Rhein-Pfalz Kreis
Ruandische Priester dürfen nicht nach Waldsee reisen
Vergangenen Freitag wurden die Visums-Anträge der beiden Afrikaner abgelehnt.
Alles war so schön geplant. Am Montag hätten zwei Priester aus Ruanda in Waldsee ankommen sollen. Es sollte der Gegenbesuch in der Partnergemeinde sein. Doch daraus wurde in letzter Minute nichts.
„Tieftraurig – der Besuch hätte die Partnerschaft weiter belebt. Sehr enttäuscht – damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Frustriert – alle Arbeit war umsonst.“ So fasst Gerald Tremmel, Vorsitzender des Partnerschaftskreises der Kirchengemeinde St. Martin in Waldsee, die Stimmung im Ort zusammen. Seit 35 Jahren pflegt die katholische Kirchengemeinde eine Partnerschaft mit Hanika in Ruanda. 2016 war eine kleine Delegation aus Waldsee erstmals zu Besuch in Afrika. Nun stand der Gegenbesuch an. Am Montag ist der Flug von Kigali nach Europa gestartet – doch den beiden Geistlichen, die die Pfalz besuchen wollten, wurde in letzter Minute das Visum verwehrt. Der längst gebuchte Flug verfiel.
Umfangreiche Planungen umsonst
„Wir hatten ein volles Programm für 14 Tage ausgearbeitet: mit Besuch beim Generalvikar in Speyer, Stadt- und Domführung, Begegnungen in allen fünf Gemeinden unserer Pfarrei, Besuch von Kindergärten, Seniorenheim, Sozialstation und Schulen und einem touristischen Ausflugsprogramm“, sagt Dekan Frank Aschenberger. Da sei viel Arbeit in die Organisation gesteckt worden. All das müsse nun wieder abgesagt werden. Die vier Mitglieder der Delegation, die vor drei Jahren in Ruanda waren – außer Aschenberger und Tremmel sind das noch Gudrun Fuhrmann und Wolfgang König – hätten Urlaubspläne geändert und Termine verschoben, um alle Zeit für den Besuch zu haben.
Die Visumanträge seien von den Priestern fristgemäß im Mai eingereicht worden, erzählt Tremmel. Die Pfarrei habe dazu ein Einladungsschreiben verfasst, eine Bürgschaft für die Priester übernommen und Versicherungen abgeschlossen. Am 9. Juli hat Tremmel, der mit den Afrikanern über WhatsApp im Austausch ist, eine Nachricht bekommen, dass man sich langsam Gedanken mache, da die Visa noch nicht eingetroffen seien. In den Folgetagen hat Tremmel viel geschrieben und telefoniert. Zuerst mit dem Koordinierungsbüro des Partnerschaftsvereins Rheinland-Pfalz-Ruanda im afrikanischen Kigali. Dort habe er erfahren, dass Visumanträge aus Ruanda in Belgien bearbeitet werden und bekam die Nummern genannt, unter der die Anträge der Priester geführt werden.
Besuch ist nicht einfach verschiebbar
Nun konnte er selbst im Internet den Status der Anträge einsehen. „In Bearbeitung.“ Und das, obwohl die Zeit drängte. Daher hat Tremmel das Ruandareferat im Mainzer Innenministerium kontaktiert und die Auskunft bekommen, dass niemand etwas unternehmen könne. Nicht die Antragssteller, nicht die Waldseer und nicht das Innenministerium. Man müsse abwarten. Dieselbe Auskunft bekam er vom Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz-Ruanda.
Also wartete man ab in Waldsee. Am Freitag waren die Anträge immer noch „In Bearbeitung“, am Samstagfrüh fand Tremmel dann den niederschmetternde Eintrag: „Rejet“ also „Abgelehnt“ und die Waldseer verstanden die Welt nicht mehr. Wie soll es weiter gehen? „Wir sind stark an einer Begründung der Ablehnung interessiert, denn nach dem jetzigen Wissensstand ist es für uns völlig unverständlich“, sagt Tremmel. Ob es eine Begründung geben wird, sei allerdings noch nicht einmal sicher. Natürlich könne man Einspruch einlegen, aber das sei für ihn irrelevant. Man könne den Besuch nicht einfach auf irgendeine Zeit verschieben, da stecke viel Planung dahinter.
Der zentrale Ruanda-Gottesdienst am Sonntag um 9.30 Uhr in Waldsee findet trotzdem statt – ohne den Besuch. Am Ende des Gottesdiensts werden Spenden für die Partnergemeinde gesammelt. Dass das Geld gut verwendet wird, davon haben sich die Waldseer vor drei Jahren vor Ort überzeugt. Die Flüge der Priester wurden von einem Wohltäter aus Ruanda, nicht über Spenden der Kirchengemeinde finanziert. Darauf legt Aschenberger Wert, denn die Spenden sind für die Menschen vor Ort bestimmt.
Einwurf
So geht man nicht mit Menschen um. Die Vorgehensweise des Auswärtigen Amts in Brüssel zeugt von Willkür, die man in Europa nicht erwartet hätte. Dieses Prozedere lässt die Frage aufkommen, ob Anträge dort überhaupt gelesen werden – oder man sie im Fall der Ruander einfach pauschal abgelehnt hat, weil ledige afrikanische Männer in Europa gerade in mancher Augen nicht unbedingt willkommen sind. Sollte es tatsächlich einen triftigen Grund gegeben haben, hätte man die Anträge gleich ablehnen müssen und nicht am letzten Werktag vor dem Abflug der Männer. So zerstört man den Traum der beiden Priester und tritt die Arbeit der Ehrenamtlichen in Waldsee mit Füßen. Und ganz abgesehen davon, dürfte der ruandische Wohltäter, der die Flüge finanziert hat, wohl auch kein Geld mehr zurück bekommen.
Noch Fragen?
Spenden können auch im Pfarrbüro abgegeben werden oder mit dem Verwendungszweck „Ruanda“ auf folgendes Konto der Pfarrei Heiliger Christophorus Waldsee bei der Liga-Bank überwiesen werden: IBAN DE48545500100000115154.