Rhein-Pfalz Kreis Mehr Bahn im Kreis?
Eine Straßenbahnverbindung nach Neuhofen – das ist keine neue Idee. Aber der Gedanke erhält gerade neue Impulse. Landrat Clemens Körner (CDU) nimmt Berlin ernst: Bundesmittel für den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs werden derzeit erheblich erhöht. Und warum sollten mit dem Geld nicht auch Gleise im Rhein-Pfalz-Kreis verlegt werden?
«Altrip.» Die neuen alten Straßenbahnpläne öffentlich gemacht, hat am Donnerstagabend Bürgermeister Otto Reiland (CDU) im Hauptausschuss der Verbandsgemeinde Rheinauen. Der Tagesordnungspunkt Nahverkehrsplan des Rhein-Pfalz-Kreises hat sich regelrecht dazu angeboten, darüber zu reden, ob nicht doch endlich mal Gleise von Rheingönheim nach Neuhofen verlegt werden könnten. Eine Trasse dafür wird schon seit Jahren freigehalten. Sie müsste nur noch bebaut werden. Damit die Idee kein Hirngespinst bleibt, hat der Landrat seine Fühler ausgestreckt. Er bestätigt Reilands Darstellung und berichtet, dass er erste Gespräche mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) geführt und positive Signale erhalten habe. Nicht nur für eine Anbindung Neuhofens. Denn wenn der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs schon gefördert werden soll – die vom Bund bereitgestellten Mittel (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz) sollen Körner zufolge bis 2021 jährlich auf eine Milliarde Euro steigen – kann auch gleich noch in andere Richtungen gedacht werden. „Wenn es regnet, muss man den Löffel raushalten.“ Der Landrat bringt es in seinen Worten auf den Punkt.
Machbarkeitsstudie kostet 50.000 Euro
Gartenstadt– Maudach – Mutterstadt. Auch das ist eine Verbindung, über die Verkehrsbetriebe und Kreisverwaltung nachdenken. Die genannten Gemeinden dürften nichts dagegen haben. Denken kostet nichts. Wohl aber eine Machbarkeitsstudie. Experten, die prüfen, ob die Idee gut ist. Die ausrechnen, was es kostet, Gleise zu verlegen und eine Bahn darauf zu bewegen. Die testen, ob eine neue Verbindung in den Fahrplan eingetaktet werden kann. Die beziffern, wie viele Menschen überhaupt von einer neuen Linie profitieren. „So eine Studie wird um die 50.000 Euro kosten“, sagt Körner. Der nächste Schritt werde sein, auszuloten, wer mitbezahlt. Der Kreis sei bereit, Geld dafür auszugeben. Wichtig ist Körner dann aber, dass in einem möglichst großen Radius geprüft wird. „Als Landrat kann ich zum Beispiel nicht nur Rheingönheim-Neuhofen im Blick haben, sondern muss auch fragen, ob die Bahn bis nach Waldsee gehen kann.“ Von Verantwortlichen des VRN hat Körner ebenfalls schon signalisiert bekommen, dass der Verkehrsverbund prüfe, was er für die Expertise beisteuern kann. „Jetzt muss die Sache noch mit den betroffenen Gemeinden verhandelt werden“, meint Körner. Orte, die von einem Straßenbahnanschluss profitieren könnten, sollten sich auch an der Studie beteiligen. Prüfen kostet. Das Risiko: Die Machbarkeitsstudie kann zu dem Schluss kommen, dass es sich nicht lohnt, Straßenbahnlinien in den Kreis hinein zu verlegen. „Wir füllen ja alten Wein in neue Schläuche“, sagt Körner. Und erinnert daran, dass es schon Bahnverbindungen im Kreis gab. „Ich sage nur: Feuriger Elias. Die Vorvorvorfahren haben ihn fahren lassen. Die Vorvorfahren wieder abgeschafft. Jetzt wollen wir vielleicht wieder eine Bahn haben.“ Das müsse gut geprüft werden.Studie
Weitere Gemeinden willkommen
Neuhofens Ortsbürgermeister Ralf Marohn (FDP) bleibt trotzdem der Sache gegenüber aufgeschlossen. „Mit ihm und mit Otto Reiland habe ich gerade gesprochen“, berichtet Körner gestern. Verblieben seien die drei so, dass Körner nach Pfingsten alle Gesprächspartner an einen Tisch holt, um über die Studie und ihren Umfang zu reden. Der Landrat ist zuversichtlich, dass auch die Ortschefs weiterer Gemeinden Teil der Runde werden, Mutterstadts Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) etwa. Wird die RNV mit der Studie beauftragt, ist sie möglicherweise bereits Ende des Jahres oder Anfang 2019 fertig, schätzt Körner. Dann werde man mit dem ganzen Paket nach Berlin und Mainz fahren. „85 Prozent des Ausbaus könnten tatsächlich von Bund und Land bezahlt werden.“ Wenn es denn auf den Löffel des Rhein-Pfalz-Kreises regnet.