Rhein-Pfalz Kreis Meist nur noch ein Junges im Nest
Wer Störche bei der Aufzucht ihrer Jungen beobachten möchte, kann das auf der Internetseite des Bobenheim-Roxheimer Vogelparks tun. Denn der Verein für Vogelschutz und Vogelliebhaber hat eine Webcam installiert, die ein Storchennest rund um die Uhr im Blick hat.
Für den Vereinsvorsitzenden Rainer Berenz ist der Internetauftritt des Vogelparks durch die „Storchen-LiveCam“, wie der Verein das Angebot nennt, noch attraktiver geworden. Interessant sei das Beobachten der Storchenaufzucht allemal, meint Berenz. Allerdings: Die Kamera ist relativ weit weg vom Nest angebracht. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ berichtet Berenz von einem traurigen Vorfall: Vor wenigen Tagen sei einer der beiden Elternvögel am Rande des Parks tot aufgefunden worden. Die Ursache ist noch ungeklärt. „Wir haben den toten Storch am Sonntag zum Untersuchungsamt nach Karlsruhe gebracht“, sagt Berenz. Dort soll festgestellt werden, warum der Vogel verendet ist. „Es dauert aber einige Tage, bis uns das Ergebnis zugestellt wird“, so Berenz. Der Tod des Altvogels hat natürlich Folgen für die Aufzucht im Webcam-Nest. „Es ist immer so, dass ein Elternteil bei den Jungen im Nest bleibt und der andere das Futter besorgt“, erklärt Rainer Berenz. „Der verbliebene Altvogel sitzt nun im Nest und wartet auf seinen Partner, der aber nicht mehr kommt.“ Die ehrenamtlichen Helfer im Vogelpark haben diesen Part nun übernommen und legen Futter – meist Eintagsküken – in der Nähe des Nests aus. Erfreulicherweise habe der Storch dieses Angebot sofort angenommen, berichtet der Vereinsvorsitzende: „Er kommt aus dem Nest und holt sich das Futter, um sein Junges zu versorgen.“ In dem Nest gibt es dieses Jahr erneut nur einen Babystorch. Das sei nicht ungewöhnlich, sagt Berenz. Im vergangenen Jahr habe man festgestellt, dass durchschnittlich nur ein Jungvogel pro Nest durchkommt. „Wir haben eine Bestandsaufnahme gemacht. Derzeit gibt es in Bobenheim-Roxheim 21 Nester und 27 Jungvögel.“ Die Gründe für den Rückgang seien vielfältig, doch naheliegend sei als Hauptursache das begrenzte Nahrungsangebot. Durch die intensive Landwirtschaft rund um Bobenheim-Roxheim gebe es nur noch wenige natürliche Futtergebiete, Feuchtwiesen seien kaum noch vorhanden, die Landschaft sei weitestgehend ausgeräumt. Die Folge: Die Störche müssen bei der Futtersuche weite Wege zurücklegen. So habe sich jüngst ein Bobenheim-Roxheimer Storch im Norden von Worms – also sieben bis acht Kilometer vom Vogelpark entfernt – in einem Plastikteil verfangen und sei verendet. Da fast alle Störche beringt und registriert sind, lässt sich deren Herkunft leicht feststellen. Kunststoffteile finden sich auch immer häufiger und mehr in den Nestern. Rainer Berenz glaubt, dass das bisher sehr erfolgreiche Projekt der Wiederansiedlung des Weißstorchs an seine Grenzen stößt. Denn die Tieren könnten nur so viele Jungtiere aufziehen, wie Futter für sie verfügbar ist. Zudem verendeten Vögel aufgrund der Umwelteinflüsse oder weil sie sich an Kabelmasten verfingen. Der Hobbyornithologe sieht das Projekt dennoch positiv. Wenn auch dieses Jahr wieder 21 Jungstörche durchkämen, sei das eine gute Anzahl, die für die Bestandserhaltung hilfreich sei. Die Störche seien zudem eine Bereicherung für Bobenheim-Roxheim. Kontakt Livebilder vom Storchennest gibt’s im Internet unter der Adresse www.vogelpark-bobenheim-roxheim.de