Altrip / Mannheim
Neue Fähre „AlMa“ getauft – Modernes Schiff mit Geschichte
Seit mehr als 700 Jahren gibt es den regelmäßigen Fährbetrieb, und für die Menschen in Altrip und Umgebung ist er ein wichtiger Teil ihres Alltags. „Die Fähr-Route ist eine der Lebensadern für Altrip“, sagt einer der mehreren Hundert Besucher der Schiffstaufe am Samstag. „Ich brauche die Fähre jeden Tag, um zur Arbeit und wieder zurückzukommen“, sagt Jens Datar aus Altrip. „Die drei Minuten auf dem Wasser sind ein schöner Tagesbeginn, das macht den Kopf frei“, sagt er zur Überfahrt. Michaela Ehrmann, vor 13 Jahren nach Altrip gezogen, nutzt die Fähre zwar nicht täglich, aber immer mal wieder. „Ich muss öfter Leute vom Frankfurter Flughafen abholen, und mein Weg dorthin beginnt hier auf der Fähre“, sagt sie. Und beide kennen die Fährleute und die Mitfahrer. Manche bezeichnen die Fähre auch scherzhaft als „den längsten Stammtisch der Welt“.
Ob das zutrifft, weiß man nicht. Sicher ist, dass das neue Fährschiff 54 Meter lang und 14 Meter breit ist. Es kann 35 Pkw befördern, mehr als zuvor. Angetrieben wird das Schiff mit vier elektrisch betriebenen Pump-Jet-Maschinen, deren Strom mit Dieselgeneratoren erzeugt wird. Die treiben das Schiff mit dem Druck von steuerbaren Wasserstrahlen (Jets) voran und machen es besonders manövrierfähig. Weil dadurch Antrieb und Steuerung im Innern des Schiffs liegen und nur die Jets nach außen wirken, hat die Fähre einen sehr geringen Tiefgang. Das war eine der Anforderungen an die Konstruktion.
Langer Weg bis zur Taufe
Schon im Oktober 2018, als die Betreibergesellschaft Rheinfähre Altrip GmbH die Neuanschaffung beschloss, lag die alte Fähre 44 Tage am Stück buchstäblich auf dem Trockenen, weil der Rhein nicht genug Wasser führte. Weitere Niedrigwasser-Zeiten folgten und kommen in Folge des Klimawandels auch immer öfter, sagte Jürgen Jacob, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, bei seiner Rede zur Schiffstaufe.
Es sei ein langer Weg gewesen vom Beschluss der Neuanschaffung bis zum tatsächlichen Auftrag, erklärte Jürgen Jacob. Es galt nicht nur, ein Anforderungsprofil zu entwickeln, es mussten auch Verhandlungen geführt und Genehmigungen eingeholt werden. Schließlich wurde der Auftrag, wie gesetzlich gefordert, europaweit ausgeschrieben. Den Zuschlag bekam als wirtschaftlichster Anbieter die Lux-Werft- und Schifffahrt GmbH in Mondorf-Niederkassel (NRW). Etwa acht Millionen Euro hat das Schiff gekostet, das nun die alte Fähre, die „Gerda“, ablöst. Gesellschafter der Rheinfähre Altrip sind die Gemeinde Altrip mit 20 Prozent, der Rhein-Pfalz-Kreis mit 30 Prozent und die Mannheimer Kommunalbeteiligungen GmbH mit 50 Prozent.
Flasche will nicht zerschellen
Als Vertreter für Mannheim sprach Oberbürgermeister Christian Specht (CDU). Er erinnert sich: „Als Knirps von acht Jahren sagte mein Vater zu mir, dass wir eine Kreuzfahrt machen.“ Dann seien beide mit dem Rad zur Fähre gefahren und haben nach Altrip übergesetzt. Die neue Fähre habe nun eine eigene Spur für Radfahrer und Fußgänger. Dafür applaudierten die etwa 300 Menschen auf der Fähre und weitere am Ufer, die zur Zeremonie gekommen waren. Specht betonte die Bedeutung der Fähre für den Industriestandort und die Metropolregion.
Das unterstrich auch der Erste Beigeordnete und künftige Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises, Volker Knörr (CDU), in seinem Grußwort. Die Fähre sei eine Jahrhunderte alte Verbindung von Pfalz und Kurpfalz, die Bedeutung zeige die Zahl der Menschen, die zur Taufe gekommen sind. Die eigentliche Taufe sollte nach alter Tradition mit dem Zerschlagen einer Flasche am Schiff stattfinden. Winzerin Katharina Krieger aus Roth unter Rietburg hatte natürlich selbst erzeugten Sekt mitgebracht. Die Flasche erwies sich allerdings als außerordentlich stabil. Selbst nach mehreren Versuchen mit richtig Schmackes gegen das Ankerspill geworfen, blieb die Flasche ganz. Erst das konventionelle Entkorken ließ dann doch noch den Sektschaum entweichen. „AlMa“ wird die Fähre künftig heißen. Pfarrer Maximilian Heßlein von der Schifferseelsorge Mannheim-Ludwigshafen bat um Gottes Segen für das neue Schiff.
Protest am Rande
Am Rande der Taufzeremonie protestierte am Ufer der Adler-Fan-Club Altrip. Die Mitglieder sind des Öfteren Besucher von Veranstaltungen der SAP-Arena und kritisieren, dass das mit im Eintrittspreis enthaltene Ticket des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN) nicht mehr für Beifahrer von Autos gelte. Beifahrer müssen nun ein Fährentgelt von einem Euro entrichten. „Wir finden es unsinnig, dass Mitfahrer unserer Fahrgemeinschaften im Auto bezahlen. Wenn sie aber aussteigen und als Fußgänger befördert werden, müssen sie kein Fährentgelt entrichten“, sagte die Fan-Club-Vorsitzender Dagmar Waldbrenner.
In der Vergangenheit wurde dieser Obolus von der Fährgesellschaft nicht erhoben – aus Kulanz, wie Geschäftsführer Jürgen Jacob auf Nachfrage erläuterte. Die Fähre sei aber kein Bestandteil des VRN. Würde man das Entgelt nicht erheben, „würden wir auf Einnahmen im deutlich fünfstelligen Bereich verzichten“, argumentierte er.