Altrip RHEINPFALZ Plus Artikel Rheinquerung bei Altrip: Die Furcht vor der großen Brücke

Ein Blick zurück in das Jahr 2003. Hier war einmal die Rheinbrücke bei Altrip vorgesehen.
Ein Blick zurück in das Jahr 2003. Hier war einmal die Rheinbrücke bei Altrip vorgesehen.

Für die Menschen in Altrip dürfte es im ersten Moment ein Schock sein: Die Querung über den Rhein, die ihnen ein Dorn im Auge ist, ist wieder im Gespräch. Denn die Pläne kommen in einer Stellungnahme des Verbands Metropolregion Rhein-Neckar vor. Das hat einen Grund, sagt der Verbandsbürgermeister – und bleibt entspannt.

Lange schwebte sie wie ein Damoklesschwert über Altrip – die sogenannte dritte Rheinquerung südlich von Ludwigshafen. Seit einigen Jahren schien das Thema endgültig von Tisch zu sein. Eine Stellungnahme des Verbands Metropolregion Rhein-Neckar zum geplanten neuen Flächennutzungsplan lässt die Furcht vor einer großen Brücke mitten im Naturschutzgebiet Rheinauen allerdings wieder aufflackern. Patrick Fassott (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rheinauen, bleibt jedoch gelassen. Dass eine Brücke gebaut wird, ist für ihn völlig undenkbar. Allerdings wird wohl auch ein Neubaugebiet nicht wie geplant genehmigt werden können.

Die Verbandsgemeinde Rheinauen stellt derzeit einen neuen Flächennutzungsplan auf. Darin wird unter anderem festgelegt, wo künftige Neubaugebiete der vier Ortsgemeinden Waldsee, Neuhofen, Otterstadt und Altrip entstehen dürfen. Altrip hatte sich eine Erweiterung des Neubaugebiets Junkergewanne um sieben Hektar Richtung Norden gewünscht. Nun hat der Verband Metropolregion Rhein-Neckar, der eine Stellungnahme zum Flächennutzungsplan abgeben muss, Bedenken angemeldet, da die Trasse für eine mögliche Rheinquerung freibleiben muss.

Von Hochstraßenkrise eingeholt

Im ersten Moment ein Schock für die Altriper, bei genauerer Betrachtung aber verständlich, wie Fassott erklärt. Die rechtlich verbindliche Grundlage für den Flächennutzungsplan ist der Regionalplan aus dem Jahr 2013, in dem die räumliche Entwicklung für die Region für die nächsten 15 Jahre zusammengefasst ist. „In diesem Plan ist die Trasse für eine Rheinquerung anders als in früheren Plänen nicht mehr eingezeichnet“, sagt Fassott. Wohl aber enthält der Plan eine schriftliche Fußnote, in der die Querung noch erwähnt ist. Daher habe die Stellungnahme des Verbandes so ausfallen müssen. Darüber hinaus kommt die Forderung nach einer dritten Rheinquerung bei Altrip immer wieder aus Politik und Wirtschaft, jüngst vor dem Hintergrund der Ludwigshafener Hochstraßenkrise. „Die Region holt jetzt ein, dass die dritte Rheinquerung damals verworfen wurde“, sagte Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) im November 2019. In den 1990er-Jahren war das Projekt aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen worden. „Aus heutiger Sicht hätte man seinerzeit wohl anders entschieden“, sagte Steinruck. Für sie war eine dritte Rheinquerung keineswegs vom Tisch: „Die zuständige politische Ebene ist schon aktiv. Kurzfristig ist eine dritte Rheinquerung aber nicht die Lösung, die wir brauchen.“

Fassott: Brücke undenkbar

Aus umweltschutzrechtlichen Gründen hält Fassott eine Brücke durch ein Naturschutzgebiet wie die Rheinauen jedoch für völlig undenkbar. Konsequenzen habe die Stellungnahme aber für das geplante Neubaugebiet, das nicht so groß wie gewünscht ausfallen darf. Die Ortsgemeinde Altrip müsse sich nun damit befassen. Im Sommer stehen dann die Themen Flächennutzungsplan und Neubaugebiete erneut auf der Agenda des Verbandsgemeinderats.

Zur Sache: Eine lange Geschichte

Brücke oder nicht Brücke, das war seit den 1950er-Jahren die Frage für die Altriper. Schon 1954 hatte die Gemeinde eine Brücke gefordert, weil die Fähre heillos überlastet war. Als 1967 die Trassenführung für eine mögliche Brücke vorgestellt wurde, kam die erste Ernüchterung. Die Altriper Bürger hätten bis nach Rheingönheim fahren müssen, denn dort wäre die Zufahrt für die Brücke gewesen. Trotzdem war die Brücke immer noch erwünscht. Das Blatt wendete sich Ende der 1970er-Jahre. Die ersten Politiker sprachen sich gegen eine Brücke aus, die neu gegründeten Grünen setzten 1983 alles daran, die Brücke zu verhindern. Bis heute sind sie vehement dagegen. Eine Bürgerumfrage aus dem Jahr 1984 zeigte, dass sich 63,1 Prozent der Befragten gegen eine solche Rheinquerung aussprachen. Als Folge war nun auch der Gemeinderat dagegen. 2003 strich die Bundesregierung die Brücke aus dem Verkehrswegeplan, zwei Jahre später wurde der Planfeststellungsbeschluss, also die Baugenehmigung für die Brücke, aufgehoben. 2008 setzte sich Minister Hendrik Hering (SPD) dafür ein, die Brücke wieder in den Bundesverkehrswegeplan einzustellen. So weit ist es aber nicht gekommen. 2010 kam eine alternative Lösung ins Gespräch – ein Tunnel statt einer Brücke. Das war einerseits mit 570 Millionen Euro zu teuer, andererseits hätte es keinen passenden Anschluss auf Mannheimer Seite gegeben. So war auch diese Lösung bald vom Tisch und im Regionalplan 2013 ist die Trasse für eine Rheinquerung nicht mehr eingezeichnet worden.

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