Neuhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Kreiswohnungsverband: Häuser in Jahnstraße energetisch saniert

Die Fassaden der Häuser in der Jahnstraße in Neuhofen wurden gedämmt, um Heizkosten zu sparen.
Die Fassaden der Häuser in der Jahnstraße in Neuhofen wurden gedämmt, um Heizkosten zu sparen.

Die energetische Sanierung des Wohnungsbestands hat sich der Kreiswohnungsverband auf die Fahne geschrieben. In Neuhofen wurden nun vier Wohnblöcke saniert. Die Bedingungen für solche Investitionen seien schlecht, sagt der Geschäftsführer.

In den kommenden zehn Jahren sollten alle 1350 Wohnungen im Bestand saniert sein, erklärt der Geschäftsführer des Kreiswohnungsverbands (KWV), Volker Spindler. Er hat vor wenigen Tagen nach Neuhofen in die Jahnstraße geladen, es ist das zweitgrößte Quartier im Bestand. Der KWV, gegründet 1920, ist ein kommunales Unternehmen des Rhein-Pfalz-Kreises mit dem Ziel, günstigen Wohnraum zu schaffen und zu verwalten. Die vier Wohnblöcke in Neuhofen mit 48 Wohnungen wurden 1965 gebaut und in diesem Jahr für rund 1,6 Millionen Euro saniert. Es wurden die Fassaden und die Geschossdecken gedämmt, die Hausflure gestrichen, dreifach verglaste Fenster sowie neue Haustürelemente eingebaut. Außerdem wurden die Dachziegel gereinigt. Rund 300.000 Euro Fördergeld gab es dafür vom Bund, sagt Spindler.

Es sei tatsächlich gelungen, all das im berechneten Kostenrahmen und in der geplanten Zeit – etwa zehn Monate – zu erledigen, berichtet er weiter. Ausführende Architektin war Vanessa Birkle vom gleichnamigen Architekturbüro aus Dudenhofen. So wurde etwa Dämmmaterial zügig geordert und eingelagert. Die Baumaßnahme sei dennoch eine Herausforderung gewesen, denn die Fenster mussten getauscht werden, während die Mieter in den Wohnungen lebten. Doch schnell habee es nach getaner Arbeit positives Feedback von den Mietern gegeben, dass die Wärmedämmung wirke, berichtet Birkle.

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Ziel sei es vor allem gewesen, Heizkosten zu sparen – und das schon vor der drohenden Verteuerung und Gasmangellage. Alle Wohnungen werden mit Gas geheizt. Spindler spricht von einer Energieersparnis von fast 60 Prozent. Das entspreche etwa 22 Kilo CO2 und 2070 Kubikmeter Erdgas pro Jahr und Wohnblock. Er schätzt, dass so – je nach Sparverhalten des Mieters – ein Euro an Heizkosten pro Quadratmeter im Monat eingespart werde.

Weiterhin sei geplant, in den kommenden Jahren die Heizungsanlage an ein gemeinsames Geothermie-Nahwärmenetz anzuschließen, das die Neue Energie Rhein-Pfalz-Kreis GmbH, ein Unternehmen der Pfalzwerke AG und des Kreises, errichten könnte. Das würde sich mit den kommunalen Gebäuden in unmittelbarer Nähe durchaus rentieren. „Der Gebäudeenergiebedarf könnte dadurch auf fünf Prozent des ursprünglichen Energiebedarfs abgesenkt werden“, sagt Spindler.

Eine hoffnungsvolle Aussicht angesichts der steigenden Energiepreise. Spindler berichtet, dass die Mieter verunsichert sind aufgrund der drohenden Gaspreise. Er hofft, dass die geplanten politischen Mittel, wie die Gaspreisbremse, helfen. Denn: Der KWV als Vermieter habe auf eventuell horrende Nachzahlungen keinen Einfluss, er ist nicht der Endverbraucher. Bei etwa der Hälfte der KWV-Wohnungen schließen die Mieter die Verträge selbst ab. Lediglich für die Wohnungen, die über Zentralheizungen betrieben werden, rechnet der Verband mit dem Mieter ab. „Die sozialen Wohnungsbauunternehmen haben aber beschlossen, dass niemandem gekündigt wird, weil er in Verzug gerät, die Betriebskosten zu bezahlen“, sagt Spindler. Möglich seien Stundungen, Ratenzahlung oder Vollstreckungsaussetzungen.

Keine Kündigung bei Verzug

Zudem wolle man Kunden, die diese Kosten gar nicht bezahlen können, bei Anträgen unterstützen, denn: „Das Problem wird kommen“, sagt der KWV-Geschäftsführer. Im kommenden Jahr soll die Wohngeldreform greifen, die auch eine Heizkostenpauschale beinhaltet. Dann werde sich der Kreis der Berechtigten erweitern. Doch nicht jeder wage den Gang zum Amt, der KWV möchte da Ansprechpartner für die Betroffenen sein. Spindler mahnt: Für die Antragsbearbeitung müsse aber mehr Personal beim Kreis zur Verfügung gestellt werden. „Es nützt nichts, wenn das Geld dann erst Monate später fließt, die Leute brauchen das schnell.“ Des Weiteren wolle man den Mietern Tipps zum Energiesparen geben (siehe „Zur Sache“).

Aber auch der KWV selbst wird seine Heizanlagen noch einmal von Fachfirmen überprüfen und optimieren lassen. Zudem werden zurzeit die Mitarbeiter geschult, die Heizanlagen wieder hochfahren zu können. Denn: „Sollte stundenweise zu wenig Gas im Netz sein, schalten die Heizanlagen auf Störung und fahren nicht wieder von allein hoch, wenn wieder die normalen Mengen fließen. Das muss dann ein Techniker schnell erledigen“, erklärt Spindler. Darum werden auch die Notdienstzeiten der Haustechniker erweitert.

Noch in diesem Jahr sollen in diesem Sinne weitere KWV-Objekte fertiggestellt werden, etwa Geothermie-Anlagen in Limburgerhof und eine Mieterstromanlage in Mutterstadt. Laut Spindler sind bereits 200 Wohneinheiten im KWV-Bestand ertüchtigt, 50 sollen es – mit Neuhofen – in diesem Jahr sein. „Doch wir müssen das Tempo steigern – auf etwa 100 Wohnungen pro Jahr“, sagt er. Der erste Schritt soll dabei die Passivdämmung wie in Neuhofen sein. „Dann müssen wir weg vom Gas.“

„Kämpfen an allen Fronten“

Doch für solche Projekte würden die Bedingungen immer schlechter werden. „Die Zinsen sind gestiegen, die Förderungen weggebrochen, die Baukosten schießen in die Höhe, die Inflation treibt uns um wie auch der Handwerkermangel. Wir kämpfen an allen Fronten“, wird der KWV-Geschäftsführer deutlich. Die Folge sei, dass energetische Maßnahmen und auch der Wohnungsbau für den KWV nicht mehr rentabel seien. Und damit stehe dieser in der Branche nicht allein da. „Aus Gesprächen mit den anderen Wohnungsverbänden ist deutlich geworden, alle stellen den Wohnungsneubau ein, weil es nicht mehr finanzierbar ist.“ Eine fatale Folge für den Wohnungsmarkt. Spindler fordert eine weitere Erhöhung der Fördergelder. Außerdem sollten sich die Standards beim Um- und Neubau nicht noch weiter verschärfen, sondern vereinfacht werden, denn das verteuere alles zusätzlich.

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