Rhein-Pfalz Kreis Naturschützer empört über Idee für Tretbootbetrieb
Gegen das Vorhaben des Gemeinderats von Bobenheim-Roxheim, am Altrhein einen Tretbootverleih einzurichten, formiert sich Widerstand. Der Kreisverband des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat dem Bürgermeister einen Protestbrief geschrieben.
„Was wir anfangs für einen Scherz hielten, scheint bitterer Ernst zu werden.“ So beginnt Doris Stubenrauch, Vorsitzende des BUND im Rhein-Pfalz-Kreis, ihr Schreiben an Dorfchef Michael Müller (SPD). Anlass ist die im gemeindlichen Arbeitskreis Touristik geborene Idee, am Vorderen Roxheimer Altrhein einen Steg zu bauen und von dort aus maximal zehn Tretboote fahren zu lassen. Den Verleih von Mai bis Oktober könnte einer der Gastronomen dort übernehmen, so die Überlegung (wir berichteten am 6. Mai). Der Gemeinderat – mit Ausnahme von Klaus Graber (CDU), Ursula Reinhart (fraktionslos) und den Grünen – befürwortet das Projekt als wichtigen Schritt zur Belebung des Freizeit- und Erholungsangebots am Altrhein. Darüber können die Naturschützer in der Region nur den Kopf schütteln. Doris Stubenrauch weist darauf hin, dass der Altrhein ein Fauna-Flora-Habitat und Vogelschutzgebiet mit höchstem europäischem Schutzstatus sei. Dass sich dieses wichtige Brutgebiet für Wasservögel „so gut mit der nahen Siedlung, aber auch Nutzung entlang des Südufers verträgt, ist einem über weite Strecken ausgebildeten breiten, intensiv bewachsenen Ufergehölzstreifen geschuldet, der die freie Wasserfläche gegen die von Menschen genutzten Bereiche abtrennt“, schreibt Stubenrauch. Die dort lebenden sensiblen Vogelarten fühlten sich sicher, weil sie bei Störungen am Ufer jederzeit auf die freie Wasserfläche ausweichen können. „Durch einen Tretbootbetrieb würde dieses Fluchtareal seine Bedeutung verlieren“, und sensible Wasservogelarten würden vergrämt. „Weitere negative Wirkungen eines Tretbootbetriebs befürchten wir auch für das Wiederansiedlungsprojekt für die Europäische Sumpfschildkröte“, so die BUND-Kreisvorsitzende. Die Kritik des Verbands teilen laut Stubenrauch die Naturschutzverbände Nabu und Gnor sowie der Bobenheim-Roxheimer Verein für Naturschutz und Heimatpflege. Dessen Vorsitzender Ewald Marx bestätigt die in dem BUND-Schreiben erläuterte Sichtweise, dass ein Tretbootverleih das Naherholungsgebiet nur geringfügig, und dann eher für auswärtige Besucher aufwerten würde. Die Risiken und der Aufwand stünden in keinem gesunden Verhältnis zum Nutzen, meint Marx, der sich überdies ärgert, dass die Naturschützer von dem Vorhaben nur über die Presse erfahren hätten: „Ich hätte erwartet, dass der Arbeitskreis Touristik andere Meinungen einholt, bevor er mit so einer Idee an die Öffentlichkeit geht und an Genehmigungsbehörden herantritt.“ Vertreter des Wassersportvereins und des Angelclubs als Pächter des Altrheins hätten sich bei der jüngsten Zusammenkunft des Naturschutzvereins ebenfalls verärgert über die Tretbootidee gezeigt. Laut Marx hat es außerdem bei der Umweltradtour des CDU-Ortsverbands Bobenheim-Roxheim an Pfingsten Kritik von Bürgerseite gehagelt, als Beigeordneter Frank Peter und Arbeitskreissprecher Michael Remmele das Vorhaben erläutert hätten. Ewald Marx’ Eindruck ist, dass die Bobenheim-Roxheimer ihren Altrhein gerade wegen des Naturschutzes und der Ruhe so lieben. Deshalb kann er sich viel eher den Bau eines Aussichtsturms vorstellen, der diesen Aspekt des Gebiets, deren jüngste Neuzugänge die Rohrdommel und der Biber seien, unterstreiche. Bürgermeister Müller sagte auf RHEINPFALZ-Anfrage, er habe den Brief des BUND zur Kenntnis genommen und ans Bauamt sowie an den Ältestenrat weitergeleitet. Noch sei ja überhaupt nichts entschieden. Ein Ingenieurbüro mache derzeit lediglich die notwendigen Unterlagen für den Eintritt in ein wasserrechtliches Genehmigungsverfahren fertig, dazu gehöre ein Gutachten über die zu erwartenden Umweltauswirkungen. Müller deutet an, dass das Projekt ganz lapidar an der technischen Seite scheitern könnte, falls das Gewässer zu sehr von Pflanzen bewachsen sei. Ewald Marx hält das ebenfalls für möglich und spricht das mittlerweile starke Vorkommen von Algen an. „Die Natur fängt schon an, sich zu wehren“, meint er.