Rhein-Pfalz Kreis Kreis will von Costa Rica lernen

Dass Costa Rica und der Rhein-Pfalz-Kreis in einem Atemzug genannt werden, hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) möglich gemacht. Das BMZ hat nämlich – in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Landkreistag – das Programm „50 Kommunale Klimapartnerschaften bis 2015“ ins Leben gerufen. Deutsche Kommunen und Kreise sollen mit Gemeinden und Kreisen in Lateinamerika konkrete Programme für den Klimaschutz erarbeiten. Die eine oder andere Kommune hat sogar schon einen Partner gefunden, erzählt Elke Bröckel, die bei der Kreisverwaltung unter anderem über die Umsetzung des Klimakonzepts wacht. Der Rhein-Neuss-Kreis kooperiere mit der Region Solano in Kolumbien, die Stadt Lahr arbeite mit Alajuela in Costa Rica zusammen. Köln hat mit der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro sogar einen sehr prominenten Partner gezogen. Angefangen, berichtet Elke Bröckel, hat alles mit einer Anfrage der in Ludwigshafen angesiedelten Energieagentur Rheinland-Pfalz. „Wir wurden angesprochen, ob wir an so einer Partnerschaft Interesse haben.“ Natürlich hatte die Kreisverwaltung Interesse. „Aber nur für den Fall, dass es nichts kostet“, ergänzt Landrat Clemens Körner (CDU), grinst und beantwortet gleich mal die wichtigste Frage. Denn: Finanzielle Klimmzüge sind bei der derzeitigen Haushaltslage nicht drin. Gemeinsame Gespräche sollen – so der Kreis den Zuschlag für die Partnerschaft mit der Region La Fortuna in Costa Rica bekommt – den Anfang machen, erklärt Elke Bröckel. Dann sollen konkrete Projekte erarbeitet werden. Eine Kooperation passe in die derzeitige Entwicklung sagt Bröckel. Momentan arbeiten Experten am Klimaschutzkonzept für den Kreis. Die Klimapartnerschaft mit La Fortuna werde darin zwar nicht berücksichtigt, aber als Ergänzung sei sie durchaus sinnvoll. Die Partnerschaft, die auf 18 Monate angelegt ist, gehe dann durchaus in beide Richtungen, betont sie. Denn Costa Rica sei kein Entwicklungsland. Bis 2021 wolle das Land klimaneutral sein. Es gebe geschützte Flächen, aber keine Ausgaben für Militär. „Wir werden da keine Entwicklungshilfe leisten“, verdeutlicht Bröckel. Der Austausch werde auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden, aber auf Augenhöhe, heißt es aus dem Kreishaus. Und der Landrat hat auch schon eine Vorstellung, in welchen Bereichen der Austausch stattfinden könnte. Denn in dem mittelamerikanischen Staat hat man offenbar gute Erfahrungen mit dem Verwerten von Biomasse gemacht. Das Stichwort Biogasanlage könnte da wieder interessant werden. „Andersrum haben wir vielleicht mehr Erfahrung, was Siedlungswirtschaft betrifft“, meint Körner. Eines wird es nicht geben: „Der Kreistag wird nicht auf Kosten der Steuerzahler einen Ausflug nach Costa Rica machen“, stellt der Landrat klar. Dank des Internets müsse man nicht nach Costa Rica reisen, um sich eine Biogasanlage anzuschauen. Und damit es keine Missverständnisse gibt, werde für den Fall ein Übersetzungsbüro eingeschaltet. „Irgendwie wollen wir die Energiewende ja stemmen“, fährt Körner fort. Und für die landwirtschaftliche Überproduktion müsse man eine Lösung finden. Biomüll werde nach Kaiserslautern gefahren. „Alles schreit nach der Energiewende, aber ja nicht vor der eigenen Haustür“, ärgert sich der Chef der Kreisverwaltung. Elke Bröckel pflichtet ihm bei: „Abwasser muss in die Kläranlage. An den Geruch hat sich jeder gewöhnt. Und die Kläranlagen für den Kreis können nicht in Buxtehude stehen.“ Die Biogasanlagen seien im Gegensatz zu Kläranlagen geschlossen. Ja, eine Biogasanlage könnte durchaus etwas mehr Geruch verströmen als ein Atomkraftwerk, meint der Christdemokrat. Allerdings gebe es in Costa Rica bereits Anlagen, die 300 Meter vom Ort entfernt stehen, erläutert Elke Bröckel, „und da läuft es ohne Gerüche“. Der Austausch, erläutert Körner, soll verhindern, dass Fehler zweimal gemacht werden. Und vielleicht mache man den Quantensprung nicht mit Costa Rica, sondern durch die Erfahrungen, die bei einer anderen Kooperation gemacht werden. „Die Ideen könnten aus Köln, Lahr oder Neuss kommen“, sagt er. Noch ist allerdings nicht klar, ob der Rhein-Pfalz-Kreis den Zuschlag bekommt. Das soll sich in den kommenden Wochen entscheiden, sagt Bröckel. Auf jeden Fall vor Weihnachten. Doch der Landrat ist schon einen Schritt weiter. Clemens Körner will, falls der Kreis Partner von La Fortuna wird, „zeitnah Kontakt zur BASF aufnehmen“. Doch noch steckt das Projekt in den berühmten Kinderschuhen. „Wenn’s was wird – toll. Wenn nicht, haben wir wenigstens den Versuch gemacht. Es nicht zu versuchen, wäre fahrlässig“, betont der Landrat.