Altrip
Rheinfähre: Die Krux mit dem Deutschland-Ticket
Die Kritik, die die Grünen in einer Pressemitteilung äußern, ist hart. Sie sprechen von einer „Schwächung des klimaschutzfördernden Deutschland-Tickets“, von „willkürlicher Preispolitik“, von Familien, die über Gebühr belastet werden. Sie fordern die Gesellschafter und den Verkehrsverbund Rhein-Neckar auf, „die neue Regelung zu überdenken“.
Entzündet hat sich die Empörung der Grünen an der vor wenigen Tagen eingeführten Regelung bei der Beförderung auf der Fähre, dass auch Personen, die im Auto als Beifahrer sitzen, bezahlen sollen – auch wenn sie das Deutschland-Ticket vorweisen können. Das war bisher nicht der Fall. Fußgänger und Radfahrer mit Deutschland-Ticket dürfen weiterhin damit die Fähre kostenfrei benutzen.
Doch so einfach ist es für Jürgen Jacob, Geschäftsführer der Rheinfähre Altrip GmbH nicht. „Wir haben es bislang stillschweigend geduldet“, sagt er mit Blick auf die vielen Personen, die bisher als Beifahrer im Auto sitzen und das Deutschland-Ticket vorgezeigt haben und damit keinen Extra-Obolus für die Beförderung entrichten mussten. Diese Regelung bleibt zum Teil auch weiterhin bestehen, betont Jacob – für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre. Wer älter ist, muss für die Beförderung bezahlen. „Die erste Auslegung war nicht optimal“, räumt er ein.
Bis zu 4500 Euro Umsatz im April fehlten
Laut Jacob haben im Monat April 3482 Personen mit Deutschland-Ticket auf der Fähre den Rhein überquert. „Das Deutschland-Ticket gilt aber grundsätzlich erstmal nur in Bussen und Bahnen“, erklärt er. Man habe das Ticket akzeptiert, weil die Rheinfähre Altrip GmbH eine Partnergesellschaft des VRN sei. „Wir sind aber nicht eingegliedert in den VRN“, erläutert er.
Die GmbH sei eine eigenständige Gesellschaft. „Wir haben keinen großen Konzern hintendran, der am Ende des Jahres unsere Verluste ausgleichen kann“, sagt Jacob. Zwischen den Zeilen kann man hier entnehmen, dass das Deutschland-Ticket die Fährgesellschaft Geld kostet. Bei den 3482 Fahrten mit dem Nahverkehrsticket im April rechnet Jacob damit, dass der GmbH unterm Strich 4000 bis 4500 Euro in diesem Zeitraum an Umsatz fehlen. Ja, man bekomme einen Ausgleich dafür, dass man das Deutschland-Ticket akzeptiere. „Der deckt aber bei Weitem nicht die Umsatzerlöse ab, die wir hätten, wenn wir diese Fahrten normal abrechnen würden“, hadert Jacob.
Bei vielen Fähren zahlen Radfahrer
Die Akzeptanz des Deutschland-Tickets auf der Rheinfähre hat Jacob als grundsätzliches Problem in dem System ausgemacht. „Es war auch schon Thema beim Treffen des Fährverbands“, berichtet er. In ganz Deutschland gebe es nur eine Handvoll Fähren, die im Betrieb der regionalen Verkehrsbetriebe seien, sagt Jürgen Jacob. Als Beispiele nennt er Hamburg und Berlin. Die anderen Fähren, wie eben auch die Rheinfähre, die zwischen Altrip und Mannheim pendelt, seien im Besitz von privaten Gesellschaften. „Und bei vielen anderen davon muss auch die Beförderung der Fahrräder bezahlt werden“, betont er.
Den Vorwurf, die Regelung willkürlich getroffen zu haben, weist Jacob von sich. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen. „Aber wir sind nun mal ein gewinnorientiertes Unternehmen.“ Und unterm Strich gehöre man zu den billigen Fähren. Eine Erhöhung der Beförderungsentgelte sei aktuell kein Thema. Die Preisliste auf der Homepage mit den neuen Regelungen werde schnellstmöglich aktualisiert.
Jacob verweist auch auf die Investitionen, die bei der Gesellschaft anstehen. So will die Rheinfähre Altrip GmbH ab Oktober eine neue Fähre in Betrieb nehmen, die gerade in Niederkassel bei Bonn gefertigt wird.