Rhein-Pfalz Kreis Langsamer über die Kreuzung
«Mutterstadt.» Die jüngste Verkehrszählung der Lokalen Agenda bestätigt: Die Umgestaltung der Mutterstadter Ortsmitte hat die Situation deutlich entschärft. Verbessert werden könnte noch das Radfahren in der Gemeinde. Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) stimmt den Befunden der Agenda und ihren Vorschlägen weitgehend zu. Bei einem Punkt hat er allerdings Bedenken.
Die Lokale Agenda beobachtet das Verkehrsgeschehen in der Dorfmitte seit vielen Jahren. Die neue Zählung ist bereits die vierte in 13 Jahren, allerdings die erste nach dem großen Umbau der ehemaligen Ampelkreuzung. Vorbereitet und ausgewertet hat sie Initiator Werner Krick mit seinen Mitstreitern Herbert Humm, Harald Rödel, Josef Rödl und Werner Stubenrauch. Beim Zählen konnten sie auf die Unterstützung zahlreicher Helfer zurückgreifen. Schon auf den ersten Blick falle auf, dass das Areal viel Charme gewonnen habe und deutlich belebter sei. Die Anzahl der Fahrzeuge, welche die Kreuzung auf Ludwigshafener, Speyerer, Neustadter und Oggersheimer Straße täglich passieren, ist laut Agenda gegenüber der letzten Zählung im Jahr 2011 um rund 200 auf 19.400 gestiegen, liegt damit aber immer noch auf einem relativ niedrigen Niveau; bei der ersten Zählung 2005 waren es noch mehr als 24.000 Fahrzeuge. Entscheidend sei hier die Beobachtung der Zähler, dass an der Kreuzung jetzt spürbar langsamer und rücksichtsvoller gefahren werde, hebt Krick hervor. Der große Umbau, für die Gemeinde ein enormer Kraftakt, habe sich ausgezahlt. „Es war ein Riesenschritt nach vorne“, ergänzt Werner Stubenrauch. Dennoch gebe es für die Zukunft noch kleinere Verbesserungsvorschläge. Denn ebenfalls auffällig sei der mit sechs Prozent geringe Anteil der Fahrradfahrer am Gesamtverkehr. In vielen anderen Kommunen liege dieser bei zehn Prozent, in sehr fahrradfreundlichen sogar bei bis zu 40 Prozent. In Mutterstadt mit seiner dörflichen Struktur hält die Lokale Agenda 20 Prozent für durchaus erreichbar. Eine weitere Beobachtung: Viele Fahrradfahrer fühlten sich an der Kreuzung offenbar unsicher und benutzten lieber die Gehwege oder würden ihre Fahrräder über die Fußgängerübergänge schieben. Vor diesem Hintergrund wirbt die Agendagruppe dafür, den Kfz-Verkehr weiter zu verringern. Ihre Überlegungen, wie das gelingen könnte: Den reinen Durchgangsverkehr noch konsequenter auf die Umfahrungsstrecken leiten, die Kurzzeitparkplätze an der Kreuzung in zusätzliche Fahrradstellplätze und Sitzplätze umwandeln sowie die großen Parkplätze in der Nähe besser bewerben. Für die neue Verkehrszählung ist Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) dankbar, betrachtet sie als positiv für die Gemeinde: „Die Ergebnisse belegen, dass unser Konzept voll aufgegangen ist und wir viele Lkw und Traktoren aus dem Ort herausbekommen haben.“ Die Aufenthaltsqualität habe sich deutlich verbessert, der Ortskern sei seit dem Umbau richtig gut belebt. Im Großen und Ganzen liege er daher mit der Lokalen Agenda auf einer Wellenlänge. Der Rathauschef gibt jedoch zu bedenken, dass eine weitere Reduzierung des Verkehrs zu Lasten der Geschäfte gehen würde. Hier gelte es, die verschiedenen Interessen sorgfältig abzuwägen, um eine für alle Betroffenen faire Lösung zu finden. Ähnlich verhalte es sich mit den Fahrradfahrern. „Wir wollen natürlich mehr davon im Ortszentrum, aber nicht unbedingt auf den vier Landesstraßen“, erklärt er. Denn die seien für Radwege zu schmal, weshalb die Kommune beabsichtige, in angrenzenden Seitenstraßen Ausweichrouten zu schaffen. Größte Bedenken hat Schneider, was den Vorschlag betrifft, die Kurzzeitparkplätze abzuschaffen und durch Fahrradstellplätze zu ersetzen. „Die Geschäftsleute haben um jeden einzelnen dieser Parkplätze hart gekämpft, und wir haben die eindeutige Rückmeldung, dass sie enorm wichtig sind“, erläutert er. Denn viele Kunden wollten nur kurz vor dem jeweiligen Laden halten, ihre Erledigungen machen und weiterfahren. Es sei niemand bereit, für drei Brötchen von der Bäckerei auf dem Parkplatz am Rathaus oder am Palatinum zu parken und die vielleicht 200 Meter zu dorthin zu laufen. Außerdem bekomme die Gemeinde bei der geplanten Umgestaltung des Vorplatzes der Neuen Pforte etliche Fahrradstellplätze ganz in der Nähe der Kreuzung einschließlich mehrerer Ladestationen für E-Bikes. „Wir werden die Anregungen der Lokalen Agenda aber auf jeden Fall in den politischen Gremien besprechen und auch den Gewerbeverein dazu anhören“, kündigt Bürgermeister Schneider an.