Rhein-Pfalz Kreis Reiner Kober aus Fußgönheim erfindet Chemie-Lernspiel

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Reiner Kober (62) ist Chemiker. Er studierte in Bonn, arbeitete bei der BASF, war dort für mehrere Patente verantwortlich und lebt in Fußgönheim. Schon früh hatte er die Idee für ein Lernspiel mit chemischen Formeln und Reaktionsgleichungen. Seit einiger Zeit gibt es nun Chemundo, ein Lernspiel, das Schüler für Chemie und Naturwissenschaften begeistern soll.

Dass an einem Ort wie diesem Kartenspiele entstehen, dass hier geknobelt und gebastelt wird, ist nur schwer vorstellbar. Es ist die Steuerberaterkanzlei von Peter Wienen in Limburgerhof. Und so ganz stimmt es auch nicht, denn Reiner Kober, der Kopf hinter dem Chemiespiel Chemundo, hat sich die Büroräume seines Geschäftspartners nur zur Spiele-Präsentation ausgesucht. Kober wohnt mit seiner Frau in Fußgönheim, hat dort auch den Prototyp seiner Spielkarten erdacht und am Computer selbst gestaltet. Nur dass den Prototyp am Ende keiner haben wollte. Bei acht Verlagen klopfte der damals 45-Jährige Ende der 90er Jahre an, acht Mal erhielt er eine Absage. „Alle bezweifelten, dass kostendeckend mehr als 2000 Spiele verkauft werden können“, sagt er. Doch es sollte ein Irrtum werden, so viel steht jetzt, nach etwa 30.000 verkauften Exemplaren, fest. „Uns blieb letztlich nur der Weg, das Spiel selbst zu vermarkten“, blickt der Chemiker auf die Anfänge zurück. Mit im Boot hatte er damals neben Wienen auch den Juristen Christian Schreider. So kam Chemundo 2003, passend zum Jahr der Chemie, auf den Markt. „Man kann eine anorganische oder organische Variante spielen“, erklärt Kober und kramt dabei eines der Kartendecks aus einer der auf dem Tisch verteilten Kartonschachteln. Organische Chemie: War da nicht irgendetwas mit Kohlenstoff? Also braucht es zum Filtern der Karten schon einmal das Wissen, dass Kohlenstoff im Periodensystem der Elemente mit dem Buchstaben „C“ ausgewiesen ist. Das C ist nämlich auch auf die Karten gedruckt, die die organischen Verbindungen wie Methan, Ethan oder die Alkansäuren abbilden. Auf jeder Karte gibt es ein Bild eines Moleküls und eine Kohlenstoff-Wasserstoff-Sauerstoff-Kette, durch die die Zusammensetzung der Stoffe deutlich wird. „Ohne Vorkenntnisse spielbar“, steht auf der Schachtel. Mal sehen. „Sie kennen doch Uno?“ Ja. Und so ist es kein Problem, die Karten einfach nur nach Farben oder gleicher Atomanzahl abzulegen. Für den Schulunterricht könne dann noch der richtige Name einer Verbindung oder das richtige Verhältnis zwischen Anionen und Kationen genannt werden. Bei Nichtwissen gibt es Strafkarten. Bleibt die Frage, wie man als BASF-Mitarbeiter und Erfinder auch noch dazu kommt, sich unter die Spieleerfinder zu begeben. „Schon vor dem Vordiplom entstand ein erstes Spiel, Syntho-Cards, das aber viel zu kompliziert war“, sagt Reiner Kober. Als Lernhilfe dienten ihm die Karten mit den dazugehörigen Erklärungen aber dennoch. Später nutzten sie im Kollegenkreis das Spiel. Den Weg in die Chemie ebnete sich Kober schon in seiner Jugendzeit in Bonn-Bad Godesberg. „Von einem Schulfreund habe ich eine große Chemikaliensammlung bekommen und vieles andere konnte man dazu kaufen“, weiß er. Alles was es für Schwarzpulvermischungen oder bengalische Lichter brauchte, gab es in den 70er Jahren noch in Apotheken und Drogerien frei zu kaufen und passende Rezepturen in Experimentierbüchern für Schüler. Dort bediente sich auch Reiner Kober. „An Nitroglycerin habe ich mich nie herangetraut“, sagt er und muss mit vielen Jahren Abstand noch immer lächeln. „Ich hatte immer eine gewisse Vorsicht“, ergänzt er. Die hat er bis heute nicht verloren. Wohl auch, weil Eltern und Nachbarn den Jungen in seinen Experimenten nicht aufhielten, entdeckte er die Chemie für sich. Tür an Tür lebten die Kobers mit Familie Wickert, Eltern von Ulrich Wickert, der von 1991 bis 2006 die ARD-Tagesthemen moderierte. „Sie haben sich nie beschwert, wenn zum Beispiel mal eine Versuchsrakete am Boden detoniert ist“, sagt Kober, mittlerweile selbst Vater einer erwachsenen Tochter. An der Universität in Bonn studierte er, machte seinen Doktor, bevor es ihn zur BASF nach Ludwigshafen verschlug. „33 Jahre habe ich dort gearbeitet, 1984 als Laborleiter angefangen“, erzählt Kober ruhig und unaufgeregt. Doch jetzt zählt erst einmal der Vorruhestand. Gewonnene Zeit, die in die Entwicklung einer Chemundo-App fließen könnte. „Ich bin mit zwei Hochschulen in Gesprächen, aber wir brauchen auch noch Sponsoren.“ Und wenn dann noch etwas Zeit übrig bleibt, blickt Kober vielleicht auf frühere Hobbys zurück und entdeckt sich neu. Er sei schließlich schon immer ein Bastler und Tüftler. „Ich dachte auch schon mal, ich müsste Künstler werden“, sagt er und ein verschmitztes Lachen spielt um seine Mundwinkel. Oder Möbelbauer – darin übte sich der Wahl-Fußgönheimer während seiner Studentenjahre. Durch ein Praktikum in Finnland entstand bei ihm das Interesse an Holz. Noch Fragen? Das Lernspiel Chemundo kann für circa zehn Euro im Online-Handel bestellt werden (Infos unter www.eduris.de).

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