Rhein-Pfalz Kreis Rhein-Pfalz-Kreis: Probleme beim Bau der Südspange

Umsonst gebaut: Unter anderem über diese Rohrbrücke sollte Grundwasser abgeführt und in den Floßbach geleitet werden. Doch dann
Umsonst gebaut: Unter anderem über diese Rohrbrücke sollte Grundwasser abgeführt und in den Floßbach geleitet werden. Doch dann kam das Gutachten. Das Wasser ist so sehr mit Nitrat belastet, dass es nicht in den Bach darf. Die Rohrbrücke wurde also wieder abgebaut.

Nitrat wird beim Bau der Südspange zum Problem. In einem Abschnitt zwischen Mutterstadt und Limburgerhof sollte das Grundwasser zeitweise abgepumpt und in den Floßbach geleitet werden. Doch das Grundwasser ist so mit Nitrat belastet, dass es nicht in den Bach durfte. Eine Alternative musste gefunden werden. Das führte zu Verzögerungen und Mehrkosten.

«Mutterstadt/Limburgerhof.» Die Südspange wird vom Gewässerzweckverband (GZV) Isenach-Eckbach gebaut und ist Teil eines wasserwirtschaftlichen Gesamtkonzepts. Sie soll bei Starkregen für einen besseren Abfluss in den flachen, vor allem landwirtschaftlich genutzten Bereichen der Frankenthaler Terrasse und der Rheinniederung sorgen. Zwischen Mutterstadt und Limburgerhof soll ein Streckenabschnitt der Südspange unter landwirtschaftlichen Flächen hindurch verlaufen. Dafür muss eine Beregnungsleitung verlegt werden. Um das zu realisieren, muss das Grundwasser während der Bauzeit – rund zehn Tage – um zwei Meter abgesenkt werden. Heißt: Es wird Wasser abgepumpt. Und dieses Wasser muss irgendwo hin. Am besten in den Floßbach. Aber das geht nicht. Wie GZV-Geschäftsführer Hans Peter Theiß auf Anfrage mitteilt, sei bei der Genehmigungsplanung von der zuständigen Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd zwar gestattet worden, das Wasser in den Floßbach zu leiten. Jedoch musste unmittelbar vor Beginn der Arbeiten eine Analyse des Grundwassers vorgelegt werden. Und die ergab, dass das Wasser erheblich mit Nitrat belastet ist. Der Gewässerzweckverband fragte beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nach. In dessen Stellungnahme heißt es: „Das Konzentrationsniveau an Stickstoff entspricht dem oberen Niveau des Zulaufs einer kommunalen Kläranlage.“ Klingt nicht gut. Und ist es auch nicht. Das Grundwasser wird schlechter als Gewässergüteklasse III bewertet. Der Floßbach selbst wird in die Klasse III eingeordnet und gilt damit schon als „kritisch belastet“. Deshalb darf laut SGD kein Wasser mit schlechterer Qualität eingeleitet werden. Als das klar war, waren aber schon Rohrleitungen und -brücken dafür verlegt worden. Das Wasser muss irgendwo hin. Und der GZV suchte nach Alternativen. Es gab die Idee, das Nitratwasser in den Mutterstadter Wald, ein Landschaftsschutzgebiet, zu pumpen. Davon riet der BUND in seiner Stellungnahme ab. Der GZV erwog daraufhin, das Wasser in die Mutterstadter Kanalisation einzuleiten, die in die BASF-Kläranlage führt – oder einen wasserdichten Verbau, der die Menge anfallenden Grundwassers vermindern würde. Beides wurde laut Theiß als unwirtschaftlich verworfen. In der Stellungnahme des BUND wurde eine Möglichkeit aufgezeigt, die „ortsnahe Wiederversickerung in den gleichen Grundwasserleiter“. Mit anderen Worten: Das abgepumpte Nitratwasser soll wieder zu seinesgleichen zurück. Das fand die SGD genehmigungsfähig. Damit begann die Suche nach einer Versickerungsfläche, laut Theiß sei das gar nicht so einfach gewesen, denn die meisten möglichen Flächen werden landwirtschaftlich genutzt. Neben dem Mutterstadter Kreisel fand sich aber ein aus der Nutzung genommenes Stück Land. Hier werde das belastete Grundwasser unverändert wieder dem oberen Grundwasserleiter zugeführt, in dem es versickerte. Die unerwarteten Schwierigkeiten bedeuten laut Theiß eine Bauzeitverlängerung von drei bis vier Monaten und Mehrkosten von etwa 62.000 Euro. Der Bauablauf müsse umgestellt werden, jedoch erwartet Theis für das Gesamtprojekt Südspange keine Verzögerung. Die Arbeiten vor Ort waren unterbrochen worden. Ob sie bereits wieder aufgenommen sind, konnte Theiß derzeit nicht sagen, da die beauftragte Firma während des Baustopps andere Arbeiten übernommen habe. Ein Besuch vor Ort zeigt, dass Rohre bereit liegen, aber noch nicht angeschlossen sind. Ein Problem beim Südspangenbau scheint gelöst – doch wirft das Stichwort Nitrat bei Umweltschützern weiter reichende Fragen auf. Denn wenn schon an nur einer Stelle der obere Grundwasserleiter erheblich stark mit Nitrat belastet ist, liegt der Verdacht nahe, dass womöglich große Flächen betroffen sind. Darauf weist der BUND in seiner Stellungnahme hin, wonach „eine ähnlich hohe Belastung im gesamten Agrarbereich um Mutterstadt und zwischen Mutterstadt und Limburgerhof“ zu befürchten sei. Der BUND erklärt, dass ein Abfließen von kontaminiertem Grundwasser in die Südspange verhindert werden müsse. „Eine Ableitung von mit Nitrat belastetem Grundwasser zu den Bächen im Rehbachgebiet ist aus unserer Sicht nicht mit den Vorgaben des Wasserrechts vereinbar.“ Auf Nachfrage sagt der stellvertretende BUND-Kreisvorsitzende Rolf Götz, dass man zwar von dem festgestellten sehr hohen Wert nicht auf das ganze Gebiet schließen könne. Es gebe Messstellen, die sogar nitratfrei seien, wie etwa im Mutterstadter Wald. Doch bei landwirtschaftlich stark genutzten Flächen sei eben ein erhöhter Nitratwert zu erwarten. Das Problem sei lange bekannt. Mit Schlussfolgerungen hält sich die SGD zurück. „Dort wo eine intensive landwirtschaftliche Nutzung stattfindet, sind auch hohe Nitratbelastungen des Grundwassers zu verzeichnen“, teilt SGD-Sprecherin Ulrike Schneider schriftlich mit. Sie verweist auf Düngegesetz und Düngeverordnung, die 2017 neu in Kraft traten. Nach denen seien „in Gebieten mit nitratbelasteten Grundwasserkörpern zusätzliche Maßnahmen durch die Landesregierung zu erlassen, um Nitrat- und Phosphoreinträge ins Grund- und Oberflächenwasser zu vermindern“. Ob die SGD selbst Messungen vornehme und ob es Konsequenzen etwa für die Landwirtschaft gebe, ließ Schneider offen und schrieb lediglich: „Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Maßnahmen (der Landesregierung, Anm. d. Red.) auf die Nitratentwicklung auswirken.“

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