Rhein-Pfalz Kreis Klären nach deutschem Vorbild

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Welches Gefälle die Abwasserleitungen haben und was am Ende mit dem Klärschlamm passiert – diese und andere Fragen musste am Donnerstag Abwassermeister Gerd Asel beantworten. Im Rahmen der Klimapartnerschaft zwischen dem Rhein-Pfalz-Kreis und der Region San Carlos in Costa Rica besuchte eine Delegation aus Mittelamerika die Gruppenkläranlage in Heßheim.

„Wir planen den Aufbau einer Abwasserreinigung nach deutschem Vorbild“, erläuterte Carlos Quesada den Grund des Besuchs. Er ist Präsident einer Infrastrukturgesellschaft, die in La Fortuna in etwa die Aufgaben einer deutschen Gemeindeverwaltung hat. Bisher gebe es in der Region San Carlos, die rund 100.000 Einwohner zählt, keine Kläranlage. Gröbere Verschmutzungen seien in der Vergangenheit kaum angefallen, berichtete sein Kollege Edoardo Mendéz. Anders als in Deutschland seien die Rohre in Costa Rica so dünn, dass niemand Papier oder Abfälle in Toilette oder Ausguss werfe. Beides werde über den Hausmüll entsorgt. Doch die Einwohnerzahl sei stark gestiegen, auch Industrie habe sich angesiedelt. Deshalb plane man den Bau der ersten Kläranlage, sagte Mirna Sabillon, von der Verwaltung San Carlos. Rund 7,2 Millionen Euro habe der Bau der 2003 in Betrieb genommenen Kläranlage gekostet, berichtete Michael Reith (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim. Eigens dafür sei mit der VG Grünstadt-Land der Abwasserzweckverband Mittleres Eckbachtal (AME) gegründet worden. 13 Dörfer von Neuleiningen bis Beindersheim mit insgesamt rund 21.000 Einwohnern sind daran angeschlossen. Ausgelegt ist die Anlage für 31.000 Einwohner, berichtete Abwassermeister Gerd Asel. Als Spitzenlast – wenn in Betrieben oder der Landwirtschaft besonders viel Abwasser anfällt – sei sogar die Reinigung einer Schmutzwassermenge möglich, die der Hinterlassenschaft von 61.000 Einwohnern entspricht. Im Schnitt werden jedes Jahr 1,3 Millionen Kubikmeter Abwasser gereinigt, so Asel. Gut 120 Kilometer misst das Kanalnetz. Fünf Mitarbeiter, darunter ein Auszubildender, sind in der automatisch gesteuerten Anlage beschäftigt. Gearbeitet wird mit dem SBR-Verfahren (sequenzielle biologische Reinigung). Asel: „Die chemische Reinigung hat nur noch eine minimale unterstützende Funktion.“ In einer Rechenanlage werden zunächst grobe Verschmutzungen wie Hygieneartikel oder Laub aus dem Abwasser gefischt. Sand setzt sich ab und wird in ein Silo befördert. Gleichzeitig wandern Fett und Fäkalien nach oben; beides wird getrennt abgeschöpft. „In der mechanischen Reinigung verliert das Wasser bereits 30 Prozent seiner Schmutzfracht“, erklärte Asel bei einem Rundgang. Über einen Pufferbehälter wird das Wasser dann in vier runde Betonbecken – Reaktoren genannt – geleitet. Die dortige biologische Reinigung ist das Herz der Anlage. Durch Luftzufuhr wird das Wasser umgewälzt, und die Reinigungsbakterien werden mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Der übrige Schlamm setzt sich unten ab, während oben mit Dekantern die Klarwasserschicht abgetragen werden kann. Nach einer Überprüfung der Werte wird das geklärte Wasser dann in den Lachegraben geleitet. Die chemische Reinigung befindet sich in einem Kunststoffbehälter. Sie unterstützt den biologischen Prozess bei der Abtrennung von Phosphaten und Nitraten. Der überschüssige Schlamm wird laut Asel getrocknet und gepresst. Er kann in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt oder verbrannt werden. Im Mai war die Klimapartnerschaft zwischen Rhein-Pfalz-Kreis und La Fortuna sowie der Region San Carlos beschlossen worden (wir berichteten). Sie wird vom Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert. Die ganze Woche über waren die Costa Ricaner im Kreis unterwegs, um sich über Waldwirtschaft, Abfallwirtschaft, Grundwasser- und Umweltschutz sowie Tourismus zu informieren. Besichtigt wurden unter anderem auch ein Wasserwerk, eine Bauschuttdeponie, Betriebe sowie Schulen und Kindergärten. (gnk)

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