Rhein-Pfalz Kreis Lust auf kommunale Verantwortung

GROSSNIEDESHEIM. Vor drei Jahren ist Klaus Hug quasi aus dem Nichts aufgetaucht und hat für die Landesvereinigung Freie Wähler für den rheinland-pfälzischen Landtag kandidiert. Damals bekam er als Direktkandidat im Wahlkreis Frankenthal gerade mal 2,9 Prozent der Wählerstimmen, obwohl die Freien Wähler in der Region eine starke politische Kraft sind. Doch viele von ihnen fanden es nicht gut, dass die Idee von lokalen Wählergemeinschaften auf die Landesebene gehievt werden sollte. Abgeschreckt oder niedergeschlagen hat das Klaus Hug nicht. Im Gegenteil: Bei den Kommunalwahlen im Mai mischt er vom Ortsgemeinderat Großniedesheim bis zum Bezirkstag auf vier Listen mit und will überdies Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim werden. Im Alter von 48 und nach 20 Berufsjahren als Projektleiter bei einem international tätigen Software-Entwickler sei es eine gute Zeit, noch einmal etwas anderes zu wagen, sagt Klaus Hug. „Bürgermeister ist ein spannender und vielseitiger Beruf.“ Und für den fühlt er sich geeignet, weil er seine erste Ausbildung als Vermessungstechniker bei einer Behörde absolviert hat, weil er in seinem Beruf als Informatiker Führungsverantwortung trägt und weil er seit 2008 in der Kommunalpolitik aktiv ist, auch wenn er außer im Großniedesheimer Ausschuss für Soziales, Sport und Kultur in keinem Entscheidungsgremium sitzt. Zur FWG kam Klaus Hug fünf Jahre nachdem er mit seiner zweiten Frau Simone und deren Tochter nach Großniedesheim gezogen war. Gespräche beim FWG-Grillfest kurz vor der Gemeinderatswahl 2009 führten zur Unterstützung beim Herstellen von Wahlwerbung und das wiederum führte zum Eintritt in eine politische Gruppe, die er aus seiner Heimat in Triberg (Schwarzwald) kannte, wo sein Vater bei der FWG aktiv war. „Sich frei seine Meinung bilden zu können, ohne Parteivorgaben aus Land oder Bund“, das schätzt der Kandidat, der keiner Religionsgemeinschaft angehört, an den Freien Wählern. Dennoch, so meint er, „sollten sie auch auf Landesebene ein Sprachrohr haben, da wo Gesetze gemacht werden“. Nun ja, das hat 2011 nicht geklappt, und jetzt ist Bürgermeisterwahlkampf. Mit welchen Argumenten will er die Wähler überzeugen, ihm ihre Stimmen zu geben? „Ich will Ideen in den Verbandsgemeinderat einbringen und dafür Mitstreiter suchen, meine Führungsqualitäten als Chef der Verwaltung einsetzen und vor allem Bindeglied zwischen Rathaus und Bürger sein“, sagt Klaus Hug. „Schließlich wird ja ein Bürgermeister und kein Verwaltungsmeister gesucht.“ Der Bürgerservice müsse verbessert werden, beispielsweise mit Online-Formularen oder Kommunikationsplattformen im Internet. Was ihm gar nicht gefällt, so erzählt er auch in einem Video auf seiner Homepage, ist der nicht vorhandene Empfangstresen im Lambsheimer Rathaus. Da war er kürzlich zum ersten Mal, als er seine Bürgermeister-Bewerbung abgegeben hat. „Einmal pro Woche schon um 7 Uhr öffnen“, wäre auch nötig, meint Hug mit Hinweis auf seine berufliche Herkunft aus dem Dienstleistungssektor, der ihm „einen völlig anderen Blickwinkel“ als einem schon in der Verwaltung verhafteten Kandidaten beschere. Ansonsten nennt der zurückhaltend wirkende 48-Jährige so ziemlich dieselben, aus den typischen Aufgaben einer Verbandsgemeinde abgeleiteten Ziele wie seine beiden Mitbewerber. Auf Nachfrage konkret wird Hug unter anderem bei der offenen Jugendarbeit. Da könnte er sich vorstellen, dass schlecht besuchte örtliche Jugendtreffs ihre Öffnungszeiten reduzieren, und die gesparten Betreuerstunden in den Ausbau der Ferienfreizeiten auf VG-Ebene investiert werden. Dass die beiden Fusionspartner (Lambsheim und VG Heßheim) harmonisch zusammenwachsen, dazu könnte laut Hug zum Beispiel eine stärkere Zusammenarbeit der Vereine beitragen. Zunächst einmal geht es für den gebürtigen Triberger mit dem großen Ziel aber darum, in der Region bekannter zu werden. In Großniedesheim kenne man ihn schon gut, sagt er, ebenso in Heuchelheim, wo er beim Karnevalverein Strunzer (ein Familienhobby) dem Elferrat angehört. Rückenwind geben ihm seine nachbarschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen. Die pflegt er am liebsten bei Aktivitäten auf der Terrasse, vornehmlich beim Grillen, seiner großen Leidenschaft. Die zwischenmenschlichen Kontakte sind es auch, die ihn sagen lassen: „Hier in Großniedesheim und in der Pfalz fühle ich mich rundum wohl.“ Noch ein wenig Übung braucht er nach eigener Aussage darin, sein neues Lebensmotto zu erfüllen: „Wo ich bin, will ich sein“ – im Sinne vom Leben im Hier und Jetzt und der Erkenntnis, dass man nur eins nach dem anderen machen kann.

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