Rhein-Pfalz Kreis
Rheinauen-Feuerwehr übt Großeinsatz bei Massenunfall
Schreck zur Frühstückszeit am Samstagvormittag, 10 Uhr, in der Woogstraße in Neuhofen. Ein Großeinsatz für die Feuerwehr der Verbandsgemeinde Rheinauen. Zum Glück ist es „nur“ eine Übung. Die Floriansjünger aus Neuhofen, Altrip, Otterstadt und Waldsee proben den Ernstfall. 62 Einsatzkräfte und elf Fahrzeuge sind im Einsatz gewesen. Und viel kaputtes Blech.
Es ist noch nicht allzu viel los auf den Straßen, als in Neuhofen am Sonnabend um kurz nach zehn Uhr Martinshörner die Stille zerreißen. Mitglieder der Feuerwehren aus Neuhofen, Altrip, Otterstadt und Waldsee sind über die Rettungsleitstelle in Ludwigshafen zum Einsatzort in die Woogstraße nach Neuhofen gerufen worden. Die Ausgangslage: Schwerer Verkehrsunfall mit insgesamt sechs beteiligten Fahrzeugen und zwei Anhängern – verursacht durch einen Geisterfahrer. Die Szenerie wirkt realistisch. Ein Auto liegt zerbeult auf der Seite, zwei Kleinwagen haben einen Frontalzusammenstoß hinter sich, ein Fahrzeug hat sich unter einem Anhänger verkeilt. 13 Personen sind verletzt, davon drei Kinder.
Vier Minuten nach der Alarmierung sind Zugführer Florian Graf und Gruppenführerin Mata Zajaczkowski-Fischer von der Feuerwehr Neuhofen vor Ort. Zusammen verschaffen sie sich einen Überblick über die Unfallstelle. Sie erkunden die Schadenslage, stellen die Zahl der Verletzten fest und lokalisieren potenzielle Gefahrenstellen. Aufgrund dieser Beurteilung werden im Anschluss die entsprechenden Schritte angeordnet und die Feuerwehrleute eingeteilt. Die Einsatzleitung übernimmt bei der Übung Wehrführer Thomas Klamm von der Ortswehr in Neuhofen.
Viele Zuschauer sehen präzise Arbeit der Wehrleute
Die vierjährige Michelle macht große Augen. Zusammen mit ihrer Oma Bärbel van Thiel und Mama Tanja Lang steht sie hinter der Absperrung und beobachtet die Einsatzkräfte. Einen von ihnen hat sie besonders im Blick – ihren Vater Matthias van Thiel, der gerade unter ein beschädigtes Auto schaut. „Der Papa war heute Morgen nicht aufgeregt, aber ich“, berichtet das Mädchen. Und Mama Tanja wirft ein: „Michelle freut sich seit dem Aufstehen auf dieses Ereignis.“ Rund 100 Zuschauer beobachten an diesem Vormittag, wie die Aufgaben durch die Feuerwehrleute zügig und überlegt abgearbeitet werden. Auch Ortsbürgermeister Ralf Marohn (FDP) und der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Rheinauen, Toni Krüger (Grüne), sind dabei. Beide loben die gute Abstimmung der vier beteiligten Wehren untereinander und freuen sich über deren gute technische Ausstattung.
Matthias Kennerknecht aus Neuhofen ist seit über 20 Jahren bei der Feuerwehr. Heute muss er mit seinen Kollegen zwei Personen aus einem der Unfallfahrzeuge befreien. Keine leichte Aufgabe, denn die Verletzten sind in kritischem Zustand. Zuerst stabilisieren die Rettungskräfte das völlig verbeulte Fahrzeug mit einem Unterbau aus Massivholz. Zügig kleben sie die Frontscheibe ab, um ein Splittern zu vermeiden. Mit einem Rettungszylinder drücken sie das Dach nach außen und nehmen es später ganz ab. Bei der verklemmten Fahrertür kommt ein Spreizer zum Einsatz, um diese zu öffnen. Hand in Hand arbeiten die Einsatzkräfte, beide Personen können gerettet werden.
Augenmerk auf technische Rettung
Nicht in Einsatzmontur, dafür mit Block und Bleistift bewaffnet, beobachten Sven Fischer und Jan Frosch das Geschehen. Beide sind Gruppenführer bei der Ortswehr in Neuhofen und entwickelten gemeinsam das Szenario. „Heute geht es vordergründig um die technische Rettung und die Zusammenarbeit zwischen den vier Wehren. Deshalb sind auch keine Ärzte oder Sanitäter dabei“, erklärt Fischer. Nach gut drei Stunden ist die Großübung vorbei und alle Utensilien wieder verstaut. Einsatzleiter Thomas Klamm ist zufrieden und verteilt ein großes Lob bei der abschließenden Besprechung. „Alle waren sehr motiviert und engagiert bei der Sache.“
Es sind nicht nur die echten Einsätze, sondern auch Übungen wie heute, die die Feuerwehrleute so manche Stunde Freizeit kosten. Doch die Floriansjünger der Verbandsgemeinde Rheinauen machen ihre Arbeit aus Überzeugung.