VG RHEINAUEN RHEINPFALZ Plus Artikel Müllsünder: Appell an die Vernunft fruchtet nicht

Kommen kaum noch nach mit dem Leeren der Mülleimer: Bauhofmitarbeiter Herbert Chilcott (links) und Sven Hosenmann bei der Arbeit
Kommen kaum noch nach mit dem Leeren der Mülleimer: Bauhofmitarbeiter Herbert Chilcott (links) und Sven Hosenmann bei der Arbeit am Schwanenplatz in Waldsee.

Die Verwaltung der Verbandsgemeinde Rheinauen beklagt, dass immer mehr Abfall in und neben öffentlichen Mülleimern entsorgt wird, der dort nicht hingehört – wie zum Beispiel Hausmüll. Wie groß ist das Problem? Die RHEINPFALZ war mit zwei Mitarbeitern des Bauhofs in Waldsee unterwegs und hat mit dem Ordnungsamt gesprochen.

Freitagmorgens in Waldsee: Die Mitarbeiter des Bauhofs leeren gerade die öffentlichen Abfalleimer. Zweimal die Woche haben sie das in der Vergangenheit gemacht. Das reicht längst nicht mehr. „Momentan könnten wir täglich losziehen“, sagt Bauhofleiter Sven Hosenmann. Denn in den Abfalleimern wird zunehmend Hausmüll entsorgt. Und das ist nicht nur in Waldsee, sondern in der ganzen Verbandsgemeinde Rheinauen so.

„Die Menschen werfen nicht nur Hausmüll in öffentliche Mülleimer, sondern stellen ihn auch in Tüten und Kartons davor. Auch Sperrmüll wird abgelagert“, berichtet Thomas Hauser, der Leiter des Ordnungsamts der Verbandsgemeinde Rheinauen. Der Hotspot schlechthin sei der Wanderparkplatz an der Ortseinfahrt Altrip von Waldsee kommend. Extrem viel Müll findet der Bauhof auch immer wieder am Parkplatz in Richtung der Gaststätte Rheinblick. Besonders schlimm sei es seit dem Lockdown.

Aber auch in der Ortschaft ist es wenig appetitlich. Sven Hosenmann und sein Mitarbeiter Herbert Chilcott fahren die Bushaltestellen ab. An der Sparkasse hat ein Kollege am Vortag schon außerplanmäßig Müll aufgesammelt, da habe es schlimm ausgesehen, so Hosenmann. Übel sieht es immer noch auf dem Schwanenplatz aus: Die Mülleimer quellen über vor lauter Eisbechern. Auf dem Boden liegen weitere Becher, leere Pizza-Kartons, Taschentücher, Plastikfetzen und Glasscherben mitten auf dem Gehweg. Chilcott ärgert sich. „Wir haben extra zusätzliche Müllsäcke aufgestellt“, sagt er – und nach einem Blick hinein: „Die sind fast leer.“

Tütenweise Müll entsorgt

Eisbecher seien schon okay an dem Platz in der Nähe der Eisdiele, Pizzakartons auch, aber bitte in die Müllsäcke damit, finden die Bauhofmitarbeiter, die schnell noch die Glasscherben zusammenkehren. Nicht okay ist das, was im Abfalleimer an der Bushaltestelle beim neuen Rathaus entsorgt wird: eine Tüte Hausmüll im Eimer, ein Sack Kartoffeln davor auf dem Boden. „Das ist heute noch wenig“, sagt Hosenmann. Gerade nach dem Wochenende wird hier tütenweise Hausmüll entsorgt. An der nächsten Bushaltestelle findet er fast immer leere Flaschen: drei Flaschen Wein, eine Flasche Korn, jedes Mal. Auch die Hundetoiletten werden zweckentfremdet. Die Bauhofmitarbeiter haben die Öffnung zwar verkleinert, aber die Leute stopften rein, was nur geht, so dass die Hundekotbeutel nicht mehr eingeworfen werden könnten.

„Eigentlich kann man nur an die Vernunft der Bürger appellieren, jeder hat doch eine Mülltonne zu Hause“, sagt Sven Hosenmann. Und wenn die voll ist, gibt es immer noch Zusatz-Abfallsäcke zu kaufen. Wenn die Bauhofmitarbeiter jemanden erwischen, sprechen sie ihn an. „Meistens ist das den Leuten egal, die sind nicht frech, aber das geht einfach zum einen Ohr rein, zum anderen raus.“

Sollte es aber nicht, denn die Entsorgung von Hausmüll in öffentlichen Mülleimern ist illegal, erklärt Thomas Hauser. Entsorgt werden darf nur Müll, der unterwegs anfällt, zum Beispiel Getränkeverpackungen und Butterbrotpapier von der Brotzeit unterwegs oder die Packung der Pizza zum Mitnehmen. Alles andere kann ein Bußgeldverfahren nach sich ziehen. Nach dem Bußgeldkatalog Umweltschutz können laut Kreisverwaltung für illegal abgelagerte Hausabfälle Geldbußen zwischen 25 und 500 Euro festgesetzt werden. Wer Sperrmüll irgendwo einfach abstellt, muss sogar bis zu 2500 Euro zahlen.

Hauser bittet Menschen, die illegale Müllentsorgung beobachten, sich umgehend beim Ordnungsamt zu melden, möglichst mit genauen Angaben. „Auch wenn die Erfolgsaussichten, die Verursacher zu finden, gering sind, werden wir der Sache in jedem Fall nachgehen. Manchmal sind auch Dinge im Müll enthalten, die Rückschlüsse zulassen.“

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