Otterstadt
Niederländerin auf der Suche nach ihren Vorfahren
Tania Weil aus einem Dorf nahe Utrecht hatte im Internet den Vortrag von Irmtrud Dorweiler gelesen, in dem die Hobbyhistorikerin und Otterstadt-Kennerin über die Geschichte der Ortsgemeinde berichtete. Dabei stieß die 61-Jährige auf den Namen Abraham Weil, der erster Ehrenbürger von Otterstadt und im Jahr 1925 gestorben war. Er liegt auf dem jüdischen Friedhof begraben.
Die Niederländerin kontaktierte Dorweiler, und diese begann gemeinsam mit Otto Berthold mit den Nachforschungen in zahlreichen Büchern wie dem Ortssippenbuch und dem Buch über jüdische Mitbürger in Otterstadt und Waldsee. Dabei stellten beide fest, dass die Niederländerin tatsächlich einen gemeinsamen Vorfahren mit diesem Abraham Weil hat, und zwar Aaron Weil, der um 1747 geboren wurde.
Dorweiler und Berthold fanden heraus, dass mehrere Mitglieder der Familie Weil auf dem jüdischen Friedhof in Otterstadt bestattet worden waren. Unter anderem Tania Weils Ururgroßmutter, die 1853 mit 42 Jahren gestorben war. „Diese Ergebnisse waren für Frau Weil der Ansporn, sich auf die Suche nach den Vorfahren zu begeben. Und so kam sie nach Otterstadt“, erzählt Dorweiler.
Die Utrechter Dozentin hat viel durchgemacht
Dort wurde Weil von der Hobbyhistorikerin und Otto Berthold empfangen und auf den jüdischen Friedhof geführt, wo sie Fotos der Grabsteine ihrer Vorfahren und Verwandten machte. Tania Weil, die in Utrecht als Dozentin arbeitet, habe in ihrem Leben schon viel durchgemacht, deutet Dorweiler an. Sie lebte in Israel, lange in Uruguay, dann in den Niederlanden und zwischendurch in Paris.
Nachdem die Gruppe den Friedhof besucht hatte, ging sie durch die Otterstadter Straßen, in denen jüdische Bürger gelebt hatten, und trafen in der Kirche noch Frank Berthold, der „wie ein Schatz“ Ansichtskarten aus der Nachkriegszeit hütet, die von jüdischen Freunden aus Florida geschickt worden waren. „Es gab viele Otterstädter, die in der dunklen Zeit zu den jüdischen Mitbürgern hielten, sie unterstützten und über den Krieg hinaus Kontakt hielten mit denen, die dem Nazi-Regime entkommen konnten“, sagt Dorweiler. Die Eindrücke des Tages auf den Spuren ihrer Vergangenheit verarbeitete Tania Weil am Rhein in der Stille der Natur.
Zum Abschied bekamen die Niederländerin und ihr Sohn eine Flasche Jubiläumssekt und zwei Otterstädter Dubbegläser von der Ortsgemeinde geschenkt. „Frau Weil und ihr Sohn zeigten sich tief beeindruckt von der Herzlichkeit, mit der die Gemeinde Otterstadt sie aufgenommen hat, und zutiefst dankbar“, sagt Dorweiler. Ihr zufolge wollen die Weils mit den Otterstädtern in Verbindung bleiben und in zwei Jahren mit einer Cousine aus Uruguay wieder in die Altrheingemeinde kommen.