Rhein-Pfalz Kreis Rechnen, beraten, werben

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LAMBSHEIM/HESSHEIM. Ulf Gutermann ist seit 1. Februar bei der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim als Klimaschutzmanager angestellt. Er soll helfen, den Energieverbrauch in der Ortsgemeinde Lambsheim deutlich zu senken und Möglichkeiten auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien ausloten. Was am Ende seiner zunächst auf drei Jahre befristeten Tätigkeit herauskommt, steht noch in den Sternen. Die Aufgaben für das erste halbe Jahr sind anspruchsvoll, zum Beispiel was das problematische Nahwärmenetz betrifft.

Maßnahmencontrolling, Benchmark, Verstetigungsstrategie ... Die Schlagworte, mit denen sich Ulf Gutermann im März dem Lambsheimer Ortsgemeinderat vorgestellt hat, sind ziemlich abstrakt und ein Grund, den 40-Jährigen aus Gönnheim um ein Pressegespräch zu bitten. Womit genau will und soll er sich in seinen 23,4 Arbeitsstunden pro Woche beschäftigen? Das zu erklären, ist offenbar nicht so einfach, denn zum Gespräch gesellen sich Werkleiter Uwe Peter, Ortsbürgermeister Herbert Knoll (CDU) und Verbandsbürgermeister Michael Reith (SPD) hinzu. Peter ist da, weil die Stelle von Gutermann, der an der Hochschule Darmstadt Energiewirtschaft studiert hat, an die Gemeindewerke angebunden ist. Knoll ist Repräsentant der Ortsgemeinde Lambsheim, die mit 19,5 vom Bund geförderten Wochenstunden ihr Klimaschutzkonzept umsetzen will. Und Reith spricht für den Vier-Stunden-Anteil, den Gutermann der Erstellung von Klimaschutzkonzepten in den übrigen fünf Ortsgemeinden widmen soll. „Der Förderantrag dafür ist schon gestellt“, sagt Reith. „Wir hoffen so, die 0,6-Stelle von Herrn Gutermann auf 1,0 hochziehen zu können.“ Zunächst einmal geht es für den Klimaschutzmanager aber hauptsächlich darum, das vom Institut Ifas erstellte Konzept für Lambsheim in die Realität zu befördern. Ein konkretes Einsparziel hat die Gemeinde nicht formuliert. Gutermanns Ausgangspunkt ist das Jahr 2007, für das Ifas festgestellt hat: In ganz Lambsheim wurden 16 Megawattstunden Strom und 63.500 Megawattstunden Wärme verbraucht. Mit 94 Prozent den größten Anteil hatten private Haushalte. Die gelte es, durch Aufklärung und Beratung zum Energiesparen zu motivieren. Auch für Vereine, die ihre Immobilien sanieren wollen, soll Gutermann erster Ansprechpartner sein. Für die Gemeinde selbst sieht der Gönnheimer ein großes Einsparpotenzial in der Umrüstung der Beleuchtung von Straßen und Gebäuden auf LED-Technik. „Da ist der Effekt relativ hoch.“ Relativ niedrig ist der Anschlussgrad beim Nahwärmenetz der Gemeinde: Nur ein Drittel der Häuser im Umfeld des Rathauses, zu denen Anschlüsse gelegt wurden, beziehen ihre Wärme vom Holzhackschnitzel-Heizwerk westlich der Schule. Das ist ein Grund, warum das Nahwärmenetz tiefrote Zahlen schreibt (wir berichteten). Ulf Gutermann soll helfen, weitere Kunden zu gewinnen und eine Netzerweiterung auszuloten. Dafür bietet sich laut Uwe Peter das geplante Neubaugebiet Hintere Ringstraße an. Das Problem dabei: Selbst wenn man alle Häuslebauer dort zur Abnahme von Nahwärme zwingen würde, könnte das Verlegen neuer Leitungen und Anschlüsse dennoch unrentabel für die Gemeinde sein. Der Grund liegt laut Gutermann in der Energieeinsparverordnung, nach der ab 2016 in Neubauten nicht mehr als 44 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr verbraucht werden dürften. „Es kann sein, dass wegen dieser Obergrenze die Absatzmenge zu gering ausfällt.“ Das soll Gutermann herausfinden und gleichzeitig durch Werbung und Beratung den Absatz „im Bestand“, also im aktuellen Leitungsgebiet, erhöhen. Doch auch dort gibt es ein Problem: Gegenüber einer modernen Gas-Brennwertheizung sei die Lambsheimer Nahwärme derzeit nicht konkurrenzfähig, weil der Gaspreis relativ niedrig ist, erklären Peter und Gutermann. Rentabel sei die Nahwärme aber für Besitzer einer alten Heizung mit schlechtem Wirkungsgrad, also wenn zu wenig Energie tatsächlich in Wärme umgewandelt wird. Für sie könnte es sich lohnen, die alte Heizung stillzulegen und Nahwärme mit einem Wirkungsgrad von 100 Prozent zu beziehen. Für Ortsbürgermeister Herbert Knoll liegt das wichtigste Argument für einen Umstieg in den Instandhaltungskosten: „Auf 50 Jahre gesehen gibt es nämlich keine.“ Und: „Wenn das Verbrennen fossiler Brennstoffe irgendwann verboten wird, ist man mit unserer Nahwärme aus Holzschnitzeln gut dran.“ Uwe Peter setzt Hoffnung in den Lauf der Zeit: Die derzeit nicht genutzten Anschlüsse könnten sich bei einem Hausverkauf gut machen, vielleicht wolle ja der neue Eigentümer das Nahwärmeangebot annehmen. Ulf Gutermann formuliert aber noch weitere Ziele für die kommenden Monate. Er soll eine Arbeitsgruppe gründen, die der Frage nachgeht, wie Vereine und Firmen zum Klimaschutz beitragen können. Mitarbeiter der Verwaltung und Kinder sollen für das Thema sensibilisiert werden. Für die Anschaffung von Elektrogeräten und Leuchtmitteln in den Verwaltungsstellen und öffentlichen Gebäuden soll ein Leitfaden entwickelt werden. Und schließlich soll Gutermann beobachten, wie sich die Technik auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien entwickelt und wie sie eventuell vor Ort eingesetzt werden kann. Wie es scheint, sind damit noch längst nicht alle Betätigungsfelder eines Klimaschutzmanagers beackert. Gutermann: „Im zweiten halben Jahr wird sich dann zeigen, was noch alles nötig ist.“

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