Rhein-Pfalz Kreis
Muss in den Kirchen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden?
Einerseits gibt es Nachrichten von Corona-Ausbrüchen nach Gottesdienstfeiern. Nicht nur in freikirchlichen Gemeinschaften, auch in der katholischen Kirche wie jüngst in Vorpommern. Andererseits erlaubt das Land nun Gottesdienstbesuchern, die Masken abzunehmen, sobald sie auf ihren Plätzen sitzen. Das Bistum Speyer schließt sich dieser Vorgabe an, verbietet aber den Gemeindegesang komplett. Gleichzeitig dürfen mehr Menschen an einem Gottesdienst teilnehmen. Wie passt das zusammen? Das haben wir die leitenden Pfarrer der Kreis-Pfarreien gefragt.
In der Pfarrei Heiliger Christophorus Waldsee hat sich der Pfarreirat die Entscheidung nicht leicht gemacht. Am liebsten hätte man eine Maskenpflicht bis nach dem Eingangslied und vor dem Schlusslied gehabt, um wenigstens – verhalten – zwei Lieder singen zu dürfen. Außerdem möchten die Priester die Gläubigen darum bitten die Masken auf den Plätzen aufzulassen, auch wenn es keine Pflicht mehr gibt. Das hat Dekan Frank Aschenberger am vergangenen Sonntag im Gottesdienst schon gemacht und dabei betont, dass es dabei nicht darum geht, sich selbst zu schützen, sondern die anderen Gottesdienstbesucher. Gerade in dieser schweren Zeit sei es wichtig, auch auf andere zu achten. Er und seine Messdiener gehen da mit gutem Beispiel voran: Sie tragen weiterhin einen Mund-Nasen-Schutz, auch wenn das von ihnen noch nie gefordert war. Das komplette Verbot des Gemeindegesangs bedauert er sehr. „Das ist ein hoher Preis, den wir da zahlen müssen.“
Zu erlaubten Momenten abnehmen
„Im Grunde hat man ja Erleichterung und Einschränkung miteinander verbunden“, sagt der Schifferstadter Pfarrer Georg Müller. Einen Pfarreiratsbeschluss über das weitere Vorgehen gibt es noch nicht, doch Müller geht davon aus, dass man sowohl die Erleichterung – also den Wegfall des Mund-Nasen-Schutzes – annehmen als auch das Verbot des Gemeindegesangs konsequent umsetzen werde.
Pfarrer Michael Hergl von der Pfarrei Heiliger Sebastian Dannstadt-Schauernheim wird darauf hinweisen, dass die Masken zu den erlaubten Momenten abgenommen werden dürfen. „Ich sage aber auch dazu, dass jede Person selbst entscheiden darf, ob sie das machen möchte oder nicht. Wer sich sicherer mit Maske fühlt, darf sie natürlich tragen.“ Für Musik sorge in Mutterstadt und Dannstadt ein Schola auf der Empore und er selbst. „Die Gemeinde darf leise mitsummen oder ganz leise mitsingen. Der Abstand zur Person vor einem muss dann laut Dienstanweisung aber drei Meter betragen.“
In der Pfarrei Heiliger Antonius von Padua Maxdorf ist laut Pfarrbüro geplant, die Dienstanweisung des Bistums genau umzusetzen. Sprich: nicht mehr singen, dafür aber keine Maskenpflicht auf den Plätzen. Einen Pfarreiratsbeschluss gibt es aber auch hier noch nicht. Die Pfarrei Heilige Klara von Assisi Haßloch hat auf die Anfrage nicht geantwortet.
Messdiener sollen selbst entscheiden
Pfarrer Josef Metzinger von der Pfarrei Heilige Hildegard von Bingen, zu der die Orte der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen gehören, und Dekan Jörg Rubeck von der Pfarrei Heiliger Paul Josef Nardini, zu der auch die Gemeinden Schwegenheim und Lingenfeld gehören, sehen es eher salomonisch: „Wer sich mit dem Schutz sicherer fühlt, mag ihn während der ganzen gottesdienstlichen Feier tragen, und derjenige, welcher sich von der Maske befreien möchte, soll dies ebenfalls tun dürfen“, sagt Rubeck. Auch die Messdiener sollen selbst entscheiden. „Die Gottesdienstbesucher werden darauf hingewiesen, dass sie am Platz die Masken abnehmen dürfen, aber auf dem Weg zum oder vom Platz sowie beim Kommuniongang die Masken tragen müssen. Allerdings steht es jedem frei, die Maske durchaus auch weiter zu tragen, wenn jemand Bedenken hat sie abzunehmen“, erklärt Metzinger.
Das Verbot des Gemeindegesangs bedauern beide Geistliche ebenso wie Aschenberger. „Es ist etwas anderes ,ein Lied von der Schola oder einem Solo zu hören oder selbst zu singen“, findet Rubek. Allerdings erfahre zurzeit die Orgel mit ihren vielen Klangfarben und Registriervariationen mehr Wertschätzung als sonst die Jahre über.