Maxdorf RHEINPFALZ Plus Artikel Schulbesuch: Was ein Sanitäter alles leisten kann

Noah Hayer (Mitte) und Arcan Akyol demonstrieren im Rettungswagen am Dummy, wie Patienten im Notfall auf der Fahrt ins Krankenha
Noah Hayer (Mitte) und Arcan Akyol demonstrieren im Rettungswagen am Dummy, wie Patienten im Notfall auf der Fahrt ins Krankenhaus geholfen werden kann.

Wie Sanitäter Menschen helfen und Leben retten können, haben Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes den Schulsanitätern des Lise-Meitner-Gymnasiums beim Schulbesuch erzählt.

Ein Rettungswagen auf dem Schulhof? Als die Schülerinnen und Schüler zur großen Pause ins Freie gehen, bildet sich schnell eine kleine Menschentraube um das Einsatzfahrzeug. Doch der Patient, der gerade beatmet wird, ist zum Glück nur ein Dummy. Und außer den beiden Sanitätern stehen noch einige Mitglieder des Schulsanitätsdienstes um die Trage herum.

Noah Hayer und Arcan Akyol von der Jugend- und Ausbildungsvertretung des Deutschen Roten Kreuzes sind an diesem Vormittag ins Lise-Meitner-Gymnasium (LMG) Maxdorf gekommen, um im Rahmen der beruflichen Orientierung über die Arbeit als Rettungs- oder Notfallsanitäter zu informieren. Sie selbst befinden sich derzeit in der Ausbildung zum Notfallsanitäter und möchten noch mehr Menschen für diese Tätigkeit begeistern.

Es herrsche derzeit Personalmangel, bedauert Noah Hayer. „Einer der Gründe ist die fehlende Aufklärung“, weiß sein Kollege Akyol. „Wir wollen zeigen, dass es ein Beruf ist, den man auch neben dem Studium ausüben kann“, sagt er. Zudem dauere die Ausbildung zum Rettungssanitäter nur drei Monate und biete gute Verdienstmöglichkeiten bei flexiblen Arbeitszeiten.

Derzeit 25 Schulsanitäter

Ansetzen möchten die Vertreter des DRK vor allem bei jungen Menschen, die Interesse am medizinischen Bereich zeigen. So wie die Jugendlichen, die sich am LMG im Schulsanitätsdienst engagieren. Rund 25 Jungen und Mädchen aus den Klassenstufen 7 bis 12 sind das aktuell. Sie sind stets zur Stelle, wenn jemand sich im Sportunterricht verletzt, auf dem Schulhof umknickt oder Kreislaufprobleme bekommt.

„Meistens ist es Pflaster kleben oder einen Verband anlegen“, beschreibt Vanessa Arndt die häufigsten Einsätze. „Es gab auch schon Panikattacken oder Ohnmacht“, sagt die Abiturientin, die seit sechs Jahren dabei ist und mittlerweile zum Leitungsteam des Schulsanitätsdienstes gehört. „Das ist dann schon herausfordernd, aber eher selten.“

Doch im Ernstfall wissen die Schulsanitäter auch, was in kritischen Situationen zu tun ist. Der 16-Jährige Lino Hinkel ist sich schon sicher, dass er Medizin studieren möchte. Nach dem Abitur wolle er jedoch zunächst eine Ausbildung zum Rettungssanitäter machen, sagt Lino.

Unterschied zwischen Rettungs- und Notfallsanitäter

Aufmerksam folgte er deshalb den Ausführungen von Noah Hayer und Arcan Akyol, die den Schülern unter anderem den Unterschied zwischen Rettungs- und Notfallsanitäter erklärten. Während der Rettungssanitäter nach einem dreimonatigen Lehrgang als Assistenz des Notfallsanitäters auf dem Rettungswagen (RTW) oder eigenständig auf Krankentransportwagen eingesetzt werden kann, ist der Notfallsanitäter die verantwortliche Person auf dem RTW und kann eigenständig eine ganze Reihe von medizinischen Maßnahmen vornehmen. Voraussetzung ist eine erfolgreich abgeschlossene dreijährige Ausbildung.

Dass diese nicht immer der ursprüngliche Plan sein muss, weiß Arcan Akyol aus eigener Erfahrung. „Ich wollte Lehrer werden“, berichtet er. Doch er habe beim DRK reingeschnuppert und sei geblieben. Heute wolle er gar nichts anderes mehr machen, erzählt er den Schülern.

Ob sie für den Beruf geeignet wären, können die Jugendlichen anhand einer Liste von Voraussetzungen selbst einschätzen. Medizinisches Interesse und eine Begabung für Biologie oder Chemie sind da unter anderem aufgeführt. Gut mit Druck umgehen zu können, die Bereitschaft zu lernen und ein Führerschein gehören ebenfalls dazu. Und man sollte ein Teamplayer sein. „Das ist extrem wichtig“, bekräftigt Akyol.

Helfen macht glücklich

Als Vorteile, welche der Job mit sich bringt, zählt Noah Hayer unter anderem persönliches Wachstum, Verantwortung und ein familiäres Umfeld auf. Aber auch das überwältigende Gefühl, Menschen geholfen oder sogar das Leben gerettet zu haben. „Nach einem Einsatz ist man oft so unfassbar glücklich, dass einem sogar die Tränen kommen“, erzählt er.

Interesse zeigen die Schüler vor allem an der Möglichkeit, ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Rettungsdienst zu machen. Und eine Schülerin möchte wissen: „Bieten Sie auch Praktikumsplätze an?“ Man könne zwei Schnuppertage machen, klärt Hayer auf. Dies sei allerdings erst mit 18 Jahren möglich.

Ein wenig skeptisch sind manche Schüler zunächst, was das Schichtsystem im Rettungsdienst betrifft. Denn eine Schicht dauert jeweils zwölf Stunden – entweder tagsüber oder in der Nacht. Doch die beiden Profis versichern, dass man sich daran schnell gewöhne. Und im Gegenzug habe man dann auch mehrere Tage in Folge frei.

„Baustein des Schullebens“

Im Rettungswagen geht es anschließend ins Detail. Geduldig erklären Hayer und Akyol den Schulsanitätern die Geräte und Ausstattung des Fahrzeugs. Sie führen vor, wie das Beatmungsgerät funktioniert, wie man die Medikamenten-Ampullen richtig öffnet und welche Behandlungsmöglichkeiten es noch auf der Fahrt ins Krankenhaus gibt.

Lehrerin Simone Kalinke, die den Schulsanitätsdienst seit zwölf Jahren leitet, freut sich, wie interessiert die Schüler sind. Sie ist froh, dass es so viele Jugendliche an ihrer Schule gibt, die bereit sind, sich für andere zu engagieren. „Der Bedarf ist sehr hoch“, weiß sie. Umso wertvoller sei der Einsatz der Schulsanitäter: „Es ist ein wichtiger Baustein des Schullebens.“

Über die Berufe des Rettungs- und des Notfallsanitäters informierten Noah Hayer (links) und Arcan Akyol die Mitglieder des Schul
Über die Berufe des Rettungs- und des Notfallsanitäters informierten Noah Hayer (links) und Arcan Akyol die Mitglieder des Schulsanitätsdienstes am Lise-Meitner-Gymnasium.
Mehr zum Thema
x