lesesaal, Fragen dazu beantworten, welche Tages- und Wochenzeitungen es gibt. Dann weiter in die anderen Abteilungen: Bücher suchen, Zeitschriften finden. Und eine Entdeckung machen: Es ist unglaublich, für welche und wie viele Themen es Magazine gibt. Das sieht man so schnell nicht in Google. Eine halbe bis Stunde soll die Rallye insgesamt dauern. „Vorher gibt es eine Einführung, danach ein Nachbericht“, sagt Fromme. Ein Effekt des Spiels: Die Test-Schüler hatten gewetteifert, wer die meisten Punkte sammelt. Ich auch. „Das sollte nicht das Ziel sein“, sagt Fromme. Er kann aber den Spieltrieb verstehen. Dann kommt die Ernüchterung: Eine offizielle Bestenliste gibt es nicht. „Wir schauen uns nur an, was nicht gut klappt, um eventuell das Spiel anzupassen.“ Möööp ...