Fußgönheim
Ostermarkt in der Schlossscheune: So viel mehr als Hasen und Eier (mit Bildergalerie)
Die Besucher der Schlossscheune konnten nicht nur stöbern, sondern auch viel über die Arbeit hinter den Unikaten erfahren. Und Kenner wissen: Bei manchen Ausstellern sollte man früh da sein, denn viele ihrer Stücke werden schon in den ersten Minuten verkauft. Deshalb bildete sich am Samstag bereits eine Schlange vor der Eingangstür, bevor das Märkteteam des Heimat- und Kulturkreises die Scheunentür zum mittlerweile 47. Fußgönheimer Ostermarkt öffnete.
Unter den Wartenden waren auch Esther Bichmann und ihre Mutter, die extra aus Mainz gekommen waren. „Es ist jedes Jahr aufs Neue ein Highlight“, erklärte die 60-Jährige, der vor allem die Kombination aus Kunsthandwerkermarkt und Ausstellungen in den Museen gefällt, die an beiden Wochenenden ebenfalls geöffnet sind. „Ich kann mich hier den ganzen Tag aufhalten“, schwärmte sie. Gerne setze sie sich auch mal hin und beobachte.
Doch zuerst steuerte sie gleich nach der Eröffnung den Stand von Elke Mayer an, die seit 30 Jahren mit ihren fröhlich-bunt bemalten Holzfiguren beim Ostermarkt vertreten ist. In kürzester Zeit sicherte sich die Kundin einen großen Hasen mit Zylinder und zwei weitere Holzhasen, die ihr nun die Wartezeit auf das Osterfest versüßen.
Handbemaltes Porzellan und geometrische Muster
Häschen in allen Variationen sind auch das Lieblingsmotiv von Brigitte Mühlbichler. Die Kunsthandwerkerin aus Dernbach bei Annweiler präsentierte handbemaltes Porzellan und hatte unter anderem Tassen, Teller und ein großes Ei mit detailreichen Hasenbildern dabei. „Ich kaufe weißes Porzellan, bemale und brenne es“, fasste Mühlbichler den Prozess knapp zusammen, der tatsächlich mehrere Tage dauert. Man könne nicht mit einer Farbe über eine andere malen, erklärte sie. Deshalb müsse das Werkstück nach jeder Schicht für 24 Stunden in den Brennofen.
So wie die Dernbacherin gaben viele Aussteller bereitwillig Auskunft darüber, wie ihre Unikate entstehen und wie viel Arbeit dahinter steckt. Bärbel Wanner aus Wiesloch etwa verriet, dass sie ihre Schachteln aus finnischer Holzpappe fertige und diese dann mit italienischen Papieren kaschiere. „Italienisches Papier ist robuster als deutsches“, klärte sie auf. Dieses hochwertige Material nutze sie außerdem für Tee-Büchlein, Stifte-Boxen und Leporellos.
Bei Marianne Strasser aus Rodenbach konnten Interessierte erfahren, wie sich ein Ei mit einem feinen geometrischen Muster gestalten lässt. „Ich vermesse das Ei und ziehe Linien“, so Strasser. Danach zeichne sie das Raster und male dann die Felder aus. Dazu benutze sie gerne flüssige Vergoldung oder silberne Farbe sowie Tusche. Aber auch die Figuren aus der Häschenschule haben es ihr angetan.
Scherenschnitte und Perleneier
Herta Hirning dagegen bemalt die Eier nicht, sondern verziert sie mit anderen Techniken, die jede für sich eine Kunst und sehr zeitaufwendig sind: Hirnings Spezialität sind zum einen Scherenschnitte, die sie mit einer feinen Spezialschere zaubert und auf Eier in verschiedenen Größen klebt. Ihre zweite Passion sind Perleneier, bei denen sich winzige Kunststoffperlchen zu hübschen Mustern zusammenfügen.
Die Frage, wie viele Perlen auf ein Hühnerei passen, habe sie schon öfter gehört. „Deswegen habe ich sie einmal gezählt – es sind 3300 Perlen“, erzählte die Ausstellerin aus Sonnenbühl. Und jede setze sie einzeln auf die Wachsschicht, mit der sie das Ei zuvor umhüllt habe.
Alleine beim Thema Ei erwies sich das Angebot der Aussteller wieder einmal als äußerst vielfältig. So gab es etwa Eier, die mit Kunstwerken aus Lötdraht gestaltet waren, perforierte und mit Wachs verzierte Richelieu-Eier, Kunstschrift auf dem Ei oder auch ovale Unikate in Tiffany-Technik. Und Petra Schäfer, die zum ersten Mal beim Ostermarkt dabei war, nutzte halbe Straußeneier als Schalen für einige ihrer Ostergestecke.
Hasenlandschaften und Selbstgenähtes
Floristik mache sie seit 30 Jahren, verriet Schäfer. Recht neu seien allerdings die Hasenlandschaften, die sie – ähnlich wie Feengärten – mit kleinen Häuschen, Zäunen und natürlich Hasenfiguren gestaltet. „Wenn man Enkelkinder hat, kommt man zu so etwas“, erklärte sie lachend.
Beim Rundgang durch die die rustikale Scheune stellten die Besucher fest, dass das Osterfest bei weitem nicht nur durch kunstvoll gestaltete Eier und niedliche Häschen noch schöner werden kann. Sie fanden Drechselarbeiten ebenso wie handgefertigte Teddybären, bemalte Zinnfiguren oder Schmuck. Es gab Dekoratives und Nützliches aus Keramik, Hühner aus Stoff, Damenmode, Unikate aus Leder und Weidenkörbe.
Selbstgenähtes bot Stefanie Röder aus Frankfurt an. Unter anderem hatte sie Taschen, Schürzen, Kissen und Praktisches wie Reisepasshüllen oder Türstopper mitgebracht. „Ich mache meine Schnitte selber“, sagte Röder. Und gern zeigte sie den Besuchern, welche praktischen Details sich in manchen ihrer Kreationen versteckten.
Dass die Organisatoren immer wieder gleichermaßen Wert auf Vielfalt wie auf Qualität legen, kam auch dieses Mal sehr gut an. Anhand der Autokennzeichen auf dem Parkplatz ließ sich leicht erkennen, dass der Markt weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist. Und so mancher Besucher wird wohl auch am kommenden Wochenende erneut nach Fußgönheim fahren, denn dann präsentieren dort neue Aussteller ihr Kunsthandwerk.
Termin
Der Ostermarkt in der Schlossscheune Fußgönheim, Hauptstraße 64a, öffnet noch einmal am Wochenende, 28. Februar/1. März, jeweils von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt, der auch zum Besuch der Museen berechtigt, kostet drei Euro für Erwachsene. Kinder und Jugendliche sind frei.