Rhein-Pfalz Kreis Mit Pauken, Trompeten und jeder Menge Flöten
«Mutterstadt.» Das „Weihnachtliche Musizieren“ der Kreismusikschule und des Fußgönheimer Spielkreises in der evangelischen Kirche Mutterstadt hat dem Gotteshaus am Sonntagabend einen Rekordbesuch beschert. Dabei waren nicht nur Bänke und Emporen voll besetzt, auch in den Gängen und rund um den Altar tummelten sich Scharen von jungen Musikern, Eltern und weiteren Besuchern.
Da macht Pfarrer Heiko Schipper große Augen. Ein solches Gedränge würde er wohl gerne bei sonntäglichen Gottesdiensten erleben. In dem Gewusel von Kindern, Eltern, Freunden und Bekannten behält Bine Stoll den Überblick und die Ruhe. Die Musikpädagogin ist seit 37 Jahren an der Kreismusikschule tätig und leitet den Fachbereich Musikalische Früherziehung. Im Fußgönheimer Spielkreis versammelt sie rund 130 Kinder, die nun in einer fröhlichen Stunde traditionelle und internationale weihnachtliche Weisen erklingen lassen. Allein neun Ensembles vom Duo bis hin zum Kinderchor der Kleinsten – dem Chorus Piepsicus – treten vor großem Publikum auf. Erstaunlich, wie selbstbewusst und zielstrebig die Kleinen ihre Stücke vortragen. Sie bringen vom Kinderlied bis hin zu einem zackigen, in forschem Tempo einherschreitenden Weihnachtstango ein weites Spektrum an Musikbeiträgen zu Gehör. Den Auftakt macht allerdings das große Orchester, das gut 100 Musiker rund um den Altar vereint. Dirigentin Bine Stoll steigt auf ihr Podestchen und reckt die Arme gen Himmel. Das Zeichen für alle, zur Ruhe und Konzentration zu kommen. Dann der Einsatz. Stoll dirigiert nicht mit dem Stab, ihr reicht der Zeigefinger, wenn nötig die ganze Hand, um ihre Botschaft an die Musikerschar heranzutragen. In monumentalem Klang setzt das Orchester ein. Ein festlicher Marsch von Georg Friedrich Händel und darauf das prächtige „Tochter Zion“. Mit Pauken und Trompeten, aber auch zarten Streicherklängen und jeder Menge Flöten erklingt die schöne vorweihnachtliche Weise. So in Stimmung gebracht, wird das erste gemeinsame Lied angestimmt. „Macht hoch die Tür“ ist das Adventslied schlechthin. Ein Textblatt bietet jedem genug Sicherheit, um aus voller Brust mit einzustimmen. Zusammen mit dem fulminanten Orchesterklang ist das ein tolles Gemeinschafterlebnis. Nun schlägt die Stunde der kleinen Ensembles. Sie können sich nicht in der Masse verstecken und stehen tapfer im hinteren Teil des Gotteshauses, umlagert vom erwartungsfrohen Publikum. Von ganz vorne agieren dann die Kleinsten, eine Flötengruppe mit „Backe, Backe, Kuchen“ und „Weihnachtsmann“ und dann der Kinderchor Chorus Piepsicus mit „Kling Glöckchen“ und einem originellen Song über die Weihnachtbräuche der Tiere. Da kommen Frösche, Katzen, Elefanten, Ferkel und Fische zu Wort und singen sich in Weihnachtsstimmung. Einen großen Auftritt liefert auch Frauke Domgörgen, die ganz alleine mit ihrer Ukulele sich begleitend „Have yourself a merry little christmas“ anstimmt. Ein anrührender und emotionaler Moment, der ihr donnernden Applaus beschert. So auf moderne Klänge eingestellt, erlebt das Publikum nun eine Melodienfolge populärer zeitgenössischer Weihnachtsweisen, die das Orchester in beschwingtem Sound zum Besten gibt. Nach dem gemeinsamen Lied „Oh du fröhliche“ und Leopold Mozarts „Schlittenfahrt“ ist noch mal das Publikum gefragt. Die Musiker bitten um Spenden zugunsten des Kinderheims und Waisenhauses in Radviliskis (Litauen) sowie für „Bines Suppenküche“, die dort mehr als 300 Kindern täglich eine warme Mahlzeit bietet. Landrat Clemens Körner (CDU) geht mit leuchtendem Beispiel voran und übergibt eine Spende von 2000 Euro. Hinzu kommen laut Kreisverwaltung weitere Spenden, etwa 1000 Euro von der Firma Ladwig.