Altrip
Neue Rheinfähre erreicht ihren Einsatzort
Anfang August rief Jürgen Jacob, Geschäftsführer der Rheinfähre Altrip GmbH, aufgeregt in der RHEINPFALZ-Redaktion an. „Sie schwimmt“, rief Jacob aufgeregt ins Telefon und meinte damit, dass die neue Fähre, die Altrip und Mannheim verbinden soll, endlich Wasser unter dem Kiel hatte. Jacob war damals vor Ort bei der Lux-Werft in Niederkassel bei Bonn. Ein kleiner Wermutstropfen damals war, dass das Wetter nicht mitspielte, als das Schiff die Montagehalle verließ. Doch Jacob, der in den Monaten der Fertigung unzählige Autobahnkilometer zwischen der Pfalz und Nordrhein-Westfalen abgespult hatte, nahm es mit Humor: „Wir konnten uns schon mal ausgiebig davon überzeugen, dass die Deckentwässerung funktioniert“, meinte er.
Er sprach damals von einem „erhebenden Gefühl“. Ein zweites Mal werde er das in seinem Leben wohl nicht mehr zu sehen bekommen, vermutete er. Damit spielte er darauf an, dass man nicht alle Tage eine neue Fähre bestellt und anschließend in Dienst stellt. Etwa acht Millionen Euro hat das Schiff gekostet, das nun die alte Fähre, die „Gerda“, ablöst. Die neue Fähre, die ihren Namen erst am 25. Oktober bei einem offiziellen Akt erhält, ist rund 54 Meter lang, etwa 14 Meter breit und wiegt rund 400 Tonnen. Damit ist sie wesentlich größer als ihre Vorgängerin. Vier Spuren hat sie für Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrer. Im Durchschnitt sollen 35 Autos und 250 Personen draufpassen. Zum Vergleich: Auf die „Gerda“ gingen 21 Autos. Startschuss für das Projekt war 2018. Der Bau begann im Juli 2024. Das weiß-blaue Schiff ist die dritte Rheinfähre, die die Pfalz und Baden verbindet an dieser Stelle.
Los ging’s mit der Transferfahrt bereits am Freitag. Mit etwas Verspätung. „Das Schiff läuft sehr ruhig. Die Stimmung ist gelöst“, berichtet Jürgen Jacob per E-Mail. Am Sonntagmorgen vermeldete er im Telefonat mit der RHEINPFALZ: „Alles hat geklappt!“ Währenddessen war das Personal schon dabei, das Anlegemanöver auszuprobieren.
Jacob wurde euphorisch: „Das ist fast schon Traumschiff-mäßig“, sagt er. Die Überführung habe doch schneller geklappt als gedacht. Neun bis 13,5 Kilometer habe man mit der neuen Fähre zurückgelegt. Am Samstagabend gegen 19.30 Uhr habe man in Worms stoppen müssen, um die Lenkzeiten nicht zu überschreiten. „Am Sonntag sind wir um 8.31 Uhr in Altrip angekommen“, berichtet Jacob.
Was ihn vor allem begeistert, ist, dass das neue Schiff einen wesentlich geringeren Geräuschpegel hat als die alte „Gerda“. „Beim ersten Ablegen habe ich gedacht, man lässt das Schiff treiben. Man hört die Motoren im Normalbetrieb fast nicht. Ich glaube, wir haben alles richtig gemacht.“ In den vergangenen Wochen habe er sich noch mal wie ein werdender Vater gefühlt, meint Jürgen Jacob. „Jetzt, da das Kind geboren ist, ist das schon sehr emotional. Ich habe mit Freudentränen gekämpft.“
Ihren Betrieb nimmt die neue Fähre aber noch nicht sofort auf. „Unter Umständen sind wir bis Freitag außer Betrieb“, sagt Jacob. An der einen oder anderen Einstellung muss noch nachjustiert werden. Dafür kommt am Montag extra noch mal ein Team der Lux-Werft nach Altrip. Die Untersuchungskommission müsse noch einen Blick auf alles werfen. Und die Fahrer müssten sich mit dem neuen Schiff noch vertraut machen. „Es ist ein komplett neues System. Da opfern wir lieber ein, zwei Tage. Ich denke, dass die Leute das verstehen werden“, erläutert Jacob.
Die neue Fähre ist quasi ein Prototyp. Vom Fließband laufen diese Fahrzeuge nicht. Der Hintergrund: Jedes dieser Schiffe muss an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden. Bei der neuen Rheinfähre ist es zum Beispiel so, dass sie weniger Tiefgang hat als das Vorgängermodell. 74 Zentimeter in unbeladenem Zustand, 103 Zentimeter voll beladen. Das hat den Vorteil, dass die Gesellschaft den Fährbetrieb länger aufrechterhalten kann, sollte der Pegel des Rheins mal wieder fallen.
Das Problem ist laut Jacob dabei vor allem die Altriper Seite. Denn diese liegt an dieser Stelle des Rheins in der Innenkurve. Die Maße der Fähre sind genau auf diese Fährstelle zugeschnitten. Damit die Fähre ohne Probleme anlegen kann, sind Anfang September große, schwere, schwarze Metallteile an beiden Rheinufern an den Anlegern montiert worden. Jedes dieser Teile wiegt rund eine Tonne.
Diese Metallteile sind laut Jürgen Jacob 2011 zum ersten Mal im Einsatz gewesen, als eine Ersatzfähre zwischen Altrip und Mannheim verkehrte, während die „Gerda“ in der Werft war. Die schwarzen Metallteile dienen der Fähre als „Einparkhilfen“. Über eine trichterförmige und leicht ansteigende Vorrichtung läuft im Betrieb ein Bolzen, der schließlich in eine Vertiefung fällt.
Termin
Inbetriebnahme der neuen Fähre an der Anlegestelle in Altrip, 25. Oktober, 11 Uhr.