Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Mann wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

Der Protzess fand vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts in Frankenthal statt.
Der Protzess fand vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts in Frankenthal statt.

Weil er von 2000 bis 2008 Kinder aus dem familiären Umfeld missbraucht hat, ist ein über 80-Jähriger aus dem Rhein-Pfalz-Kreis vom Schöffengericht des Amtsgerichts Frankenthal zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe wurde auf Bewährung ausgesprochen. Der Mann muss seinen Opfern jeweils 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Vor Gericht gestand er alle Taten.

Vorwiegend in den Ferien hatten die Kinder bei dem Angeklagten übernachtet. Ab dem Jahr 2000, „wahrscheinlich schon früher“, kam es nach Überzeugung von Staatsanwältin Anne Wolf immer wieder zu Übergriffen an den damals Acht- bis 14-jährigen. Wegen ihrer Vielzahl könnten sich weder Opfer noch Angeklagte an jeden einzelnen der Vorfälle erinnern, stellte sie fest. Eins der Kinder habe bei der Polizei ein Einschlafritual geschildert, das in Form einer Rückenmassage begonnen und zu Berührungen im Genitalbereich geführt habe.

Zu einem anderen Kind soll sich der heute Hochbetagte in den Morgenstunden gelegt und sie intim gestreichelt haben, sagte eine als Zeugin geladene Kriminalkommissarin aus. „Der Tatverdacht hat sich bei den zahlreichen Vernehmungen erhärtet“, schilderte sie weiter. Sie habe den Eindruck, dass einige der Betroffenen durch Gespräche in den Familien inzwischen gelernt haben, damit umzugehen. Bei anderen wiederum sei das Geschehene nicht aufgearbeitet, weshalb diese auch nicht als Zeugen auftreten wollten.

Mit gesenktem Blick hörte der Mann den gegen ihn erhobenen Vorwürfen zu. Als eines der Opfer sich seiner Mutter anvertraut habe, „fing ich an, zu verstehen, was ich den Kindern angetan habe“, sagte der Angeklagte zu Richter André Bohlander. „Sofort habe ich damit aufgehört. Ich habe das Gespräch mit den Kindern gesucht, um mich zu entschuldigen, aber das hat es noch schlimmer gemacht“, bedauerte er. Auch ein Brief, den er 2014 schrieb, brachte nicht die erhoffte Vergebung. Er habe sich seiner Frau und einem Seelsorger anvertraut und Fachbücher gekauft, um zu verstehen, was seine Handlungen für die Kinder bedeuteten.

Die strafrechtliche Aufarbeitung kam erst 2012 ins Rollen, als eines der betroffenen Kinder nach E-Mail-Kontakten mit dem Angeklagten einen Zusammenbruch erlitt. „Ich habe viel Unheil angerichtet und ich weiß, dass niemand etwas davon erfunden hat. Aber ich hoffe, dass mir irgendwann vergeben wird“, sagte der Mann. Er bereue das Geschehene zutiefst.

Staatsanwältin Wolf forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung sowie Schmerzensgeld in Höhe von jeweils 1000 Euro an jedes der Opfer. Diesen Forderungen folgte Richter Bohlander, weil die Taten bereits bis zu 20 Jahre zurücklägen und der Angeklagte seither nicht mehr auffällig geworden sei. „Er ist bisher noch nie straffällig gewesen, zudem war er von Anfang an voll geständig und hat somit den Geschädigten eine Aussage vor Gericht erspart“, meinte der Richter. Peter Dück, Anwalt des Angeklagten, sagte: „Mein Mandant wollte keine Verteidigung, er nimmt Schuld und Strafe an.“

x