Rhein-Pfalz Kreis Mitschüler für die eigene Idee gewinnen
Lola stürmt aufgeregt zum Eingangstor des Gnadenhofs in Worms. Die kleine Mischlingshündin hat die Schüler der Rheinschule aus Bobenheim-Roxheim, die jetzt ausgelassen auf ihren Fahrrädern um die Ecke biegen, längst gehört. Die Freude ist groß. Bei den Kindern und der Hündin. Und natürlich bei Carry Lerch, der Inhaberin des Gnadenhofs. Sie ist dankbar für jede helfende Hand. Das Engagement der Drittklässler rührt sie ganz besonders. Die zwölf Schüler haben den Gnadenhof zum Projektthema auserkoren und packen an diesem Tag bereits zum zweiten Mal kräftig mit an. Sie misten Ställe aus, helfen beim Füttern und beim Putzen der Tiere. „Das ist eine super nette Truppe, und Arbeit gibt es hier immer genug“, sagt Carry Lerch, die sich auf ihrem Hof um rund 170 Tiere kümmert, zum Beispiel um Pferde, Schafe und Ziegen. Die meisten stammen aus schlechten Verhältnissen. Vorbesitzer haben sie vernachlässigt, oder sie wurden einfach abgeschoben, weil sie zu alt waren. Für Lerch ist der Gnadenhof eine Herzensangelegenheit, aber auch ein körperlicher und finanzieller Kraftakt. Die Drittklässler aus Bobenheim-Roxheim sind deshalb eine willkommene Unterstützung. Dabei macht der Arbeitseinsatz der Kinder nur einen kleinen Teil des Schulprojekts aus. „Seit letztem Herbst planen wir es gemeinsam“, berichtet Nicole Born, pädagogische Fachkraft der Rheinschule, die das Projekt gemeinsam mit ihrer Kollegin Martina Weber betreut. „Herausgekommen sind viele kleine, vielfältige Aktionen, die den Gnadenhof ganz unterschiedlich unterstützen.“ In den vergangenen Wochen haben die Schüler ein Modell vom Gnadenhof gebaut und es mit einer Spendenbox im Foyer der Grundschule aufgestellt. Außerdem wurden Muffins gebacken und in den Pausen verkauft. „Gut 500 Euro haben wir schon eingenommen“, sagt Born. Als nächstes steht der Bau eines Hasenstalls auf dem Plan. Er soll zusammen mit dem Geld bei einem großen Abschlussfest am 19. März überreicht werden. „Das Schöne an dem Projekt ist, dass die Kinder ganz viele Ideen selbst entwickelt haben. Das ist eine tolle Erfahrung für alle“, erläutert Nicole Born. Selbst das Oberthema Gnadenhof sei im Herbst, als die Projektarbeit beginnen sollte, nicht vorgegeben gewesen, sondern sei von den Kindern frei gewählt worden. Es gehörte viel mehr zur ersten Aufgabe, sich selbst Themen zu überlegen, sie vorzustellen und dann die anderen Mitschüler für die eigene Idee zu gewinnen. Die Liste an Vorschlägen war lang. Modellbau, Kochen oder ein Baumhaus bauen standen neben dem Gnadenhof noch zur Wahl. „Letztlich haben es die Kinder geschafft, fast alle ihre Ideen in dem Projekt unterzubringen“, zeigt sich Born begeistert. Nur die Baumhausanhänger mussten ein wenig zurückstecken und sich als Kompromiss auf den Bau eines Kaninchenstalls einlassen. Eine solche Projektgruppe für Drittklässler nach diesem Format gibt es in diesem Schuljahr zum ersten Mal an der Rheinschule. Die Hälfte der teilnehmenden Kinder besuchen den Ganztagszweig der Schule, die andere Hälfte besteht aus Halbtagskindern. Auch das ist ein Novum. „Wir haben einfach gesehen, dass der Wunsch da ist, dass Halbtags- und Ganztagskinder gemeinsam an einem Projekt arbeiten“, sagt Born. Ob im kommenden Schuljahr ein ähnliches Projekt angeboten wird, ist noch offen. Aber Nicole Born ist optimistisch: „Wir haben einen tollen Rektor, der solche Dinge immer unterstützt.“