Rhein-Pfalz Kreis
Leute im Landkreis: Von einem, der Barrieren abbaut
Als er das erste Mal gefragt wurde, hat er darüber nachgedacht. Beim zweiten Mal hat Klaus Günter Hört sofort Ja gesagt. Der Waldseer ist gerne Behindertenbeauftragter in der Verbandsgemeinde Rheinauen. Er kann Menschen helfen, die Schicksalsschläge erlebt haben.
Als er vor drei Jahren gefragt wurde, ob er Behindertenbeauftragter der Verbandsgemeinde Rheinauen werden möchte, hatte sich Klaus Günter Hört die Entscheidung nicht leicht gemacht. „Ich hatte ja überhaupt keine Ahnung von der Materie“. Doch längst ist der Waldseer mit viel Fachwissen und vor allem mit Herzblut bei der Sache – und deshalb war es für ihn im Oktober gar keine Frage, dass er weitermacht und in die zweite Amtszeit geht.
Den Sprung ins kalte Wasser gewagt
Es waren Erinnerungen an Personen und Begebenheiten, die Hört bewogen, sich um die Belange von Behinderten zu kümmern. Da war der Motorradfahrer, der nach einem Unfall, bei dem er einen Arm und ein Bein verloren hat, mit Prothesen und umgebautem Motorrad wieder auf Tour gegangen ist. Oder die Frau im Rollstuhl, die er auf einer Keniareise kennengelernt hat und die ihm versicherte, dass sie dank Hilfsmittel und hilfsbereiter Menschen Abenteuer-Urlaube machen könne. Da war aber auch die behinderte Frau, die resignierte und nie an Prothesen dachte. Für Hört war klar: Er wollte sich dafür einsetzen, dass Menschen mit Behinderung ein möglichst normales Leben führen können. Und er begann sich einzulesen, Seite für Seite, Ordner für Ordner. Er begann sich zu informieren, wo und welche Hilfe es gibt. „Am Anfang hab’ ich ja noch nicht mal gewusst, was sich hinter den ganzen Abkürzungen verbirgt“, erzählt er. Schließlich beschloss er, dass es Zeit sei für den Sprung ins kalte Wasser.
Mit offenen Augen Barrieren auf der Spur
Stolz berichtet er von Behindertenparkplätzen, die für schwerbehinderte Menschen vor ihrem Haus geschaffen wurden. Er geht mit offenen Augen durch die Orte der Verbandsgemeinde und hat einen Blick dafür, welche Barrieren behinderten Menschen das Leben unnötig schwer machen. Natürlich wird er auch von Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen angesprochen, die solche Missstände anprangern. „Wenn es nur einer behinderten Person dienlich ist, muss die Barriere fallen. Dafür muss ich mich als Behindertenbeauftragter einsetzen“, sagt Hört voller Überzeugung, wohl wissend, dass dabei auch abgewogen werden müsse, ob durch den Wegfall der Barriere andere Personen gefährdet werden. „Nicht dass ich dann als Folge zusätzliche Behinderte zu betreuen habe“, sagt er.
Leicht sei es nicht immer, behinderten Menschen die Hilfe zu verschaffen, die sie benötigen. Dazu brauche er schon sehr viel Beharrlichkeit und ein dickes Fell. „Manchmal fährt man mir schon übers Maul“, sagt er offen. Klaus Günter Hört hat aber auch gelernt, dass er nicht allen Menschen helfen kann. Viele hätten gerne die Berechtigung, auf Behinderten-Parkplätzen zu parken, erzählt er. Da gebe es aber sehr strenge Vorschriften.
Sicht auf das eigene Leben verändert
Oft geht es aber gar nicht um konkrete Hilfe. Immer wieder bekommt Hört Anrufe von Menschen, die einsam sind, niemanden mehr haben und sich einfach nur unterhalten möchten. „Dann höre ich zu. Ich rede zwar viel, aber ich kann auch gut zuhören“, sagt er. Manchmal stundenlang. „Und ich bekomme auch sehr viel zurück“, sagt er und erinnert sich an Gespräche mit todkranken Menschen, die seine Sicht auf das Leben verändert haben.
Beruflich hatte Hört überhaupt nichts zu tun mit dem Thema Behinderung. Er war Stereotypist bei der RHEINPFALZ, hat dafür gesorgt, dass Bilder auf Druckplatten kommen. „Den Beruf gibt es längst nicht mehr“, erzählt er. Viele Umstellungen und viel Dazulernen hat es in seiner beruflichen Laufbahn gegeben. Unter anderem hat Hört das Scan-Studio der RHEINPFALZ mit aufgebaut und war technischer Redakteur im Sonntagsdienst in der Sportredaktion. Nebenbei war er als freiberuflicher Fotograf selbstständig.
Noch heute filmt und fotografiert Klaus Günter Hört sehr gerne und hat kürzlich einen Film über seinen Heimatort Waldsee gedreht. Motorradfahren ist eine weitere Leidenschaft. Mit seiner Ehefrau Brigitte verreist er gerne. Lieblingsziele für die beiden sind die Seychellen und Ostafrika, aber auch Wohnmobilfahrten durch Deutschland und Europa. Wenn ihm die Zeit bleibt, liest Klaus Günter Hört, und abends, wenn das Tagwerk vollbracht ist, schaut sich das Paar ausgewählte Filme und Dokus an.
Kontakt
Die Sprechstunden des Behindertenbeauftragten der Verbandsgemeinde Rheinauen, Klaus Günter Hört, finden immer jeden letzten Dienstag eines Monats von 14 bis 15 Uhr im Rathaus in Waldsee statt. Termine außerhalb der Sprechstunden können unter der Telefonnummer 06236/6938111 vereinbart werden.