Rhein-Pfalz Kreis Keineswegs so „bleed wie ä Päck’l Omo“

Schifferstadt. Kann man Kurpfälzisch als Fremdsprache lernen? Arnim Töpel hat es gewagt und ist sogar ein hervorragender Mundart-Künstler geworden. Im Schifferstadter Schreiwer-Hais′l erzählte er von seiner Entdeckung der Mundart. Dazu gab es Auszüge aus den zwei Mundart-Krimis, die der Künstler inzwischen veröffentlicht hat.

Zwei Sprachen und zwei Persönlichkeiten leben in Arnim Töpel: Da ist der Sohn der aus Berlin stammenden, ausschließlich Hochdeutsch sprechenden Eltern. Er drückt sich gewählt und akzentfrei aus, wählt seine Worte mit Bedacht. Und jeder Kurpfälzer hört sofort: „Der is awwer net vun do.“ Und da ist „de Günder“ (Günter). Der „babbeld“ schnell, derb und direkt und klingt wie ein Einheimischer der x-ten Generation. Töpel wechselt ganz locker zwischen den beiden Persönlichkeiten. Das allein ist schon eine faszinierende Sache, vor allem für die Mundart-Fans im Schreiwer-Hais′l, wo echtes Hochdeutsch eher selten zu hören ist. Aber Töpel hat auch ein besonderes Ohr für den Klang, für typische Redewendungen und Eigenheiten. Vermutlich liegt es daran, dass er als Junge erst mal über all die Kurpfälzer Macken stolpern musste. Und so berichtet er, wie sich seine interessierten Mitschüler mit einer einzigen Frage nach seinem Familienhintergrund, sozialem Status und Perspektiven der gemeinsamen Zukunft erkundigten: „Wäm g′hersch′n du?“ Mit „wem gehörst denn du?“ wäre die Frage völlig unzureichend übersetzt. Und Klein-Arnim antwortete hilflos und hochdeutsch: „Ich bin Deutscher“ und erntete dafür ein „ach Godd, bisch′ du dabbisch...“ – was er zuerst für ein Kompliment hielt. Töpel hat aber schnell gelernt und Freunde gefunden, die gemerkt haben, dass er keineswegs „bleed wie ä Päck’l Omo“ ist. Den Mut zur Mundart hatte Töpel als Kabarettist zu Anfang seiner Karriere noch nicht. Als hochdeutscher Sprachkünstler hatte er schon mehrere Auszeichnungen gewonnen, bevor er sich 2006 mit „Newa de Kapp“ an sein erstes abendfüllendes Mundartprogramm wagte. Erste Bühnenerfahrung sammelte der Künstler mit einem selbstgegründeten Kinder- und Jugendtheater während seines Jurastudiums, Soloauftritte folgten. Töpel ist auch ausgesprochen musikalisch: Er spielt Klavier, liebt Blues und Soul und genießt als Musiker hohe Anerkennung. Die Musikalität spürt man nicht nur in den Songs, die Töpel im Schreiwer-Hais′l im Wechsel mit seinen Texten vorträgt. Viele seiner Prosa-Texte haben einen Groove. Er klatscht dazu und fällt in eine Art Rezitativ. Halb gesungen, halb gesprochen ist er damit ganz nahe beim ursprünglichen Blues – nur statt aus Baumwollfeldern eben aus dem Wingert. Töpels Alter Ego, „de Günder“ hat sich inzwischen so verselbstständigt, dass er die Hauptrolle in zwei Büchern übernommen hat. „De Schorle-Peda“ heißt der erste Fall, den „de Günder“ als Kommissar zu lösen hat, und er spielt in Glickerbach. Dem Kurpfälzer Ermittler wird als Assistent ein Nordlicht zugeteilt. Klar, dass der Kollege aus Hamburg wie einst Klein-Arnim über die Kurpfälzer Sprache und Mentalität stolpert. Auszüge gab es am Wochenende in Schifferstadt zu hören. Und auch im zweiten Fall „Muffzekopp“ geht es mit den Missverständnissen weiter. Auch wenn Töpel das Kurpfälzisch nicht in die Wiege gelegt wurde: Er hat die Mundart kennen und lieben gelernt. Sein Blick auf Sprache und Sprecher ist stets von Respekt geprägt, aber eben auch herzerfrischend komisch und sehr unterhaltsam.

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