WALDSEE
Kirche statt Klassenzimmer: Artur Noras neuer Kaplan in Pfarrei Hl. Christophorus
In der Pfarrei Heiliger Christophorus Waldsee wird Artur Noras als Kaplan Nachfolger von Thomas Ott, der inzwischen an seiner zweiten Station als Kaplan in Pirmasens tätig ist. Gottesdienstbesucher haben Artur Noras schon kennengelernt, denn seine Stelle in Waldsee hat er bereits im August als Diakon angetreten. „Ich darf jetzt jede Woche predigen“, sagt er. Als Diakon habe er das nur hin und wieder mal gemacht. In den nächsten drei Jahren wird er in den fünf Gemeinden Altrip, Limburgerhof, Neuhofen, Otterstadt und Waldsee den Alltag eines Priesters leben, Kinder taufen, Paare trauen, Verstorbene beerdigen, Religionsunterricht in Otterstadt halten, aber auch die vielfältigen Verwaltungsaufgaben erledigen, die von Pfarrern heute verlangt werden. „Ich freue mich, endlich mal für längere Zeit an einem Ort sein zu dürfen, in den letzten zehn Jahren bin ich acht Mal umgezogen“, sagt er. Sein Weg bis zur Priesterweihe hatte viele Stationen.
Aufgewachsen ist Artur Noras in Lauterecken, wo er zunächst den Hauptschulabschluss machte, um dann als Quereinsteiger bis zum Abitur jeden Tag nach Kaiserslautern ins Gymnasium zu fahren. Technikaffin begann er mit einem Studium der Elektrotechnik mit dem Ziel Berufsschullehrer. Nach zwei Semestern habe er festgestellt, dass das nicht sein soll und eine Ausbildung zum Kaufmann in Groß- und Außenhandel gemacht, wo er auch übernommen worden wäre, erzählt er. Die berufliche Laufbahn schien nun vorgezeichnet. „Aber ich war unruhig, hab’ mich gefragt, ob das wirklich das Ende ist. Mir war klar, wenn ich doch noch studieren wollte, dann jetzt. Aber was?“ Irgendwer habe ihm dann den Tipp gegeben: Mach doch was mit Kirche. Bei einem Praktikum in der Pfarrei Mandelbachtal hat es ihm gut gefallen. „Das hat mir so gut getan, ich fühlte mich innerlich so befreit und kam zu dem Schluss: Ich weiß nicht, wie es endet, aber ich studiere Theologie“, sagt er. Leicht habe er sich den Entschluss aber nicht gemacht.
Zunächst ging es zur Vorbereitung ein Jahr nach Bamberg, dann zum Studium nach Eichstätt. Immer wieder hat er seine Entscheidung hinterfragt, und nach reiflicher Überlegung stand für ihn 2016 fest: „Ja, ich möchte Priester werden.“ Obwohl es ihm in Bayern gut gefallen hat, ist er zurück in die Pfalz ins Priesterseminar nach Speyer gezogen.
Hohe Frustrationstoleranz
Viele Praktika hat er in den folgenden Jahren absolviert, war an der Schule, im Gefängnis, bei der Bundeswehr und in verschiedenen Pfarreien. Er weiß also, worauf er sich einlässt als Priester. Auch was es bedeutet, keine eigene Familie haben zu dürfen. „Klar gibt es Situationen, in denen ich mich einsam fühle, andererseits habe ich so viel zu tun, ich wüsste gar nicht, wie ich das mit einer Familie überhaupt schaffen sollte“, sagt Noras.
In seiner Freizeit spielt er gerne Tischtennis. „Ich war mal gut“, sagt er und ist glücklich, seit 2016 auch wieder im Verein in Speyer aktiv sein zu können. Artur Noras beschreibt sich als geselligen Mensch und sehr kontaktfreudig. „Ich gehe auch gerne mal essen, wenn ich jemanden finde, der mitkommt“, sagt er. Auf die Frage, was ihn richtig auf die Palme bringt, denkt er lange nach und sagt schließlich: „Ich wüsste jetzt nichts, ich habe eine hohe Frustrationstoleranz. Ich bin immer gut drauf, freue mich, Neues zu entdecken und bin neugierig auf meine Aufgaben in der Pfarrei.“ Ein bisschen stolz ist er darauf, die vielen Stationen in den Gemeinden inzwischen schon ohne Navi zu finden.