Fußgönheim / Assisi RHEINPFALZ Plus Artikel Papst Franziskus: Besondere Besuche bei Bruder Thomas in Assisi

Begegnung in Assisi: Bruder Thomas (rechts) und Papst Franziskus.
Begegnung in Assisi: Bruder Thomas (rechts) und Papst Franziskus.

Die Trauer um Papst Franziskus ist groß. Ein besonderes Verhältnis zu ihm hatten die Franziskaner-Minoriten in Assisi. Bruder Thomas aus Fußgönheim erinnert sich.

Der Name des verstorbenen Papstes, Franziskus, lässt schon erahnen, dass der Geistliche für die Mönche des Ordens der Franziskaner-Minoriten in Assisi in Italien eine ganz besondere Rolle gespielt hat. Das bestätigt Bruder Thomas. Der Fußgönheimer ist seit 2008 in Assisi, Pilgerseelsorger und Direktor des Museums der Basilika San Francesco. Auch wenn die Wahl des Namens etwas überraschend gekommen sei, wie Bruder Thomas im RHEINPFALZ-Telefonat berichtet.

Denn Jorge Mario Bergoglio, wie Franziskus mit bürgerlichem Namen hieß, sei aus dem Orden der Jesuiten gekommen. Folglich habe man angenommen, dass sein päpstlicher Name auf den Heiligen Franz Xaver, ein Wegbereiter der christlichen Mission in Ostasien im 16. Jahrhundert, anspielt. „Aber am nächsten Tag war klar, dass er das in Anspielung auf Franz von Assisi gemacht hat. Es passt ja auch zu einem Menschen, der sich selbst ein bisschen zurücknimmt“, sagt Bruder Thomas.

Der Fußgönheimer berichtet von sechs Besuchen des Papstes in Assisi. „Sie waren immer relativ kurz, aber dabei hat er immer bestimmte Akzente gesetzt“, berichtet Bruder Thomas. Der Höhepunkt war für ihn, als er dem Papst bei einer Messe vor der Basilika assistieren durfte. „Das war gleich in seinem ersten Amtsjahr.“ Der letzte Besuch von Papst Franziskus in Assisi sei 2022 gewesen.

Gutes Verhältnis

Ein Besuch des Heiligen Vaters sei immer etwas Besonderes, meint Bruder Thomas. Auch wenn er mittlerweile in Assisi schon eine gewisse Routine darin bekommen hat. Auch Franziskus’ Vorgänger, Papst Benedikt XVI., hat Assisi einige Besuche abgestattet.

Das gute Verhältnis zu den Franziskaner-Minoriten in Assisi sei für Franziskus von großer Bedeutung gewesen. „Wir Ordensleute sind ja normalerweise nicht gerade prädestiniert für höhere Positionen in der Kirche“, erläutert Bruder Thomas. Aber Franziskus habe 13 von ihnen zu Bischöfen ernannt. Mit der Folge, dass jetzt drei Kardinäle aus den Reihen der Franziskaner beim Konklave dabei seien und den neuen Papst wählen werden.

Einfach und unkompliziert

Das sei schon ungewöhnlich gewesen. Aber Franziskus habe immer einen bestimmten Typus an Menschen gesucht. Zum einen sei es selbstverständlich eine Ehre gewesen, dass er die Brüder aus den Reihen der Franziskaner-Minoriten in diesen Stand erhoben habe. „Aber auf der anderen Seite hat er auch gute Leute genommen, die wir auch hätten brauchen können.“

Der verstorbene Papst sei als Mensch einfach und unkompliziert gewesen. „Man konnte mit ihm wie mit jedem anderen Menschen reden“, erzählt Bruder Thomas. Nach der Messe in Assisi habe er die Mitarbeiter des Klosters dort sehr humorvoll begrüßt. „Es war eine lockere Stimmung.“ Seine Liturgie sei eher nüchtern und den Menschen zugewandt gewesen.

Veränderungen und Reformen

„Es ist selbstverständlich immer etwas Besonderes gewesen, wenn Franziskus bei uns war. Der äußere Rahmen war immer sehr einfach. Es war dann nicht so, dass die ganze Stadt in Aufruhr gewesen ist oder die Kanaldeckel zugeschweißt worden sind.“ Das sei zum Beispiel beim Besuch des ehemaligen israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres ganz anders gewesen.

Franziskus, der vom 13. März 2013 bis zu seinem Tod der 266. Bischof von Rom und damit Papst, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gewesen ist, habe in seiner Funktion vor allem Veränderungen in der Personalpolitik herbeigeführt, habe auch Frauen in höhere Positionen gerückt. „Den Reformorientierten ging es wahrscheinlich nicht weit genug, den Traditionalisten zu weit“, meint Bruder Thomas und lacht.

Blick auf die Weltkirche

Man dürfe nicht den Fehler machen, das alles zu sehr auf Deutschland zu fixieren. „Die Aufgabe des Papstes ist es, die Weltkirche zusammenzuhalten.“ Vielleicht habe er nicht den ganz großen Sprung gewagt. Sein Nachfolger könne das eine oder andere anders machen. „Aber auch Kontinuität ist wichtig.“ Was Bruder Thomas aufgefallen ist: „Papst Franziskus ist auch nach über zehn Jahren im Amt ,der Neue’ geblieben, weil er so vieles anders gemacht hat.“

Bei drei Kardinälen im Konklave kann der nächste Papst ja auch theoretisch aus dem Kreis der Franziskaner-Minoriten kommen. Oder? Der Fußgönheimer hält das für eher unwahrscheinlich. Dazu gehörten unter anderem der Bischof von Ajaccio auf Korsika sowie der Bischof von Teheran-Isfahan (Iran). Doch letzterer sei beispielsweise vor Ort sehr wichtig, um den Dialog zwischen den Weltreligionen aufrechtzuerhalten.

Wer wird Nachfolger?

Viel werde schon im Vorkonklave besprochen. „Beim Konklave haben die Kardinäle, die über 80 Jahre alt sind, kein Wahlrecht mehr.“ Auch bei Franziskus sei dessen Rede bei der Vorversammlung von entscheidender Bedeutung für seine spätere Wahl gewesen. „Das kann diesmal jeder andere sein. Dann können sich auch wieder ganz andere Mehrheiten bilden.“ Ob es aber beispielsweise für einen Papst aus Asien oder Afrika reicht, das könne man nicht sagen.

An der Trauerfeier in Rom konnte Bruder Thomas nicht teilnehmen. Auch wenn Assisi keine 200 Kilometer von Rom entfernt ist. „Wir müssen hier präsent sein“, betont Bruder Thomas und verweist auf die rund drei Millionen Besucher, die seinen Angaben zufolge jährlich in die Stadt kommen. Aber selbstverständlich nehme man Anteil daran. Er sei auch gespannt, wie das Konklave ausgeht. Und bei einer Sache ist er sich sehr sicher, dass sie der Nachfolger von Franziskus weiterführen wird: das Weltgebetstreffen.

Sechsmal war Papst Franziskus bei den Franziskaner-Minoriten zu Gast in Assisi.
Sechsmal war Papst Franziskus bei den Franziskaner-Minoriten zu Gast in Assisi.
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