Rhein-Pfalz Kreis
Orgelmarathon in Stadt und Kreis für guten Zweck und bare Münze
Fünf Tage, je zwei Session zu je fünf Stunden, macht 50 Stunden an der Orgel. In Ludwigshafen, Limburgerhof und der Verbandsgemeinde Rheinauen hat Ansgar Schreiner zugunsten des Fördervereins Hospiz in Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis die Register gezogen. Heute geht der Marathon in St. Nikolaus in Neuhofen mit Gottesdienstbegleitung und St. Bonifatius in Limburgerhof mit einem Orgel-Gesang-Evening zu Ende.
Samstagmorgen, 8 Uhr in der katholischen Kirche St. Martin, Waldsee: Organist Ansgar Schreiner aus Limburgerhof setzt sich an die Orgel und fängt an zu spielen. Er wird sie erst um 13 Uhr wieder verlassen, um weiter zu fahren zur nächsten Station seines Orgelmarathons um 14 in der Kirche St. Sebastian, Ludwigshafen-Mundenheim.
Dort wird er spielen, bis er los muss zur katholischen Kirche St. Bonifatius in Limburgerhof, wo er um 18 Uhr, wie jeden Samstag, den Vorabendgottesdienst als Organist begleiten wird. 8 bis 13 Uhr, dann 14 bis 19 Uhr in einer anderen Kirche, Gottesdienstbegleitungen während dieser Zeit inklusive, fünf Tage von Freitag bis Dienstag, macht zusammen 50 Stunden an der Orgel, genauer an zehn verschiedenen Orgeln, katholische und evangelische, in Kirchen in Ludwigshafen, Limburgerhof und der Verbandsgemeinde Rheinauen.
Man merkt schon bei dieser Auflistung: Ansgar Schreiner liebt die Herausforderung, liebt es, die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit zu testen. Andere würden ihr 50-jähriges Organistenjubiläum vielleicht mit einem festlichen Gottesdienst feiern – Schreiner macht es nicht unter einem Marathon. Dazu wünscht er sich Spenden – am liebsten 50 Münzen, es müssen keine kleinen sein, für den Förderverein Hospiz in Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis, dessen Vorsitzender er ist. Zur „Minimierung des Aufwands beim Münzen sammeln und unseres Aufwands beim Münzen zählen“ kann man die Spende auch überweisen. Keine Scheu, der Förderverein Hospiz nimmt die Spende sogar noch nach dem Orgelmarathon, die Kontonummer steht am Ende des Textes.
Nach einem fröhlichen Morgenlob zur Einleitung des langen Orgelmorgens geht Ansgar Schreiner nun über zu den Kirchenliedern aus dem „Gotteslob“, dem Gesangbuch der katholischen Bistümer in Deutschland, und dem Evangelischen Gesangbuch. Er will sie alle spielen, ob Weihnachts- oder andere Lieder im liturgischen Jahreskreis. In Waldsee sind viele Osterlieder zu hören, naturgemäß fröhliche Melodien mit vielen Alleluja-Refrains. Später mischen sich auch Orgelkonzertstücke dazu, etwa Bach-Toccaten, auch die berühmte in d-moll, oder die strahlende Fanfare in D-Dur des belgischen Komponisten Jacques Nicolas Lemmens oder das Prélude von Marc-Antoine Charpentier, das jeder Fernsehzuschauer als Eurovisionsmelodie erkennt, oder das Stück mit dem Westminster-Glockenschlag von Louis Vierne. Die Waldseer Orgel, 1995 erneuert, hat drei Manuale und rund 40 Register, damit kann man schon was anfangen, außerdem, „die Akustik in der Waldseer Kirche ist sehr gut“, bemerkt Ansgar Schreiner.
Pausen macht er nur für die Zeit, die er braucht, um die Register für das nächste Stück einzurichten. Neben der Orgel steht ein Korb mit Wasserflaschen. Und was ist mit Essen? „Das gibt’s am Abend,“, meint Schreiner. „Dazwischen höchstens mal eine Brezel.“ Wie ist das mit der körperlichen Anstrengung? „Damit komme ich bisher gut klar. Das einzige Problem ist, dass ich gegen Abend Schwierigkeiten mit dem Notenlesen bekomme. Da verschwimmt dann alles ein bisschen.“ Die Anzahl der Zuhörer in der Waldseer Kirche hält sich sehr in Grenzen, ab und zu schaut jemand herein. Eine Waldseer Organistin hält länger durch. Sie hat auch eine kleine Überraschung parat: Der blinde Klavier- und Orgellehrer von Ansgar Schreiner in Limburgerhof kam aus Waldsee, er hieß August Tremmel und er war verwandt mit der für ihre Beziehung zur Kirchenmusik in Waldsee bekannte Familie Kißler. Sein Andenken wird in der Familie hochgehalten, wegen seines Könnens, aber auch wegen seines Witzes.
Noch Fragen?
- Letzte Termine: Heute, 8 Uhr, St. Nikolaus (Neuhofen); 14 Uhr, St. Bonifatius (Limburgerhof) mit Orgel-Gesang-Evening.
- Spendenkonto: Sparkasse Vorderpfalz, IBAN DE37 5455 0010 0240 0102 23, BIC LUHSDE6AXXX, Stichwort Spende Orgel.