Rhein-Pfalz Kreis Mehr als nur barrierefrei

Reservierte Parkplätze sollen Behinderten das Leben leichter machen. Ob sie an den richtigen Stellen eingezeichnet sind, kann in
Reservierte Parkplätze sollen Behinderten das Leben leichter machen. Ob sie an den richtigen Stellen eingezeichnet sind, kann in Bobenheim-Roxheim beim Aktionsplan überprüft werden.

Die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung verbessern: Das möchte die Gemeinde Bobenheim-Roxheim mit Hilfe eines Aktionsplans Inklusion und lud am Dienstagabend zu einer Informationsveranstaltung ein. Im Kurpfalztreff erfuhren 16 Teilnehmer Einzelheiten über das Vorgehen. Gewünscht wurden zudem mehr Sportangebote für Senioren.

Zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wurde im Oktober vergangenen Jahres vom Gemeinderat Bobenheim-Roxheim die Erarbeitung eines Aktionsplans Inklusion beschlossen. Es geht dabei um Einbeziehung und Dazugehörigkeit: Inklusion bedeutet nichts anderes, als dass jeder Mensch ganz natürlich am öffentlichen Leben teilhaben kann. In die konkrete Ausarbeitung des Plans sollen nun die Bürger Bobenheim-Roxheims einbezogen werden, und dabei hoffe man auf eine möglichst breite Unterstützung, sagte Bürgermeister Michael Müller (SPD). Am 24. Mai wird im Rathaus das erste Mal ein Arbeitskreis zusammentreten, der offen ist für alle Interessierte. Koordiniert wird dieser Kreis von Helmut Bauer: Der studierte Sozialarbeiter hat sich mit seiner Firma Inclusia selbstständig gemacht und ist als renommierter Inklusionsberater tätig. Er verfügt über langjährige Erfahrungen in der Eingliederungshilfe und hat bereits vor zwei Jahren die Stadt Worms bei der Erarbeitung eines Aktionsplans Inklusion unterstützt. „Es wird im Rathaus kein Expertenkreis hinter verschlossenen Türen tagen: Jeder kann mitmachen“, versicherte Bauer. Auch der Behindertenbeauftragte Bobenheim-Roxheims, Holger Voll, wird beteiligt sein und dient als Ansprechpartner. „Wir wollen wissen, welche Bedürfnisse bei uns vor Ort existieren und wie wir den Menschen mit Behinderung das Leben angenehmer machen können“, erläuterte Voll am Dienstagabend. Mit Hilfe von Fragebögen will man zunächst herausfinden, wie die aktuellen Gegebenheiten sind. Zum einen wird die Situation bei Firmen, Vereinen oder sozialen und öffentlichen Einrichtungen abgefragt. Zum anderen werden auch den Bürgern Fragebögen zur Verfügung gestellt. Nach Aussage von Bürgermeister Michael Müller liegen letztere ab Anfang Mai im Rathaus aus, können angefordert oder auf der Internetseite der Gemeinde heruntergeladen werden. Die Auswertung der Fragebögen übernehme der externe Inklusionsberater, der hofft, dass einige Rückläufe bereits zum ersten Treffen des Arbeitskreises eingetroffen sind, sagte Helmut Bauer. Schon bis Ende des Jahres könnte ein Entwurf vorliegen, der zur Diskussion an die Gremien der Gemeinde weitergeleitet werde. Bauer hat selbst schon Punkte im Ort gefunden, die verbessert werden können: Bei einem Besuch am Silbersee sei ihm aufgefallen, dass es in vorbildlicher Weise zwar Behindertenparkplätze gebe, dass diese jedoch auf der falschen, nämlich der linken Seite des Parkplatzes eingerichtet seien. Dort würden sich Rollstuhlfahrer lediglich vor einem Drehkreuz wiederfinden, während der für sie notwendige barrierefreie Zugang zum See auf der rechten Seite liege. Seine Schlussfolgerung: Das Schild zur Markierung behindertengerechter Parkplätze einfach auf der anderen Parkplatzseite anbringen und Rollstuhlfahrern das Leben so ein wenig leichter machen. Dass Inklusion mehr bedeutet als nur Barrierefreiheit, darauf wies bei der Informationsveranstaltung eine ältere Dame hin. Für Menschen über 75 Jahre gäbe es in Bobenheim-Roxheim kaum Sportangebote, beklagte sich die Seniorin. Auch dies sei ein klarer Fall für eine Anmerkung in den Fragebögen, erwiderte Helmut Bauer. Man sei sogar angewiesen auf solche Rückmeldungen, um Prioritäten zu setzen und Verbesserungsmöglichkeiten ableiten zu können. „Mit unserem Vorgehen wollen wir wirklich allen Bürgern die Möglichkeit geben, aktiv zu werden. Und wir wollen die unterschiedlichsten Institutionen in Bobenheim-Roxheim mit einbinden“, betonte Holger Voll zum Abschluss. Das Ausarbeiten des Plans verstehe man als „einen Prozess, der atmen soll“.

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