Rhein-Pfalz Kreis
Otterstadter schenkt Spezialfahrrad gehbehindertem Äthiopier
Yetsedaw Mesfin ist überglücklich. Der Äthiopier, der zurzeit in Koblenz lebt, war an Kinderlähmung erkrankt und ist dadurch in seiner Mobilität stark eingeschränkt. Nun hat er das Spezialfahrrad des Otterstadters Erich Kuhn geschenkt bekommen und ist wieder mobil.
Die Geschichte beginnt damit, dass Erich Kuhn aus Otterstadt sich gesundheitsbedingt von seinem geliebten Spezial-Fahrrad verabschieden muss. Der 71-jährige leidet seit vielen Jahren an Multipler Sklerose. Das laufen fiel ihm immer schwerer, doch mit einem Spezialfahrrad, ausgestattet mit einem dreistufigen Motor zur Unterstützung der Tretbewegung, sowie Handhebeln, die mit den Pedalen verbunden sind, war er viel im Ort unterwegs. Inzwischen ist die Erkrankung so weit fortgeschritten, dass er dieses Fahrrad nicht mehr nutzen kann und stattdessen auf eine andere Konstruktion umgestiegen ist. Verkaufen wollte er sein geliebtes Rad nicht, sondern jemanden schenken, der es brauchen konnte. So wandte er sich an die Fahrradwerkstatt Waldsee mit der Frage, ob sie nicht eine sinnvolle Verwendung finden könnten. Alfred Brechensbauer und Eckhard Sans, die sich in der Fahrradwerkstatt engagieren, besichtigten das doch sehr spezielle Gefährt, machten ein paar Fotos und fragten herum. „In der Fahrradwerkstatt hatten wir nicht genug Platz dafür. Der Seniorenbeirat, den wir ebenfalls kontaktierten, kannte auch niemanden, der ein solches Fahrrad brauchen könnte“, erzählt Eckhard Sans.
Neuhofener denkt an behinderten Freund
Dann kam Andualem Ferensay zufällig in der Fahrradwerkstatt vorbei. Der Äthiopier, der ebenfalls gehbehindert ist und in Neuhofen lebt, kommt hin und wieder zu Besuch. „Wir hätten fast ein Fahrrad für dich, aber ich glaube es passt nicht“, begrüßte ihn Sans. Nein, für Ferensay war das Rad nicht geeignet, aber der dachte sofort an seinen Freund Yetsedaw Mesfin und schickte ihm Fotos.
Dann sei alles sehr schnell gegangen, berichtet Sans. Mesfin und Ferensay kündigten ihren Besuch an und reisten mit dem Bus nach Otterstadt. Eine mühsame Tour für die beiden gehbehinderten Männer. Mesfin erzählte, dass in seiner Heimat viele Menschen an Kinderlähmung erkrankt sind, und er war überrascht, dass die Krankheit hier dank einer Impfung kaum mehr auftritt. In seiner Heimat seien behinderte Menschen nur wenig wert, sie würden auf der Straße bespuckt und für dumm gehalten.
Schnell hat sich herausgestellt, dass das Spezial-Rad genau auf Mesfins Bedürfnisse zugeschnitten ist. Ein paar Übungsrunden in Otterstadt und Neuhofen bestätigten das. Das Fahren auf diesem Rad klappte auf Anhieb, doch Mesfin brauchte noch einige Übung. „Zum Beispiel muss man Kurven langsam nehmen, weil das Gefährt sonst kippt“, erzählt Sans. Er packte das schwere Gefährt in seinen Kleinbus und brachte es mit den beiden Äthiopiern nach Neuhofen.
Die Äthiopier bedanken sich mit Wein und Kaffee
Am nächsten Tag ging es weiter über Schifferstadt und Mainz per S-Bahn nach Koblenz. In Mainz standen die Äthiopier vor einem Problem: Der Aufzug war ausgefallen. Doch die Männer wussten sich zu helfen und telefonierten landsmännische Hilfe herbei.
In der darauffolgenden Woche kamen Ferensay und Mesfin wieder nach Otterstadt, beladen mit ein paar Flaschen Wein und äthiopischem Kaffee, um sich bei Erich Kuhn, Alfred Brechensbauer und Eckhard Sans zu bedanken. Yetsedaw Mesfin kommt mittlerweile immer besser mit dem Rad zurecht und fährt damit schon einkaufen.