Harthausen RHEINPFALZ Plus Artikel Kiebitz-Projekt zeigt Wirkung: Ganerb als Hochburg

Ein Kiebitz-Männchen in der Harthausener Ganerb, die sich Tierschützern zufolge zum wichtigsten Lebensraum für den Vogel in ganz
Ein Kiebitz-Männchen in der Harthausener Ganerb, die sich Tierschützern zufolge zum wichtigsten Lebensraum für den Vogel in ganz Rheinland-Pfalz entwickelt hat.

Die Harthausener Ganerb hat sich zum wichtigsten Lebensraum für den vom Aussterben bedrohten Kiebitz in ganz Rheinland-Pfalz entwickelt. Wie es dazu kam.

Wie schlecht es um den Kiebitz bestellt ist, dokumentiert die Rote Liste für Brutvögel in Rheinland-Pfalz aus dem Jahr 2014. Darin wird Vanellus vanellus, so sein wissenschaftlicher Name, in der Kategorie eins geführt. Das bedeutet, dass die Vogelart im Land als vom Aussterben bedroht gilt. Im Erhebungszeitraum, der sich von 2007 bis 2012 erstreckte, belief sich die Bestandsgröße auf nur noch 100 bis 200 Brutpaare, heißt es in der Roten Liste, die das damalige Umweltministerium herausgab.

Um das Überleben des „Gauklers der Lüfte“ im Land zu sichern, hat die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) im Jahr 2020 das sogenannte Kiebitzprojekt gestartet. Die volkstümliche Bezeichnung erhielt der Kiebitz übrigens aufgrund seiner charakteristischen wellenförmigen Flugweise. Bis 2023 ging es den Naturschützern in erster Linie darum, vorhandene Nester durch Metallkörbe vor Fressfeinden zu schützen und Wiesen, die beweidet werden, als Lebensraum für den Kiebitz zu erhalten, erklärt Projektleiter Gerardo Unger Lafourcade. Das Land unterstützt das Kiebitzprojekt von Beginn an finanziell.

Neues Mittel: Aufzucht und Auswilderung

Die beiden regionalen Schwerpunkte für die Arbeit von Projektleiter Unger Lafourcade und einem Team aus ehrenamtlichen Mitarbeitern sind die Harthausener Ganerb und eine Fläche beim Südzucker-Werk in Offstein. Das Unternehmen fördert den Artenschutz dort finanziell – auch, weil es dazu verpflichtet ist, einen ökologischen Ausgleich für die Erweiterung des Betriebsgeländes zu schaffen. Trotz großen Engagements des Projektleiters und der Ehrenamtlichen hat sich bis 2023 kein nachhaltiger Zuwachs bei den Kiebitzen gezeigt. Zwischenzeitlich waren es landesweit kaum noch mehr als 100 Brutpaare, sagt Unger Lafourcade.

Ein neues Mittel musste her, um eine Trendwende zu schaffen. „Im Naturschutz ist das Prinzip des Headstarting bei bedrohten Tierarten ein anerkanntes Verfahren“, sagt der Projektleiter. Das Konzept umfasst die Aufzucht und die Auswilderung von Individuen der zu schützenden Art. Mit dem Headstarting begannen Unger Lafourcade und seine Mitstreiter im vergangenen Jahr, indem sie eine Kooperation mit dem Zoo Landau eingingen. Die Naturschützer sammeln seither im Frühjahr Eier von Kiebitznestern ein, die verlassen sind oder zerstört zu werden drohen, und bringen sie in den Zoo, wo sie ausgebrütet werden. Zoodirektor Jens-Ove Heckel unterstützt das Artenschutzprojekt, indem er Gehege für die Jungvögel bereitstellt, Betreuung durch Tierpfleger in kleinerem Umfang gewährt und Material für den Bau von Volieren zur Auswilderung auf den beiden großen Kiebitzflächen bei Harthausen und Offstein zur Verfügung stellt.

Quote an „Überlebenden“ großer Erfolg

„Im vergangenen Jahr haben wir insgesamt 47 Kiebitze ausgewildert. Mindestens ein Drittel von ihnen hat den ersten Winter überlebt“, teilt Unger Lafourcade mit. „Genau 16 gesicherte Rückkehrer waren es, sechs davon aus Harthausen“, fügt er hinzu. Die Gewissheit, dass es sich bei ihnen um Kiebitze handelt, die 2024 ausgewildert wurden und dann aus dem Winterquartier im Süden in die Region zurückkehrten, gewinnt der Projektleiter durch Markierungen, die diese an ihren Beinen tragen. Bei zwei weiteren Exemplaren handele es sich wahrscheinlich ebenfalls um solche Rückkehrer, doch sei der Nachweis hier nicht eindeutig erbracht worden.

Diese Quote an „Überlebenden“ nach einem Jahr sieht sowohl Unger Lafourcade als auch Zoodirektor Heckel als großen Erfolg, wie es in einer Pressemitteilung der GNOR heißt. „Und in diesem Jahr haben wir sogar 55 junge Kiebitze ausgewildert“, informiert der Projektleiter im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Außerdem sei schon im zweiten Jahr eine deutliche Zunahme bei den Brutpaaren zu bemerken, denn ein Kiebitz ist in der Regel schon nach einem Jahr geschlechtsreif. „2025 waren es circa 180 Kiebitz-Brutpaare in Rheinland-Pfalz“, erklärt er.

Weiher als Lebensraum für Kiebitze

Die Kooperation zwischen Zoo und GNOR soll fortgesetzt werden, sagt Unger Lafourcade. Denn der Kiebitz ist in Rheinland-Pfalz trotz des positiven Trends noch längst nicht gerettet. Die Förderung des Kiebitzprojekts durch das Land sei übrigens bis Ende 2026 gesichert. Dazu zählt die Anstellung von zwei Studenten, die sich als Minijobber im Zoo um die Aufzucht des Kiebitz-Nachwuchses kümmern.

Die Harthausener Ganerb, die schon jetzt laut Unger Lafourcade der wichtigste Lebensraum für Kiebitze im ganzen Land ist, wollen die Projektbeteiligten weiter aufwerten. „Im vergangenen Winter haben wir einen kleinen Weiher von Weidengebüsch befreit“, sagt der Projektleiter. Prompt sei das Gewässer von etlichen Kiebitzen genutzt worden. Überdies wurde bisher – mit Unterstützung von Mitgliedern des Natur- und Vogelschutzvereins Harthausen – unter anderem der Zaun um die Rinderweide verstärkt, damit Füchse von Nestern des Bodenbrüters ferngehalten werden. „Noch in diesem Herbst möchten wir den Hauptweiher erweitern und weitere Pflegemaßnahmen am kleinen Weiher vornehmen“, kündigt Unger Lafourcade an.

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