Waldsee / Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Kreative Geschäftsideen in der Corona-Krise

Backt jetzt Brot: Daniel Haslberger.
Backt jetzt Brot: Daniel Haslberger.

Die Corona-Krise stellt Betriebe vor eine große Herausforderung. Viele bangen derzeit um ihre Existenz. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. Zwei Geschäftsleute im Speyerer Umland haben sich etwas Ungewöhnliches einfallen lassen.

Kuchen und Torten sind nicht gerade krisensicher, dachte sich Daniel Haslberger, Inhaber der Konditorei Christmann in Waldsee, vor gut zwei Wochen. Wenn es mal hart auf hart käme, sei es wohl schwer, eine Konditorei mit Café noch öffnen zu dürfen. Damals sei noch gar nicht abzusehen gewesen, was sich in den nächsten Tagen alles verändern würde, erzählt er. Aus dem Bauch heraus habe er sich überlegt, Brot backen zu lernen. Am nächsten Tag stand er in der Backstube der ehemaligen Bäckerei Medardt und ließ sich von Jürgen Medardt zeigen, wie gutes handwerkliches Sauerteig-Brot gebacken wird. „Er hat mir sein Rezept gegeben“, sagt Haslberger und ist sehr dankbar dafür. Eine Backmischung sei für ihn nicht in Frage gekommen. „Das hätte nicht zu unserer Philosophie gepasst.“

Ein paar Tage später hat er mit seinem Konditor-Gesellen die ersten Brote gebacken. Kurz darauf war der Prototyp fertig, dann kam das Feinjustieren. Und just zu dem Zeitpunkt, als Cafés, Restaurants und Geschäfte bis auf wenige Ausnahmen schließen mussten, war das Brot quasi serienreif. Drei Sorten hat das Café Christmann im Angebot: neben dem Sauerteigbrot aus 80 Prozent Roggen und 20 Prozent Weizenmehl noch ein Kastenweißbrot und ein mediterranes Weißbrot mit Tomaten und Rosmarin aus dem Garten. Es habe sich schnell herumgesprochen, erzählt Haslberger, und die Kundschaft käme aus dem ganzen Umland. Dafür ist er unglaublich dankbar. Und wenn die Kunden dann auch noch Kuchen und Torte mitnehmen, umso besser. So konnte er es vermeiden, seine Angestellten in der Backstube in die Kurzarbeit zu schicken. Um 11 Uhr ist das Brot fertig. Daniel Haslberger empfiehlt allerdings dringend, vorzubestellen.

Homeoffice im Hotel

Ziemlich hart getroffen hat die Corona-Krise Lars Hoffmann, Inhaber des „Goldenen Lamm“ in Dudenhofen. Er sieht seine Existenz bedroht. Das Speiserestaurant muss geschlossen bleiben, im Hotel mit den 24 Zimmern darf er nur noch Geschäftsreisende beherbergen und die bleiben zunehmend aus. Die Mitarbeiter habe er von heute auf morgen in Kurzarbeit schicken müssen. Seine Idee: Er bietet die Hotelzimmer Menschen an, die ins Homeoffice geschickt wurden, zu Hause aber keine Ruhe zum Arbeiten haben. „Die Zimmer können stundenweise, tageweise oder auch wochenweise gemietet werden“, erklärt er. Der Preis sei Verhandlungssache, aber sicher nicht vergleichbar mit dem üblichen Übernachtungspreis. Telefon gebe es ebenso wie Internet (Wlan und Lan) in guter Qualität. Und ein Bett für ein Mittagsschläfchen stehe auch bereit. Da die Zimmer nur allein genutzt werden, sei auch keine Ansteckungsgefahr vorhanden. Im großen Besprechungsraum mit über 30 Quadratmetern könnten sich auch zwei oder drei Personen treffen. Das sei erlaubt, betont Hoffmann, weil genügend Abstand gehalten werden könne. Die Schlüsselausgabe könne kontaktlos erfolgen. Mittagstisch dürfe er leider nicht bieten, aber ein Getränkeautomat stehe bereit.

Kontakt

  • Konditorei Christmann in Waldsee: Telefon 06236 52674.
Hotelzimmer im Goldenen Lamm: bietet Ruhe.
Hotelzimmer im Goldenen Lamm: bietet Ruhe.
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