Rhein-Pfalz Kreis
Land und Leute: Die Wochenendkolumne für den Rhein-Pfalz-Kreis
Was den Rhein-Pfalz-Kreis in dieser Woche beschäftigt hat. Kurioses, Abseitiges – und nicht ganz ernst gemeintes aus den Dörfern.
Neue Welt
In Australien wurde 2017 die kleine Alia mit zwei Monaten ein Star. Die Tochter der Grünen-Abgeordnete Larissa Waters war das erste Baby, das im Parlament gestillt wurde. Ein neues Gesetz machte das möglich. In Deutschland ist das mit Babys und Sitzungen nicht ganz so einfach. 2018 verwies Thüringens Landtagspräsident Christian Carius die Grünen-Abgeordnete Madeleine Henfling aus dem Plenarsaal, weil sie ihren wenige Monate alten Sohn mitgebracht hatte. Aber: Ausnahmen bestätigen die Regel – vor allem, wenn die Augen einer Bürgermeisterin beim Wort Baby so dermaßen strahlen, wie die von Ilona Volk. Die war sichtlich überrascht, als CDU-Ratsmitglied Laura Ehm mit ihrer nur wenigen Tage alten Tochter Marlene (Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!) zur Sitzung erschien. „Sollte es mal lauter werden, übernimmt Frau Behrendt-Roden für mich. Ich übernehme dann Marlene“, bot sie an und überreichte noch ein grünes Lätzchen und eine grüne Teekanne. Doch die Kleine schwieg. Bis auf einen Muckser, bei dem ihre Mutter es dann doch vorzog, sich selbst zu kümmern. Verständlich. Man muss es mit der schwarz-grünen Koalition ja auch nicht übertreiben.cju
Harmonische Welt
Die Meldung, dass Waldsee seit Montag wegen der Straßensperrung nicht mehr aus Richtung Otterstadt zu erreichen ist, lässt schmunzeln. Es waren jedoch nicht die Waldseer, die die Schotten zu den früher geschmähten und heute wegen der Streitigkeiten im Rat belächelten Otterstadtern dicht gemacht haben, sondern die Mitarbeiter des Landesbetriebs Mobilität. Dass in Otterstadt auch Einigkeit demonstriert werden kann, hat das Abstimmungsergebnis in der nicht öffentlichen Ratssitzung zum Erdöl-Projekt gezeigt. Der Otterstadter Rat hat mit dem Verbandsgemeinderat und dem Rat Waldsee sowie den jeweiligen Umweltausschüssen getagt. In einer Pressemitteilung zur Sitzung heißt es, dass es erfreulich sei, dass sich alle Räte einstimmig der Stellungnahme zum Erdöl-Projekt angeschlossen haben. Hinter der Kritik an dem Vorhaben stehen die Politiker geschlossen. Vielleicht geht es in Otterstadt ja jetzt wieder harmonischer zu.nhe
Unbekannte Welt
Ein guter Freund, der im Rhein-Pfalz-Kreis zu Hause ist, hat jüngst seinen Doktor in Chemie gemacht. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Glückwunsch dazu, lieber Kalif! Diese Chemiker denken sich schon witzige Spitznamen für ihresgleichen aus. So eine Promotion erfordert jedenfalls Ausdauer und Durchhaltevermögen. Vergangenen Freitag hat der Freund nun endlich seine Urkunde am Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT, erhalten. Eine schöne Feier war es, in einer völlig fremden Welt. Der erste Blick fiel auf das aus der Schule ungeliebte Periodensystem der Elemente, das an der Wand des Hörsaals prangte. Und nach den ersten Kaltgetränken gab es für ein ausgewähltes Publikum eine exklusive wie private Führung durch die heiligen Hallen des KIT – inklusive geheimer Einblicke in die Labore. Weil wir gar nicht wissen wollen, was Chemiker so fabrizieren, wenn die Türen geschlossen sind, schweigen wir an dieser Stelle darüber. Die Tour führte auch vorbei an einer Porträt-Galerie berühmter Chemiker. Und siehe da, ein weiterer „Kreisbewohner“ lächelte von der Wand: Justus von Liebig. Der ist zwar 1803 in Darmstadt geboren und 1873 in München gestorben, ist aber auch Namensgeber der Realschule plus in Maxdorf. Und entdeckte gemeinsam mit zwei anderen Forschern das Narkosemittel Chloroform. Zudem entwickelte Liebig ein Herstellungsverfahren für Rindfleisch-Extrakte. Dass er überhaupt Chemiker war, war dem Chemie-Laien nicht bewusst. Danke, Kalif! Aber das war auch so ziemlich das einzig Verständliche an diesem Abend.svw
Ein schönes Wochenende wünschen Constanze Junk, Nadine. Klose & Sven Wenzel