Rhein-Pfalz Kreis
Land und Leute: Die Wochenendkolumne für den Rhein-Pfalz-Kreis
Was den Rhein-Pfalz-Kreis in dieser Woche beschäftigt hat. Kurioses, Abseitiges – und nicht ganz ernst Gemeintes aus den Dörfern.
Hundekot: Hingemacht
„Überschwemmungen wegen Hundekotbeuteln“ meldet die Stadtverwaltung Schifferstadt in dieser Woche. Weil ein Gulli in der Straße An der Eichbrücke mit vollen, roten Beuteln verstopft war, musste der Stadtservice ausrücken. Das Regenwasser konnte nicht ablaufen, die Fahrbahn stand unter Wasser. Einen ähnlichen Fall gab es laut einer Anwohnerin in einem Straßenablauf im Bereich des Spielplatzes an der Frankenstraße. Auch dort: entsorgte volle Hundekotbeutel. Ja, die Menschheit beklagt sich – zurecht – wenn die Hinterlassenschaften der Vierbeiner nicht entsorgt werden. Aber wenn Halter die Häufchen schon in Beutel packen, könnten sie diese wenigstens im Müll entsorgen anstatt im Gulli. Denn der ist kein öffentlicher Mülleimer, auch wenn es oft anders wirkt. Eine Möglichkeit: Einer der 25 Hundetoiletten im Stadtgebiet einen Beutel entnehmen und diesen im integrierten Mülleimer wieder entsorgen. Alternativ könnten bequeme Halter, die mit ihrem Hund nicht bis zum öffentlichen Tierklo laufen wollen oder deren Hund sein Geschäft dort nicht verrichten will, darüber nachdenken, ihren Vierbeiner so zu trainieren, dass er einfach das heimische Klo nutzt. Kommt den Zielen der Verwaltung bestimmt entgegen. Spart schließlich auch noch unnötigen Plastikmüll. Und den Mitarbeitern des Stadtservices eklige Einsätze, die nun wirklich nicht sein müssen.cju
DDR: Rübergemacht
Spontaner Besuch bei der RHEINPFALZ am Freitagmittag, Thomas Franke sitzt im Pressezentrum in der Amtsstraße. „Ludwigshafen hat sich total verändert“, sagt der 60-Jährige und staunt. Und nicht nur Ludwigshafen. „Waldsee hat sich total verändert“, sagt er und staunt weiter. „Ich hätte es nicht mehr wieder erkannt.“ Dorthin hat es den Mann nämlich zuerst verschlagen, es ist eine Art Gedächtnisfahrt in die Pfalz. Denn vor genau 30 Jahren kam er ebenfalls in Waldsee an, als DDR-Flüchtling, in der Rheinauenhalle. In der Nacht zum 7. November 1989 machte er sich kurz vor dem Ende des Regimes vom thüringischen Gera aus auf den Weg. Über Leipzig erreichte er schließlich die Bundesrepublik. Mit dem Trabi natürlich. Geisenheim bei Mainz und Osthofen bei Worms waren die nächsten Stationen, ehe er in die Auffangstation in Waldsee kam. „Wir möchten uns bei allen Menschen hier bedanken, die uns so gut aufgenommen und unterstützt haben“, sagt Franke, „mit Alltagsdingen vom Essen bis zum Rasierer.“ 16 Trabis und ein Bus seien an diesem Tag in Waldsee vorgefahren. Den Artikel aus der RHEINPFALZ vom 10. November hat Franke auch 30 Jahre später noch – und direkt mitgebracht. „Unter der SED wird es nichts mit der Demokratie“, steht da als Überschrift. Der Text endet mit dem Wunsch „des Schlossers aus Gera“, alsbald nach Australien auszuwandern. „Wir hatten Träume“, sagt Franke. Doch daraus wurde nichts. „1992 haben wir wieder rübergemacht.“ In der Zwischenzeit hatte er in der BASF gearbeitet. „Es sind schöne Erinnerungen an die Pfalz“, sagt Franke. Dennoch dauerte es fast drei Jahrzehnte, bis er wieder hier landete. Nach den Stopps in Waldsee, wo er dem Rathaus einen spontanen Besuch abstattete, und Ludwigshafen ging es weiter nach Maikammer. Bis Montag, dann fährt Franke zurück nach Thüringen. Aber nicht mehr mit dem Trabi. „Heute fahren wir Volkswagen“, sagt er und lacht.svw
Ein schönes Wochenende wünschen
Constanze Junk und Sven Wenzel